Die tschechische Stadt Žatec (auf Deutsch: Saaz) ist auf der ganzen Welt für ihren Hopfen berühmt. Schon seit dem frühen Mittelalter wird hier Hopfen angebaut. Ohne diesen speziellen, sehr aromatischen Hopfen gäbe es das berühmte Pilsner Bier in seiner heutigen Form nicht. Im Hopfenmuseum (Chmelařské muzeum) konnten wir uns auf eine spannende Entdeckungsreise rund um den Hopfen begeben.

Von der Lagerhalle zum Welterbe: Die Geschichte des Museums
Bis 1995 befand sich in dem Gebäude des Museums noch ein Hopfenlager und eine Verpackungsstation für den Hopfen.
Die Idee, in Žatec ein spezielles Hopfenmuseum zu gründen, entstand schon Ende der 1930er Jahre. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs machte diese frühen Pläne leider zunichte. Es dauerte viele Jahrzehnte, bis die örtliche Hopfengenossenschaft den Entschluss fasste, die riesigen, leerstehenden Hallen aufwendig zu renovieren und in ein Museum zu verwandeln.

Ein Zufallsfund aus dem Mittelalter: Der Töpferofen
Bei den Ausgrabungen und Renovierungsarbeiten stießen die Bauarbeiter plötzlich auf einen intakten mittelalterlichen Töpferofen aus dem 14. Jahrhundert! Dieser historische Zufallsfund wurde gerettet und ist heute ein Highlight der Ausstellung.

1997 – pünktlich zum traditionellen Saazer Hopfenfest (Dočesná) – eröffnete man das Museum und der Rundgang durch die Ausstellung lohnt sich unserer Meinung nach sehr. Seit 2023 gehört die Saazer Hopfenlandschaft und die Stadt Žatec zum UNESCO-Welterbe.
Warum der Saazer Hopfen die Welt des Bieres beherrscht
Es gibt viele Hopfenanbaugebiete weltweit. Für uns stellte sich zuerst die Frage, warum der Hopfen aus dieser Region so einmalig ist, dass er nicht nur ein eigenes Museum hat und auch noch auf der UNESCO Weltkulturerbeliste steht.

Das Geheimnis des „Grünen Goldes“: Aroma und Tradition
Der Saazer Hopfen (tschechisch: Žatecký chmel) gilt unter Brauern und Bierliebhabern als einer der besten und edelsten Hopfen der Welt. Im Gegensatz zu modernen “Craft Beer”-Hopfen, die oft extrem fruchtig (Zitrus, Maracuja) sind, ist der Saazer Hopfen würzig, kräuterig, erdig und leicht blumig. Er ist berühmt für seine feine, niemals kratzige Bittere. Das macht das Bier “süffig” und elegant.

Dieser Hopfen ist untrennbar mit der Erfindung des Pilsner Bieres verbunden. Als Josef Groll 1842 in Pilsen das erste Pils (Pilsner Urquell) braute, verwendete er Saazer Hopfen. Bis heute definiert dieser Hopfen den Geschmack des Böhmischen Pilsners. Ein echtes tschechisches Pils muss quasi nach Saazer Hopfen schmecken – es ist dieser unverwechselbare, leicht buttrige und würzige Charakter, den man sofort erkennt.
Die Region und der Hopfen genießen einen extrem hohen Schutzstatus, vergleichbar mit Champagner oder Parmaschinken. In der EU darf nur Hopfen, der in der Region Žatec (Saaz) geerntet und verarbeitet wurde, diesen Namen tragen.

Ein Rundgang durch 4.000 m² Hopfengeschichte
Das Museum befindet sich in einem alten, echten Hopfenlager aus dem späten 19. Jahrhundert, dem man eine moderne Fassade vorgesetzt hat. Diese steht so weit vor dem Gebäude, dass ausreichend Platz für das erste Exponat des Museums vorhanden ist. Dort steht eine historische BRUFF-Hopfenpflückmaschine – ein gigantischer Koloss aus Eisen.

Die Maschine ist so riesig, dass sie nicht in das Gebäude passte. Wir waren wirklich beeindruckt von der Maschine und unser Wissensdurst lockte uns zusätzlich ins Museum. Hier sollten wir erfahren, wie dieses „Ungetüm“ funktionieren sollte. Tipp: Der Rundgang im Museum führt oberhalb der Pflückmaschine vorbei und man kann so interessante Details erkennen, die von unten nicht sichtbar sind.

Nach dem ersten Highlight ging es für uns nun in das Museum. Hier merkt man sehr deutlich, dass man in einem alten Gebäude steht. Die alten Holzbalken knarren, die Geschosshöhen sind den damaligen Bedürfnissen angepasst und in Decken und Böden sind noch Löcher und Aufhängungen vorhanden.
Auf einer riesigen Fläche von 4.000 Quadratmetern erfahren wir alles über die Entwicklung des Hopfenanbaus vom Mittelalter bis in die heutige Zeit. Etwas merkwürdig erscheint zunächst die Erklärung zum Rundgang durch die Ausstellung. Vom Erdgeschoss geht es ins 1.OG, ins 3. OG und dann ins 2. OG. Jede Etage ist thematisch strukturiert und behandelt ein Thema. Da noch historische Einbauten vorhanden waren, hat man den diese natürlich sinnvoll in den Rundgang eingebaut. Nun führt der Weg vom Anbau bis zur Verarbeitung durch das Hopfenmuseum.

Von kriminellen Fälschern und harter Knochenarbeit
Alte Bilder und Urkunden zeigen nicht nur, wie der Hopfen früher gehandelt wurde, sondern auch, wie kriminell es damals schon zuging. Weil der Saazer Hopfen so wertvoll war, musste er bereits im Mittelalter streng vor billigen, minderwertigen Fälschungen geschützt werden.
Auf den verschiedenen Etagen konnten wir alte landwirtschaftliche Geräte und Werkzeuge bestaunen, die die Bauern früher für die Arbeit auf dem Feld brauchten. Nicht verschwiegen werden auch die Arbeitsbedingungen, die damals herrschten.


Besonders spannend fand ich die alten Maschinen die zur Hopfenverarbeitung benötigt wurden. Mannshohe Hopfensäcke hingen von den Zwischendecken herab. Die Arbeiter mussten hineinklettern und den Hopfen mühsam mit den eigenen Füßen feststampfen, bevor moderne Pressmaschinen diese knochenharte Arbeit übernahmen, die man sich auch angucken kann.
Wir waren bestimmt zwei Stunden im Museum unterwegs. Uns hat die vielfältige Ausstellung gut gefallen.
Tipp: An vielen Exponaten gibt es QR-Codes. Dahinter verstecken sich auch deutschsprachige Erklärungen!

Besucherinformationen
Adresse
náměstí Prokopa Velkého 1952,
438 01 Žatec
Öffnungszeiten
April – Oktober
Dienstag – Sonntag: 10 – 17 Uhr
Eintrittspreise:
Erwachsene: 170 CZK
Barrierefreiheit
Das Gebäude hat einen glatten Boden ohne störende Türschwellen, auf dem man gut mit dem Rollstuhl oder Kinderwagen fahren kann. Nach einer umfangreichen Renovierung verfügt das Museum nun auch über einen neuen Personenaufzug, sodass die verschiedenen Etagen problemlos barrierefrei erreichbar sind. Auch eine behindertengerechte Toilette ist vorhanden.
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