Der Besuch im Eisenbahnmuseum in Utrecht (niederländisch: Spoorwegmuseum) gehörte bei unserem Aufenthalt in der Stadt einfach dazu. Ob für Technik-Fans, Geschichtsinteressierte oder Familien, in dem Museum in der historischen Maliebaanstation wird es einfach nie langweilig!

Von der privaten Sammlung zum monumentalen Denkmal
Wie viele Museumsgeschichten beginnt auch hier alles mit einem Sammler. Van Vloten, ein großer Eisenbahnfan, verfügte über eine so umfangreiche Sammlung, dass sein Haus dafür nicht mehr ausreichte. 1927 erlaubte ihm die damalige Leitung der Niederländischen Eisenbahn in einem Raum in ihrem Hauptgebäude ein Museum zu errichten.
Nach dem Tod des Sammlers entschied man, den Museumsbereich auszubauen und fand an Moreelselaan in Utrecht einen geeigneten Standort. Mit wachsender Sammlung zog das Museum mehrfach um. Ein Teil der Sammlung lagerte zeitweise auf dem Dachboden des Amsterdamer Hauptbahnhofs. Bis der damalige Präsident-Direktor der Niederländischen Eisenbahn 1951 auf eine hervorragende Idee kam.

In Utrecht gab es die Maliebaanstation. Dieses monumentale Bahnhofsgebäude wurde 1874 erbaut. Nachdem es 1939 für den Personenverkehr geschlossen wurde, schwand die Bedeutung rapide. Das verlassene Gebäude wurde während des Zweiten Weltkriegs für die Deportation von Juden aus Utrecht missbraucht. Nach dem Krieg diente es nur noch kurzzeitig als Fundbüro. Dann verfiel das Gebäude immer mehr.
Das Museum zog 1951 offiziell ein. Der historische Teil wurde im November 1953 eröffnet, und am 5. November 1954 fand die offizielle Eröffnung des gesamten “nagelneuen” Spoorwegmuseums statt. Diese neue Heimat bot endlich genügend Platz, um die historischen Lokomotiven und Waggons auf den stillgelegten Gleisen des ehemaligen Bahnhofs auszustellen.

Im Jahr 2003 wurde das Gebäude geschlossen und bis 2005 umfassend renoviert und in seinen ursprünglichen Zustand aus dem 19. Jahrhundert zurückversetzt. Bei dieser Erneuerung baute man das das Museum zu einer Erlebniswelt für Groß und Klein um.
Einzigartige Anreise: Zu Fuß oder mit dem Pendelzug
Wir sind bei unserem Besuch zu Fuß am Eisenbahnmuseum in Utrecht angekommen. So hatten wir die Möglichkeit auf das wirklich wunderschöne und beeindruckende Bahnhofsgebäude zuzugehen.

Dieses kann man auch ohne Eintrittskarte für das Museum betreten. Die Maliebaanstation ist ein wunderschön restaurierter Bahnhof aus dem 19. Jahrhundert. Der Eingangsbereich ist groß und schon hier fühlt man sich in die Vergangenheit zurück versetzt. Guckt man dann in den authentisch eingerichteten königlichen Wartesaal ist es wie ein Sprung durch die Zeit.

Leider darf man diesen Bereich nur im Rahmen bestimmter Führungen betreten. Wunderschöne alte Möbel und Kronleuchter zeigen, wie ein Teil der Bevölkerung einst reiste. Besonders lustig fand ich meinen Toilettenbesuch. Selbst hier (auch wenn die moderne Welt gut versteckt war) konnte ich wie in der Vergangenheit den “Donnerbalken” nutzen.

Vom Bahnhofsgebäude aus betritt man dann den Bahnsteig. Auch hier benötigt man noch keine Eintrittskarte! Auf den Gleisen stehen Eisenbahnen. Schon hier konnte ich erahnen, was uns gleich erwarten würde. Was für großartig und vor allem gut erhaltene Züge.
Erst wenn man dem Bahnsteig bis zum Ende folgt und die Schienen überquert, gelangt man zu einem abgesperrten Gleis, auf dem noch heute Züge halten. Hier kommt stündlich der Pendelzug vom Hauptbahnhof an, der Besucher zum Museum bringt. Eine wirklich schöne Art mit dem Zug direkt ins Eisenbahnmuseum zu fahren.
Mit dem Betreten einer riesigen Bahnhalle beginnt der eigentliche kostenpflichtige Besuch des Eisenbahnmuseums in Utrecht.
Die Highlights: Eintauchen in die Erlebniswelten
Das Spoorwegmuseum führt die Besucher in unterschiedliche Epochen der Eisenbahngeschichte. Sehr spannend ist, dass dieses nicht nur über Schautafeln oder anhand von Exponaten geschieht, sondern in multimedialen „Erlebnisswelten“. Verständlicher Weise sind die Anweisungen in niederländisch, aber es gibt englische Untertitel. Wir hatten keine Verständigungsprobleme und haben die Erlebnisse genossen.

De Grote Ontdekking (Die große Entdeckung) – Die Geburt der Eisenbahn
Dieses Erlebnis ist eine Zeitreise zurück zu den Anfängen der Dampfkraft um 1839. Der Weg beginnt in einem “alten Bergwerkslift”, der die Besucher symbolisch 150 Meter in die Tiefe fährt. Man verlässt den Lift in einer Welt “voller Ruß und Dampf” und trifft auf “De Arend” (Der Adler), die erste Dampflokomotive der Niederlande. Sie wartet, glänzend und abfahrbereit, auf dem nachgebauten Bahnsteig von “d’Eenhonderd Roe”. Diese Attraktion ist als Walk-Through-Erlebnis für alle Altersgruppen konzipiert.

Stalen Monsters (Stahlmonster) – Die Ära der Giganten
Hierbei handelt es sich um eine Hommage an die kolossalen, schweren Dampflokomotiven, die einst die Landschaft prägten. “Stalen Monsters” ist ein “Dark Ride”. Die Besucher fahren in einem Wagen unter, zwischen und über “zischenden, pfeifenden und dröhnenden” Stahlmonstern hindurch. Es ist eine Art Achterbahnfahrt mit beeindruckenden Soundeffekten und Dampf.
Diese Attraktion richtet sich an Kinder (4-12 Jahre) und Erwachsene.Sie wird nicht für schwangere Besucher empfohlen und ist nicht rollstuhlgerecht.
De Vuurproef (Die Feuerprobe) – Der Simulator
Bei “De Vuurproef” (Die Feuerprobe) werden die Besucher selbst zu Lokführern. Es handelt sich um einen 4D-Simulator, in dem man das Steuer einer virtuellen Lokomotive übernimmt.

Dieses interaktive Erlebnis ist speziell für Kinder im Alter von 4 bis 12 Jahren konzipiert. Wobei wir auch viel Spaß hatten.
Droomreizen (Traumreisen) – Luxus auf Schienen
“Droomreizen” (Traumreisen) entführt die Besucher in die goldene Ära des luxuriösen internationalen Reisens. In einer theaterähnlichen Inszenierung wird die Romantik des Orient-Express und anderer legendärer Fernzüge zelebriert.
Die Sammlung: Von königlichen Waggons bis zur Miniaturwelt
Neben den themenparkähnlichen Attraktionen gibt es natürlich auch einige interessante Ausstellungen zu sehen.
Historische Züge
Mein absolutes Highlight waren die historischen Züge, die in der Halle und auf dem großen Freigelände zu sehen sind.

Gerade der Außenbereich hat mich besonders beeindruckt. Hier steht man wirklich auf einem echten Bahnhofsgelände. Es gibt zum Beispiel eine funktionierende Drehscheibe und ein historisches Stellwerk zu entdecken. Aber auch die „kleineren“ Exponate wie Schilder fand ich sehr spannend. Die „Hauptakteure“ sind aber die vielen verschiedenen Eisenbahnwaggons, Lokomotiven, Triebwagen….
Die Sammlung umfasst historische Züge, darunter Waggons, die von der niederländischen Königsfamilie genutzt wurden. Es gibt aber auch neuere Züge zu sehen.

“Beladen Treinen” (Beladene Züge) – Das ernste Erbe
Das Eisenbahnmuseum in Utrecht zeigt auch Ausstellungsstücke, die explizit für Erwachsene worden ist konzipiert. Diese Ausstellung setzt sich respektvoll und schonungslos mit der dunkelsten Seite der Eisenbahngeschichte auseinander: der Rolle der niederländischen Eisenbahn bei den Deportationen von Juden, Roma und Sinti in die Vernichtungslager während des Zweiten Weltkriegs. Im Zentrum der Ausstellung steht ein Gepäckwagen (NS 4088), der während des Krieges in Osteuropa verschwand und erst 2002 auf einem abgelegenen Rangierbahnhof in Rumänien wiederentdeckt wurde.

Modellbahnen
Wer denkt, im Spoorwegmuseum gäbe es nur die Eisenbahnen, wird im Bereich der Modellbahnen eines Besseren belehrt. In liebevoll gestalteten Vitrinen und auf weitläufigen Anlagen wird die Geschichte der Schiene im Miniaturformat erzählt.

Ein Highlight für Fans der Feinmechanik ist die Sammlung von Modellen, die früher zu Ausbildungszwecken genutzt wurden. Hier konnten angehende Eisenbahner an verkleinerten Objekten lernen, wie Weichenstellungen und Signaltechniken funktionieren.
Techlab & Die Zukunft (Hyperloop)
Das “Techlab” bildet den modernen Gegenpol zu den historischen Exponaten. Hier können Kinder und Erwachsene interaktiv mehr über die moderne Zugtechnik lernen. Dieser Bereich wagt auch einen Blick in die Zukunft und präsentiert innovative Konzepte wie den Hyperloop.

Das Eisenbahnmuseum in Utrecht mit Kindern
Das Spoorwegmuseum richte sich hauptsächlich an Familien und wird oft als “Paradies für kleine Zugliebhaber” bezeichnet.
Im Außenbereich gibt es einen großen Spielplatz, der sowohl für Kinder ab 2/3 Jahre geeignet ist. Eine der beliebtesten Attraktionen für jüngere Besucher ist der Mini-Zug. Diese kleine Bahn fährt sicher über das Museumsgelände und bietet den kleinsten Gästen das Erlebnis einer echten Zugfahrt.

Unser Fazit
Was für ein tolles Museum! Wir hatten vor unserem Besuch einige Bilder gesehen und waren davon sehr beeindruckt. Ehrlich gesagt hat der Besuch einen noch größeren Eindruck hinterlassen. Die Halle mit den Zügen ist wirklich riesig. Die Züge wirken dort, gerade wenn man von oben guckt, richtig klein. Steht man dann neben ihnen, merkt man wie riesig die Eisenbahnen sind.
Uns hat auch der Bereich mit den Erlebniswelten sehr gefallen. Was für eine tolle Abwechslung zwischen den Exponaten, die den Besuch richtig erlebnisreich werden lassen.

Insgesamt waren wir gut 4 Stunden im Eisenbahnmuseum in Utrecht und es war nicht eine Minute langweilig!
Besucherinformationen
Adresse
Spoorwegmuseum,
Maliebaanstation 16,
3581 XW Utrecht, Niederlande.
Anfahrt
mit dem “Pendelzug”
Ein spezieller Shuttle-Zug verkehrt einmal pro Stunde direkt vom Utrechter Hauptbahnhof (Utrecht Centraal) von Gleis 2.
Das Ziel ist der museumseigene Bahnhof “Utrecht Maliebaan”.
Die Fahrt erfordert ein gültiges NS-Ticket oder eine niederländische OV Chipkaart; das Ein- und Auschecken ist im Museumsbahnhof möglich.
Mit dem Auto
Die Anreise mit dem Auto ist möglich, wird aber insbesondere an besucherstarken Tagen nicht empfohlen.
Mit dem Bus
Vom Hauptbahnhof Utrecht Centraal fahren die Buslinien 4, 8, 28, 50, 55, 73 oder 77 bis zur Zielhaltestelle “Stadsschouwburg” (Stadttheater). Von wo aus das Museum in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar ist.
Parken
Das Museum verfügt nur über eine sehr begrenzte Anzahl von Parkplätzen. Diese sind oft schon früh morgens belegt. Ein Parkticket für den Museumsparkplatz kostet € 16,50 pro Besuch. Es ist nur direkt an der Museumskasse erhältlich.
Die Adresse des Parkplatzes: Johan van Oldenbarneveltlaan 1, Utrecht.
Öffnungszeiten
Dienstag- Sonntag: 10- 17 Uhr
Montag: geschlossen
Schulferien: Während der offiziellen niederländischen Schulferien ist das Museum auch montags geöffnet.
Feiertage: Das Museum ist an Feiertagen wie Weihnachten und Neujahr geöffnet (an Neujahr mit verkürzten Öffnungszeiten). Am Königstag ist das Museum jedoch geschlossen.
Eintrittspreise
Standard-Eintrittspreise:
Erwachsene und Kinder (ab 4 Jahren): € 19,50.
Kinder (0 bis 3 Jahre): Gratis.
Es ist erforderlich, vor dem Besuch online ein Zeitfenster zu reservieren. Auch Besucher, die bereits ein gültiges Ticket oder eine Freikarte besitzen – wie die niederländische Museumkaart oder die VriendenLoterij VIP-kaart – müssen ein Zeitfenster reservieren.
Geld
Das Spoorwegmuseum ist ein “Pin Only”-Standort. Das bedeutet, dass im gesamten Museum kein Bargeld akzeptiert wird.
Barrierefreiheit
Das Museumsgelände selbst gilt als “rollstuhlfreundlich”. Es gibt strategisch platzierte, rollstuhlgerechte Toiletten: eine in der Eingangshalle des Maliebaanstation und eine weitere neben dem Restaurant im Hauptgebäude. Assistenz- und Blindenhunde sind im Museum willkommen.
Die Einschränkungen: Es gibt zwei wesentliche Ausnahmen. Erstens sind die historischen Züge und Waggons selbst nicht mit dem Rollstuhl befahrbar. Zweitens ist die Hauptattraktion “Stalen Monsters” aus Sicherheitsgründen nicht für Rollstuhlfahrer zugänglich.
FAQ
Gibt es gastronomische Angebote vor Ort?
Ja, es gibt ein großes Restaurant. Es gibt aber auch eine Picknick-Zone. Hier darf man sein eigenes Mitgebrachtes verzehren.
Gibt es einen Museumsshop?
Ja, der Museumsshop bietet Eisenbahnsouvenirs für jede Altersgruppe.
Wieviel Zeit sollte man einplanen?
Um die Hauptattraktionen und die Atmosphäre des Museums in Ruhe genießen zu können, wird eine Besuchszeit von mindestens 3 bis 4 Stunden empfohlen. Für Eisenbahn-Enthusiasten oder Familien, die den Spielplatz ausgiebig nutzen, kann der Besuch auch “einige Stunden” länger dauern.
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