Wer an den Sinai denkt, hat meist sofort bunte Korallenriffe und endlose Sandstrände im Kopf. Ging mir genauso! Doch ich habe mich gefragt: Was gibt es eigentlich an Kultur und Geschichte zu entdecken? Lohnt sich der Ausflug in die Stadt?
Die Antwort ist ein klares “Ja”. Zwischen Wüstensand und Rotem Meer verstecken sich Orte voller Atmosphäre und spannender Geschichte. Entdecke meine persönlichen Highlights und die schönsten Sharm El Sheikh Sehenswürdigkeiten.
Ein Märchen aus 1001 Nacht: Die Al-Sahaba-Moschee
Kaum steigen wir aus dem Bus aus sehen wir sie schon in der Sonne glitzern. Wir sind an der Al-Sahaba-Moschee in der „Old Town“ von Sharm El Sheikh angekommen. Dieses Viertel ist bekannt für seine authentische und lebendige Atmosphäre, die sich durch traditionelle Geschäfte, Restaurants und Märkte auszeichnet und die Moschee thront förmlich darüber.

Die Al-Sahaba-Moschee ist eines der beeindruckendsten zeitgenössischen architektonischen Bauwerke Ägyptens. Auch wenn es auf den ersten Blick anders erscheint, die Moschee ist wirklich erst 2017 eröffnet worden. Man hat sich ganz bewusst für diesen prunkvollen Bau entschieden, um nicht nur der Bevölkerung einen Ort des Gebets, sondern auch uns Urlaubern ein echtes touristisches Highlight zu bieten.
Ein Blick auf die Geschichte
Die Bauarbeiten begannen im Jahr 2011 und dauerten sechs Jahre. Die Finanzierung erfolgte durch die ägyptische Regierung sowie durch private Wohltäter. Die geschätzten Baukosten: 35 – 40 Millionen Ägyptischen Pfund (mehr als 650.000€). Der Entwurf für die Moschee stammt von einem renommierten ägyptischen Architekten. Er plante eine bewusste Fusion verschiedener historischer islamischer Stile. Die Idee, die dahinter steckt: Ägyptens vollständiges islamisches Kulturerbe zu würdigen und das in einem Bauwerk. Wer sich mit der Baugeschichte etwas auskennt, entdeckt Elemente aus der osmanischen, mamlukischen und fatimidischen Architektur.

Während wir auf das Bauwerk zugehen bestaune ich die beiden hoch aufragenden Minaretten. Die Türme ragen gut 76 Meter in die Höhe und von unten wirkt es so, als würden sie den Himmel erreichen. Aus der Ferne fallen besonders die großen kupferfarbenen Kuppel auf. Als wir dann näher kommen, entdecken wir die filigrane Ornamentik, kunstvolle Mosaikdetails und komplizierte Steinmetzarbeiten. Was für eine Handwerkskunst, es sieht wunderschön aus, wie aus einem Märchen von Tausendundeiner Nacht.

Das Innere der Moschee
Außerhalb der Gebetszeiten ist es möglich die Moschee zu betreten. Die Hauptgebetshalle bietet Platz für 3000 Gläubige. Auch im Innenraum hat man Wert auf kunstvolle Details gelegt. Kunstvoll verzierte Kronleuchter hängen von der Decke, die Böden sind mit handgewebten Teppichen belegt, und die Wände sind mit arabischen Inschriften verziert.

Anfahrt
Die Moschee ist für Touristen und Einheimische leicht erreichbar. Von den zentralen Touristengebieten der Stadt, wie der Naama Bay, ist die Anreise besonders schnell und unkompliziert. Eine Taxifahrt von Naama Bay dauert nur etwa 7 Minuten und ist mit geschätzten $1 bis $2 (USD) äußerst günstig.
Zugangszeiten
Die Moschee ist wie alle aktiven Gotteshäuser, während der Gebete für Touristen geschlossen. Die fünf täglichen islamischen Gebetszeiten richten sich nach dem Stand der Sonne und variieren daher täglich. Es ist ratsam vorab im Hotel nach den aktuellen Zeiten zu fragen.
Generell wird empfohlen, die Moschee morgens oder nachmittags zu besuchen.
Eintrittspreis
Der Eintritt ist für Touristen kostenlos.
Kleiderordnung
Die Einhaltung der Kleiderordnung ist eine Voraussetzung für den Besuch der Al-Sahaba-Moschee.
Für Frauen:
Es ist erforderlich, dass Arme und Beine vollständig bedeckt sind; lange Hosen, Röcke und lange Ärmel sind vorgeschrieben. Zusätzlich muss das Haar mit einem Schal oder Kopftuch bedeckt werden. Es sollte darauf geachtet werden, keine eng anliegende Kleidung zu tragen.
Für Männer:
Männer müssen lange Hosen tragen; ärmellose Shirts (Tank Tops) oder Shorts, die die Knie nicht bedecken, sind nicht gestattet. Hüte müssen abgenommen werden.
Am Eingang werden Abayas (lange Gewänder) und Schals kostenlos am Eingang zur Verfügung gestellt.
Beim Betreten der Gebetszonen müssen alle Besucher ihre Schuhe ausziehen.
Feilschen und Düfte: Der Old Market (Al-Souk)
Direkt zu Füßen der Moschee liegt der Old Market. Er bietet ein ägyptisches Einkaufserlebnis, das zwar auf Touristen ausgerichtet, aber dennoch charmant ist. Hier findet man alles: frische Lebensmittel, Gewürze, Teesorten, Teppiche, Shishas und handgefertigten Schmuck.

Es ist wie in nahezu jeden Souk. Die Händler sprechen Touristen aktiv an. Wer kein Interesse hat, sollte freundlich aber bestimmt “La, schukran” (Nein, danke) sagen. Wer sich in ein langes Verkaufsgespräch verwickeln lässt, hat schon fast verloren und kauft schließlich doch.
Meine Tipps zum Handeln: Feilschen ist hier Pflicht und Teil der Kultur! Den ersten genannten Preis einfach zu akzeptieren, gilt fast als unhöflich (und ist schlecht für den Geldbeutel).
1. Geh davon aus, dass der Startpreis massiv überhöht ist.
2. Setze mit einem Gegenangebot an (oft 30–50 % des Erstpreises).
3. Bleib freundlich, lächle, aber bleib standhaft.
4. Einigt ihr euch nicht? Einfach weitergehen. Oft kommt dann das beste Angebot hinterhergerufen.
Mir sind besonders die Gewürzstände in Erinnerung geblieben. Der Duft von Zimt, Kreuzkümmel und Koriander liegt schwer und verlockend in der Luft – ein tolles Mitbringsel für die Küche daheim.

Wer eher typische „Mitbringsel“ sucht findet Papyrus, Lampen, Shishas und natürlich Arbeiten aus Alabaster und Stein. Gerne wird auch Silberschmuck angeboten. Unser Tipp: Lieber zweimal die Qualität überprüfen und nicht von den Händlern bedrängen lassen.
Koptisch-katholische Kirche „Unserer Lieben Frau vom Frieden“
Der Sinai ist heiliges Land für Juden, Christen und Muslime. Daher ist es nicht verwunderlich, dass man hier auch andere Gotteshäuser als Moschee findet. Wir besuchten die Kirche „Unserer Lieben Frau vom Frieden“.

Sie ist die erste und historisch bedeutendste koptisch-katholische Kirche auf der Sinai-Halbinsel (geweiht im Jahr 2015). Sie ist zwar kleiner und weniger bekannt als die riesige koptisch-orthodoxe „Heavenly Cathedral“ (die ebenfalls einen Besuch wert ist!), aber gerade diese Ruhe hat mir gefallen. Die Gemeinde besteht hauptsächlich aus Touristen und ausländischen Arbeitern.
Zunächst mussten wir alle durch einen Sicherheitsbereich, also am besten alle Taschen im Bus oder im Hotel lassen.

Die Kirche ist klein aber sehenswert! Mir haben besonders gut die wunderschönen bunten Fenster gefallen, die bildliche Darstellungen aus der Bibel zeigen. Diese sind sehr modern gestaltet und sind optisch eher untypisch für eine Kirche.

Bemerkenswert sind auch die gemalten Bilder, die die Wände schmücken. Diese sind direkt auf die Wand gemalt und zeigen biblische Szenen. So einen Kirchenschmuck habe ich bisher noch nicht in anderen Kirchen entdeckt.
Friedensplatz und das Friedens-Icon Memorial
In der Stadt Sharm El Sheikh haben bereits mehrfach hochrangigen internationalen Konferenzen und diplomatischen Treffen stattgefunden, bei denen Verhandlungen mit verschiedenen Machthabern geführt wurden. Die Stadt trägt offiziell den Beinamen „The City of Peace“ (Die Stadt des Friedens).
Der Friedensplatz (Midan El Salam) ist ein weitläufiger öffentlicher Raum und befindet sich an der Peace Road. Er liegt strategisch günstig am Eingang der Stadt, unweit der Airport Road. So ist er oft das erste und letzte Wahrzeichen, das ankommende und abreisende Diplomaten sowie Touristen sehen. Die genaue Größe des Platzes wird je nach Quelle mit 36.000 bis zu 70.000 Quadratmetern angegeben. Das Herzstück des Friedensplatzes ist die monumentale Skulptur, bekannt als “The Peace Icon Memorial” oder das “Sign of Peace”.

Das Friedens-Icon wurde in das Guinness-Buch der Rekorde als das größte bzw. höchste Metallkunstwerk der Welt aufgenommen. Die reine Stahlstruktur erreicht eine Höhe von 36,50 Metern. Sie wiegt etwa 100 Tonnen und trägt acht massive Flügel mit einer Spannweite von 24 Metern.
Wir haben uns das Denkmal etwas genauer angesehen. Die Basis wird von einer Metall-Lotusblume gebildet, die auf einem kolossalen Betonsockel ruht, der mit schwarzem Granit verkleidet ist. Acht Flügel umfassen einen Globus von 10 Metern Durchmesser. Acht Tauben fliegen vom Globus weg und tragen Olivenzweige.
Die acht Flügel sind präzise auf die acht Hauptrichtungen des Kompasses ausgerichtet (Nord, Ost, Süd, West und die vier Zwischenrichtungen). Dies vermittelt die klare Botschaft, dass der Frieden allumfassend ist und in jede Ecke der Welt getragen werden soll.
Weitere Sehenswürdigkeiten
Soho Square – Der moderne Kontrast
Wer nach Old Town einen Kontrast sucht, muss zum Soho Square. Hier ist alles ultramodern, extrem sauber und fast ein wenig futuristisch. Es gibt eine „Dancing Fountain“ (Wasserspiele mit Musik), gehobene Restaurants, noble Bars und sogar eine Eislaufbahn mitten in der Wüste. Hier wird man übrigens kaum von Händlern angesprochen – ein sehr entspanntes Bummeln am Abend.
Sharm El Sheikh Museum
Dieses neue Museum ist ein Versuch, Kultur in den Strandurlaub zu integrieren. Es beherbergt über 5.000 Artefakte. Ein Highlight ist die „Animal Hall“, die mumifizierte Tiere (Katzen, Falken, Krokodile) zeigt und deren Rolle in der antiken Mythologie erklärt. Auch Statuen aus der griechisch-römischen Zeit, die aus dem Meer geborgen wurden, sind zu sehen.
King Tut Museum (Genena City)
Im Untergeschoss der Genena City Mall gelegen. Es zeigt 1:1-Repliken der Schätze des Tutanchamun. Da die Originale im Grand Egyptian Museum in Kairo sind, bietet dies Besuchern in Sharm die Möglichkeit, Kopien der Goldenen Maske und der Streitwagen zu sehen.
Farsha Cafe
Zum Abschluss noch ein echter “Geheimtipp”, der mittlerweile Kultstatus hat. Das Farsha Café ist in die Klippen von Ras Um Sid gebaut. Es besteht aus zig kleinen Terrassen, vollgestopft mit antiken Türen, Laternen, alten Radios und Bodenkissen. Die Atmosphäre ist “Beduinen-Bohemian” pur. Besonders nach Sonnenuntergang, wenn alles nur durch das warme Licht unzähliger Lampen beleuchtet wird, ist es magisch. Man trinkt Tee oder raucht Shisha und schaut aufs Meer.

Tipp: Komm früh (vor Sonnenuntergang), denn es bilden sich oft lange Warteschlangen!
Mein Fazit
Sharm El Sheikh hat mich überrascht. Ja, die Strände sind traumhaft, aber wer sich die Zeit nimmt, die Sharm El Sheikh Sehenswürdigkeiten zu erkunden, taucht in eine Welt voller Kontraste zwischen uralter Geschichte und moderner Kunst ein. Ich komme definitiv wieder!
Der Besuch fand im Rahmen einer Pressereise statt.
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