Tadoussac ist weltweit als Walbeobachtung Hotspot bekannt. Es gibt hier aber nicht nur das Leben im Wasser zu entdecken. Die Wildnis von Québec hat noch mehr zu bieten: Tief in den Wäldern am Saguenay-Fjord lebt ein beeindruckender Landbewohner. Wir haben bei einer geführten Tour eine unvergessliche Schwarzbären-Beobachtung bei Tadoussac erlebt.
Der Lebensraum: Die unberührte Natur von Québec
Der Schwarzbär liebt die Abgeschiedenheit. Seine Heimat sind die dichten, oft undurchdringlichen Mischwälder, die sich entlang des majestätischen Saguenay-Fjords und weiter östlich an der rauen Côte-Nord erstrecken. Diese Regionen bieten ihm alles, was er zum Überleben braucht:
- Schutz in unberührter Natur.
- Reichhaltige Nahrungsquellen wie Blaubeeren, Nüsse und Lachse in den Flüssen.
- Höhlen und Dickicht für den Winterschlaf.
Scheu, aber neugierig: Das Wesen der Schwarzbären
Das Tier gilt als scheu, ist aber gleichzeitig extrem neugierig. Von Natur aus gehen Schwarzbären Konfrontationen aus dem Weg. Sie sind Einzelgänger und ziehen sich meist zurück, sobald sie menschliche Witterung aufnehmen oder Lärm hören. Ihre Neugier wird fast ausschließlich von ihrem phänomenalen Geruchssinn gesteuert. Ein Bär riecht Nahrung über kilometerweite Entfernungen. Wenn er sich Siedlungen oder Campern nähert, ist es meist nicht Aggression, sondern der unwiderstehliche Duft von Essen, der seine angeborene Scheu kurzzeitig überlagert.

Seine Ernährung besteht zu einem Großteil aus pflanzlicher Kost (Beeren, Früchte, Nüsse) und so trägt er maßgeblich zur Verbreitung von Samen bei. Über weite Strecken transportiert er diese in seinem Verdauungstrakt und scheidet sie an neuen Orten wieder aus, was das Wachstum neuer Pflanzen fördert.
Die geführte Tour: Schwarzbären-Beobachtung bei Tadoussac
Wir haben uns dazu entschieden bei einem lokalen Anbieter eine geführte Tour zu buchen. Die Bewertungen zu dieser Veranstaltung waren recht unterschiedlich. Von “es war kein Bär zu sehen” bis “unglaubliches Erlebnis” war alles vertreten und so war ich gespannt, was uns erwarten würde.
Mit dem Auto brauchten wir etwa 15 Minuten von Tadoussac bis zu einem Parkplatz mit einem kleinen Infocenter. Hier sollte die Tour starten.

Ablauf und Vorbereitung der Schwarzbären-Beobachtung bei Tadoussac
Die Tour wird zweisprachig (Französisch/Englisch) geführt. Ein wichtiger Hinweis der Guides vorab: Es handelt sich um echte Wildtiere.
Mehrfach wurde darauf hingewiesen, dass die Tiere wirklich frei und wild in den Wäldern leben würden und wenn sie keine Lust haben sich zu zeigen, könnte man es nicht ändern. In diesem Fall bestünde die Möglichkeit an einem anderen Tag erneut teilzunehmen.
Tourablauf:
- Gemeinsame Fahrt in die Wälder.
- 2 Minuten zu Fuß zu einem überdachten Aussichtspunkt.
- 1,5 – 2 Stunden warten auf Bären, Beobachtungszeit und etwas „Bärenkunde“.
- Gemeinsame Rückfahrt zum Besucherparkplatz.

Wichtige Verhaltensregeln für die Beobachtung:
- Stille bewahren: Die Bären haben ein extrem feines Gehör und laufen bei ungewohnten Geräuschen oder Bewegungen weg.
- Kleidung: Auch im Sommer wird es nach Sonnenuntergang im Wald empfindlich kalt – Zwiebelprinzip ist Pflicht!
- Insektenschutz: Mückenspray ist essenziell, es muss aber vor dem Betreten (möglichst am Infocenter) des Beobachtungspunkts aufgetragen werden.
- Kein Essen: Um die Tiere nicht unkontrolliert anzulocken oder abzulenken, ist Essen vor Ort streng untersagt.
- Fotografieren: Man darf fotografieren, aber nur ohne Blitzlicht
- Tipp Fernglas: Da der Beobachtungspunkt etwas entfernt liegt, kann ein Fernglas nicht schaden!
Mit dem gelben Schulbus tief in die Wildnis
Das erste Highlight war nostalgisch: Ein typisch amerikanischer, gelber Schulbus brachte uns über holprige Waldwege zur Lichtung.

Was für eine Fahrt! Die Sitze in dem Bus sind hart, eng und fürchterlich unbequem. Kein Wunder, wenn die Kids nach längeren Fahren „gerne“ in die Schule gehen, ich bin auch gerne wieder aufgestanden. Zusätzlich ist der Bus wirklich laut. Nicht nur der Motor rattert, er klapperte überall und piepte beim Rückwärtsfahren fürchterlich laut.
Mein erster Gedanke war, ob ich als Bär nicht lieber weglaufen würde? Oder war das ein Geräusch, was er nicht bedrohlich fand?
Über einen holprigen Waldweg gelangten wir mitten in den Wald und stiegen in einer kleinen Lichtung aus. Dem Tourguide folgend ging es einen Trampelpfad entlang. Es war schon recht lustig zu beobachten, wie wir alle versuchten so leise wie möglich zu sein, um die Bären nicht zu verschrecken. Dabei waren wir bestimmt viel leiser als der alte Bus.

Nur knapp zwei Minuten später erreichten wir einen großen überdachten Holzhochsitz mit mehreren Holzbänken ohne Rückenlehne.
Gänsehaut-Moment: Wenn der erste Bär aus dem Dickicht tritt
Vom überdachten Hochsitz aus blickten wir auf eine Lichtung mit Futtertrögen, die mit Obst präpariert waren.
Dann hieß es warten… still sitzen … nicht sprechen … in den Wald gucken … hoffen auf einen Bären.
Ich war nicht ganz so zuversichtlich, dass wir an diesem Abend Erfolg haben würden. Der Tourguide hatte erzählt, dass die letzten Beobachtungen erfolglos verliefen. Da gerade Jagdsaison war, wären die Bären sehr schreckhaft und vorsichtig.

Ich habe keine Ahnung, wie lange wir dort gesessen haben, es war auf jeden Fall sehr langweilig in den Wald zu starren und nichts zu tun. Zusätzlich fing so langsam an der Rücken zu schmerzen, die Bank war wirklich unbequem.
Nach einer gefühlten Ewigkeit des Starrens in das tiefe Grün passierte es: Ein junger Schwarzbär schlich vorsichtig aus den Büschen. Das Herzklopfen in der Gruppe war fast hörbar, während wir alle die Luft anhielten.

Wir zückten die Fotoapparate und hofften, dass der Bär nicht sofort wieder umdrehen würde. Der Bär sah sich um und schlich in Richtung der Fütterungsstellen. Immer wieder blieb er stehen, hob witternd die Nase.

Der Schwarzbär entschied sich für das Fressen und trat an den ersten Futtertrog. Es war faszinierend zu beobachten, wie geschickt der auf zwei Beinen stehende Bär die schweren Abdeckbretter der Tröge mit seinen Tatzen beiseite schob. Immer wieder sah er sich vorsichtig um und holte sich dann etwas Obst aus dem Trog. Anscheinend fühlte er sich recht sicher, denn er fraß seine Beute in aller Ruhe auf. Nach einigen Obststücken verschwand er schließlich wieder im Wald.
Was für ein Erlebnis! Während unser Tourguide leise flüsternd etwas von recht jungem Bär erzählte, kam das selbst auf die Entfernung beeindruckend große Tier wieder aus dem Wald hervor. Vorsichtig schlich er um den Futtertrog herum holte sich erneut Obst und lief dann, erschreckt von einem Geräusch, zurück in den Wald.

Wir hatten das unglaubliche Glück, dass dieser Schwarzbär anscheinend viel Appetit auf Obst hatte, denn er kam mehrfach zurück. So konnten wir alle entspannt zusehen und das Tier beobachten. Ob er uns wohl bemerkt hat?
Nach gut 1,5 Stunden war es schließlich Zeit für die Rückfahrt. Wir verließen leise und glücklich den Aussichtspunkt. Der Bus brachte uns zurück zum Parkplatz. Die Rückfahrt nach Tadoussac verlief nicht ganz so schweigsam wie die letzten 2 Stunden. Es war einfach zu schön und wirklich ein unvergessliches Erlebnis.
Besucherinformationen
Adresse
Observation de l’ours noir
1895 QC-172, Sacré-Coeur,
Quebec G0T 1Y0, Kanada
Beste Reisezeit
Die Touren finden meist von Juni bis September stattfinden (wenn die Bären aktiv sind).
FAQ
Wann ist die beste Uhrzeit für die Bärenbeobachtung?
Die Touren finden am späten Nachmittag oder frühen Abend statt, da Schwarzbären in der Dämmerung am aktivsten sind.
Wie sicher ist die Schwarzbären-Tour?
Sehr sicher. Die Beobachtung erfolgt von einem erhöhten, geschützten Hochsitz aus. Die Guides sind erfahren im Umgang mit Wildtieren und geben strikte Sicherheitsanweisungen.
Gibt es eine Garantie, Bären zu sehen?
Nein, es handelt sich um wilde Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum. Der Anbieter bietet jedoch eine kostenlose Wiederholung an, falls sich kein Tier zeigt.
Ist die Tour für Kinder geeignet?
Ja, sofern die Kinder in der Lage sind, ca. 1,5 bis 2 Stunden still und leise zu sitzen, um die Tiere nicht zu verscheuchen.
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