Eingebettet in die Hügel des Kaiserwaldes liegt der Kurort Marienbad (tschechisch: Mariánské Lázně). Es ist ein Ort, der von der glanzvollen Vergangenheit der europäischen Aristokratie, von Kaisern, Königen, Künstlern und Denkern erzählt, die einst auf seinen Promenaden wandelten.
Nicht ohne Grund wurde Marienbad 2021 mit zehn anderen europäischen Kurorten als Teil der „Great Spas of Europe“ in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Wir haben uns treiben lassen und eines ist sicher: Marienbad ist kein Ort zum Abhaken, sondern zum Erleben. Kommt mit auf unseren Spaziergang entlang der Sehenswürdigkeiten in Marienbad.
Auf einen Blick
- Was: kurzer Spaziergang entlag der Sehenswürdigkeiten in Marienbad, zusätzliche Tipps abseits der Strecke
- Wo: Marienbad, Tschechien
- Highlight: singende Fontaine
- Ideal für: alle Gäste in Marienbad
Sehenswürdigkeiten in Marienbad – ein Stadtspaziergang
Unsere gemütliche Entdeckungstour führte uns in das Herz des Kurortes. Diese Route ist ein entspannter Spaziergang und verbindet die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Marienbad.
Station 1: Denkmal Franz Josef I und Edward VII
Unsere Tour beginnt mit einer königlichen Begegnung. Dieses Denkmal, oft als “Statue der Monarchen” bezeichnet, ist eine lebensgroße Bronzeskulptur, die die beiden Herrscher bei ihrem Treffen in dem berühmten böhmischen Kurort darstellt.

Das bekannte Denkmal erinnert an das historische Treffen zwischen dem österreichisch-ungarischen Kaiser Franz Joseph I. und dem britischen König Edward VII. im Jahr 1904. Es wurde anlässlich des 110. Jahrestages des Treffens der beiden Monarchen errichtet. Die Skulpturen schuf der Bildhauer Albert Králíček.
Station 2: Hotel Ensana Nové Lázně Marienbad
Nur wenige Schritte entfernt tauchen wir in die goldene Ära der Kurarchitektur ein. Das traditionsreiche Haus ist bekannt für seine Kombination aus historischem Ambiente und einem umfassenden Kur- und Wellnessangebot. Das ursprüngliche Gebäude wurde 1828 errichtet und trug den passenden Namen “Neubad” (Nové Lázně). Das “goldene Zeitalter” Marienbads Ende des 19. Jahrhunderts verlangte nach noch mehr Luxus. Unter der Leitung des Architekten Josef Schaffer erhielt das Gebäude sein heutiges, prachtvolles Aussehen im Stil der Neorenaissance und wurde zur führenden Kureinrichtung.

Wir haben in diesem Hotel einen Kurzurlaub verbracht und in unserem Beitrag “Ein königlicher Kurzurlaub: Unsere Erfahrungen im Hotel Ensana Nové Lázně in Marienbad” gibt es dazu genauere Einblicke in das berühmte Römische Bad und die Royal Cabin.
Station 3: Gesellschaftshaus Casino
Schon von außen ist das neoklassizistische Gebäude des Casinos eine Augenweide. Der Name „Casino“ kann hier leicht in die Irre führen, denn entgegen der modernen Bedeutung war dieses Haus nie eine öffentliche Spielbank. Vielmehr war es das unumstrittene gesellschaftliche und kulturelle Zentrum des mondänen Kurlebens.

Das Gebäude wurde um 1900 fertiggestellt und dient bis heute als prunkvoller Rahmen für die wichtigsten Ereignisse der Stadt. Hier traf sich der europäische Hochadel zu eleganten Bällen, lauschte Konzerten im prachtvollen Spiegelsaal oder flanierte durch den imposanten Marmorsaal. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie hier bei Walzerklängen und Konversation die Geschicke Europas verhandelt wurden.
Wir konnten einen Blick in die unbeschreiblich schönen Räume werfen. Wer mehr darüber wissen möchte kann das in unserem Beitrag “Casino in Marienbad: Wo Kultur auf kaiserliche Geschichte trifft” nachlesen.
Station 4: Ambrosius Quelle
Etwas unscheinbarer, aber für die Kurtradition umso wichtiger, stoßen wir auf den Pavillon der Ambrosius-Quelle.
Der leicht metallische Geschmack ist vielleicht nicht jedermanns Sache, aber die Verkostung gehört zum authentischen Marienbad-Erlebnis einfach dazu.
Station 5: Hotel Central (Ensana Centrální Lázně)
Gegenüber dem Casino fügt sich das imposante Gebäude des ehemaligen Hotel Central nahtlos in das Ensemble prachtvoller Bauten ein. Es wurde 1892 errichtet und war ebenfalls ein zentraler Ort des Kurgeschehens.
Gemeinsam mit dem Nové Lázně und dem Maria Spa bildet es heute einen verbundenen Hotelkomplex, der es Gästen ermöglicht, trockenen Fußes zwischen den historischen Badehäusern zu wechseln. Seine elegante Fassade ist ein perfektes Beispiel für die Bäderarchitektur der Belle Époque.

Station 6: Hotel Maria Spa (Ensana Maria Spa)
Hier schlägt gewissermaßen das historische Herz der Kurstadt. Das Maria Spa, eröffnet 1821, ist das älteste erhaltene Badehaus Marienbads. Sein klassizistischer Stil wirkt im Vergleich zu den späteren Neorenaissance-Bauten fast schon bescheiden, doch genau hier nahm die Erfolgsgeschichte Marienbads ihren Anfang. Benannt ist das Haus nach der Marienquelle, die im Inneren des Gebäudes entspringt.
Station 7: Gotheplatz
Der Goetheplatz ist umgeben von prächtigen Hotels, der Kirche und dem Stadtmuseum. Er bildet er das Zentrum Marienbads. Hier kann man auf einer Bank verweilen, das Treiben beobachten und die beeindruckende Architektur auf sich wirken lassen. Namensgeber ist natürlich Johann Wolfgang von Goethe, der Marienbad mehrfach besuchte und hier seine späte Liebe traf.
Station 8: Römisch-katholische Dekanatskirche Mariä Himmelfahrt.
Die römisch-katholische Dekanatskirche Mariä Himmelfahrt dominiert den Goetheplatz (Goethovo náměstí). Sie wurde zwischen 1844 und 1848 nach Plänen von Johann Gottfried Gutensohn in einem für die Region ungewöhnlichen neobyzantinischen Stil errichtet. Ihre architektonische Besonderheit ist der achteckige Grundriss, der im Inneren eine besondere Raumwirkung erzeugt.

Station 9: Kolonnade der Karolinen- und Rudolfsquelle
Ich muss gestehen, diese kleinere, elegante Kolonnade ist mein persönlicher Lieblingsplatz.

Sie wurde 1870 in einem antikisierenden, also neoklassizistischen, Stil erbaut und strahlt eine ruhige Würde aus. Hier haben Kurgäste Zugang zu zwei wichtigen Quellen: der Karolinenquelle, die direkt im Pavillon entspringt, und einem separaten Ausschank der Rudolfsquelle. Dies ermöglichte es den Gästen, verschiedene Wässer mit unterschiedlicher mineralischer Zusammensetzung im Rahmen ihrer Kur zu verkosten.
Es ist der perfekte Ort, um einen Moment innezuhalten, bevor man sich dem Trubel der Hauptpromenade zuwendet.
Station 10: Die Singende Fontäne: Eine Symphonie aus Wasser, Licht und Musik
Im Herzen der Promenade, direkt vor der Hauptkolonnade, befindet sich eine der beliebtesten Attraktionen Marienbads: die Singende Fontäne.

Sie ist ein modernes Meisterwerk, das zwischen 1982 und 1986 nach den Plänen des Architekten Pavel Mikšík erbaut wurde. Der Betrieb der Fontäne ist saisonal. Die feierliche Eröffnung findet jedes Jahr am 30. April um 21:00 Uhr statt, und die Saison endet mit den letzten Vorstellungen am 31. Oktober.
In der Saison wird täglich zu jeder ungeraden Stunde ein unbeschreibliches Schauspiel geboten. Aus mehr als 250 Düsen schießen Wasserfontänen in die Höhe, die synchron zu klassischen und modernen Melodien „tanzen“. Das musikalische Repertoire ist vielfältig. Es reicht von der eigens für die Fontäne komponierten „Musik für die Fontäne“ von Petr Hapka über weltberühmte klassische Werke von Komponisten wie Antonín Dvořák, Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven bis hin zu modernen Stücken von Ennio Morricone oder Celine Dion. Besonders eindrucksvoll sind die abendlichen Vorstellungen um 21:00 und 22:00 Uhr, wenn das Wasserspiel durch eine farbenprächtige Lichtprojektion ergänzt wird.
Station 11: Die Hauptkolonnade: Eine Kathedrale aus Eisen und Glas
Die Hauptkolonnade ist das Wahrzeichen der Stadt und ein Meisterwerk der Ingenieurskunst des späten 19. Jahrhunderts. Erbaut im Jahr 1889, ersetzte sie einen älteren, einfacheren Vorgängerbau und sollte den gestiegenen Ansprüchen des mondänen Kurpublikums gerecht werden. Entworfen wurde sie von den Wiener Architekten Hans Miksch und Julian Niedzielski im prachtvollen Stil des Neobarock.

Die gesamte Struktur besteht aus Gusseisen. Mit einer Länge von 119 Metern ist sie die längste Kolonnade in der Tschechischen. Schlendert unter ihrer kunstvollen Decke mit den prächtigen Fresken entlang und fühlt euch wie die Kurgäste von einst. Sie bot den Kurgästen einen wettergeschützten Raum, um zwischen den Trinkkuren zu flanieren. Dies war der Laufsteg der feinen Gesellschaft, ein Ort des Sehens und Gesehen werdens.

Station 12: Pavillon der Kreuzquelle (Křížový pramen)
Unser Rundgang endet am imposanten Pavillon der Kreuzquelle.

Das heutige Bauwerk wurde 1912/13 errichtet und ist eine detailgetreue Reproduktion eines früheren klassizistischen Tempels aus dem 19. Jahrhundert. Die Kreuzquelle selbst ist eine der ältesten und bekanntesten der Stadt; ihre Nutzung als „Sauerbrunnen“ ist bereits seit 1750 dokumentiert. Aber Vorsicht: Es ist reich an Glaubersalzen und seine Wirkung ist… sagen wir, durchschlagend. Ein kleiner Schluck, mit Bedacht genossen, ist der krönende Abschluss unserer Tour durch die Heilquellen Marienbads.
Der Pavillon ist für die Öffentlichkeit täglich von 6:00 bis 18:00 Uhr zugänglich.
Weitere Sehenswürdigkeiten in Marienbad
Kolonnade der Ferdinandsquelle
Etwas abseits des quirligen Zentrums, in einem ruhigen Park gelegen befindet sich die Kolonnade der Ferdinandsquelle. Architektonisch ist sie ein prächtiges Beispiel der Bäderarchitektur. Der klassizistischer Wandelgang lädt zum Verweilen ein. Die Quelle selbst, eine der ältesten Marienbads und für ihren stark mineralisierten, salzigen Geschmack bekannt.

Doch der eigentliche Reiz liegt nicht im Geschmack des Wassers, sondern in der Atmosphäre des Ortes. Schon als wir auf das prächtige Gebäude zulaufen, kann ich mir vorstellen, wie einst die Kurgäste dorthin flaniert sind. In der zur anderen Parkseite offenen Kolonnade gibt es einige Sitzbänke. Hier kann man geschützt vor dem Wetter sitzen und das Quellwasser trinken.
Park Boheminium
Auf einer Anhöhe am Rande der Stadt gelegen befindet sich der Park Boheminium. Hier können Besucher sich auf eine Reise durch die Tschechische Republik im Miniaturformat begeben.
Über 70 detailgetreue Modelle bedeutender tschechischer Bau- und Technikdenkmäler im Maßstab 1:25 sind im Park ausgestellt. Es ist beeindruckend, mit welcher Präzision Bauwerke wie die Prager Burg oder die Burg Karlštejn nachgebildet wurden.
Russisch-Orthodoxe Kirche des Heiligen Wladimir
Die Vielfalt der Kirchenbauten in Marienbad spiegelt die internationale Zusammensetzung seiner Kurgäste wider. Besonders eindrucksvoll ist die Russisch-Orthodoxe Kirche des Heiligen Wladimir. Erbaut zwischen 1900 und 1902 im russisch-byzantinischen Stil, diente sie der wohlhabenden russischen Aristokratie, die zu den treuesten Gästen des Kurortes zählte.

Schon von außen ist der Bau ein Blickfang. Der Grundriss der Kirche ist in Form eines griechischen Kreuzes gestaltet. Das prachtvolles Inneres zeigt reich verzierten Ikonostasen und Wandmalereien.
Anglikanische Kirche „Christ Church“
Ein weiteres wichtiges Gotteshaus ist die Anglikanische Kirche „Christ Church“ von 1879. Im Stil einer romantischen englischen Landkirche aus rotem Backstein erbaut, strahlt aber eine warme und einladende Ruhe aus. Sie wurde auf Initiative und mit den Mitteln britischer Kurgäste errichtet. Eine Gedenktafel erinnert an die Gottesdienstbesuche von Edward VII. zwischen 1897 und 1909.

Stadtmuseum
Das Stadtmuseum befindet sich im ältesten erhaltenen Gebäude des Kurviertels, dem ehemaligen Gasthof „Zur Goldenen Traube“, in dem Johann Wolfgang von Goethe während seiner Aufenthalte wohnte.
Die Ausstellungen widmen sich der Stadtgeschichte, der Entwicklung der Balneologie (Bäderheilkunde) und den vielen berühmten Persönlichkeiten, die Marienbad besuchten. Neben den originalgetreu erhaltenen Zimmern Goethes faszinieren besonders die Exponate zur glanzvollen Ära des Kurbetriebs, darunter eine Sammlung von Kurbechern und historischen medizinischen Instrumenten. Eine eigene Ausstellung ist König Edward VII. gewidmet.
Fryderyk-Chopin-Denkmal
Im „Chopin-Haus“, in dem der polnische Komponist 1836 weilte, befindet sich heute eine Gedenkstätte, die seinem Leben und Werk gewidmet ist. Die Ausstellung informiert über Chopins Aufenthalt in Böhmen und seine unglückliche Liebe zu Maria Wodzińska.
Kabinenseilbahn
Lust auf einen Perspektivwechsel? Schwebt mit der nostalgischen Seilbahn über die Dächer der Stadt! Die Fahrt ist ein kleines Abenteuer für sich, und die Aussicht von oben ist einfach atemberaubend. Die Bahn selbst ist ein technisches Kuriosum und ein Relikt aus einer anderen Zeit. Anstatt einzelner Gondeln verkehren hier Blöcke von fünf aneinander gekoppelten Kabinen.

Denkmal K. K. Reitenberger
Haltet auf der Promenade einen Moment inne und verneigt euch vor dem Mann, der diesen Traum aus einem Sumpf erschaffen hat: Karl Kaspar Reitenberger, Abt des Klosters Tepl. Ohne seine Vision und Tatkraft wäre aus dem sumpfigen Tal wohl nie ein weltberühmter Kurort geworden.
Das 1879 vom Wiener Bildhauer Carl Kundmann geschaffene Monument zeigt den Abt in einer würdevollen Pose, den Blick über sein Lebenswerk gerichtet.

Unser flüssiger Geheimtipp: Wenn es mal kein Heilwasser sein soll
Wer nicht nur das gesunde mineralhaltige Quellwasser in Marienbad genießen möchte, dem empfehlen wir einen Besuch in der Kronl Familien -Brauerei. Eine kleine gemütlich Brauerei-Stube lädt geradezu dazu ein eins der frisch gebrauten Biere zu probieren. Diese werden direkt vor Ort produziert und natürlich ausgeschenkt.

Bei gutem Wetter kann man an einigen Tischen vor der Kneipe sitzen. Wir haben uns ein schattiges Plätzchen gesucht und die Erholung nach einem langen Spaziergang genossen.


Bei unserem Besuch gab es drei verschiedene Biere frisch vom Fass. Ich habe mich – passend zum warmen Wetter für ein erfrischendes Sour Beer entschieden. Das fruchtige rote Bier hatte eine angenehme frische und nicht zu säuerliche Note und hat mir richtig gut geschmeckt. Patrick wählte ein „Helles“. Das Bier hatte einen angenehmen runden nicht zu hopfigen Geschmack. Es war wunderbar süffig und löschte hervorragend den Durst nach dem Spaziergang.
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