Es gibt Orte, von denen wusste nicht einmal die Bevölkerung in der Umgebung. Auch in Cochem war die Überraschung groß, als die Geschichte des Bundesbank-Bunkers Cochem ans Licht kam.
Im Cochemer Stadtteil Cond befindet sich tief unter der Erde eines der faszinierendsten und zugleich beklemmendsten Relikte des Kalten Krieges und das außergewöhnliches und über Jahrzehnte hinweg verschwiegenes Kapitel bundesdeutscher Geschichte. Doch wie kam es dazu?

Ein gut gehütetes Geheimnis des Kalten Krieges
Um die Existenzberechtigung, den enormen finanziellen Aufwand und die schieren räumlichen Ausmaße des Bundesbank-Bunkers in Cochem verstehen zu können, muss man sich in die Zeit des Kalten Krieges in die 1960er Jahre zurückversetzen.
Die Angst vor der falschen D-Mark
Diese Zeit stand nicht nur im Zeichen des nuklearen Wettrüstens, der Stationierung von Mittelstreckenraketen und der blutigen Stellvertreterkriege. Es bestand die Sorge, dass das westdeutsche Wirtschaftswunder gezielt angegriffen werden könnte und das durch einen massiven Vertrauensverlust in die Deutsche Mark. Das hätte unweigerlich zu einem Zusammenbruch der gesamten westdeutschen Volkswirtschaft geführt. Die Geheimdienste befürchteten, dass der Warschauer Pakt im Falle einer Eskalation gezielt astronomische Mengen an hochprofessionell gefälschtem D-Mark-Bargeld in den westdeutschen Wirtschaftskreislauf einschleusen könnten. Das hätte die Kaufkraft der Bevölkerung vernichtet und mit Sicherheit nicht nur zu Unruhen geführt.
15 Milliarden D-Mark: Die geheime Notfallwährung
Es wurde im Geheimen beschlossen, dass die Bundesdruckerei und das Typographische Institut parallel zu den regulär zirkulierenden DM-Scheinen eine streng geheime, sofort einsatzbereite Notfallwährung produzieren müsse. Diese hätte man dann sofort einsetzen können und so die Wirtschaft stabilisiert. Es wurde geschätzt, dass 15 Milliarden Mark ausreichen sollten, um das mögliche Worst-Case-Szenario verhindern zu können. 15 Milliarden in Scheinen diebstahlsicher zu produzieren und zu lagern stellte allerdings ein Problem dar. Wie sollte man das ohne viele Mitwisser schaffen? Und vor allem wo lagerte man diese Geldmassen so sicher, dass auch im Falle eine Atomangriffs das Geld verfügbar sein könnte.

Warum Cochem der perfekte Standort war
Die Verantwortlichen machten sich zunächst auf die Suche nach einem geeigneten Standort und entschieden sich für Cochem. Aber warum dort?
Cochem lag fernab der primären militärischen und politischen Ballungszentren der Bundesrepublik Deutschland. Die Stadt ist eingebettet in das schützende Moseltals und die umgebenden Hänge bieten massive, schützende Schieferschichten. Ein weiterer Vorteil, es lebten nicht viele Einwohner in der Stadt, vor denen man ein Geheimnis schützen musste.
Der Schulungsort als Tarnnung
Aber wie sollte ein Bauprojekt diesen Ausmaßes möglich gemacht werden ohne es den Anwohner alles zu erklären. Eine Tarnstory musste her und man schuf das Schulungszentrums für die Bundesbank. Zwei völlig unscheinbare Tarnhäuser in Cond wurden zum Schulungszentrum und Erholungsheim für Mitarbeiter der Deutschen Bundesbank und boten die absolut perfekte Deckung für den diskreten Austausch von Fachpersonal, die Anlieferung von Versorgungsgütern und die unauffällige Wartung der massiven drunterliegenden Anlage.

Den Bau eines Bunkers rechtfertigte man mit einer “Vorschrift”, dass Mitarbeitern von Behörden im Angriffsfall geschützt werden müssen. Das glaubte zu dieser Zeit jeder, da überall im Land Bunkeranlagen entstanden. Man versprach sogar den nächsten Anwohnern einen Platz, mit der Bitte um Verschwiegenheit, da nicht für alle Cochemer ausreichend Platz da wäre. So waren die Bauarbeiten für die Anwohner geklärt – was sie jedoch nicht wussten, dass neben dem “offiziellen Bunker” noch weitere Gänge und ein riesiger Tresorraum entstand.

Auch ein Lebenserhaltungssystem baute man ein. Im Falle eines nuklearen Schlages, eines chemischen Angriffs oder einer anderweitigen massiven Krise hätten die verantwortlichen Anlagenbetreiber und die bewaffneten Wachmannschaften die zentnerschweren Stahltüren verriegelt und die gesamte Einrichtung vollständig hermetisch von der Außenwelt für 14 Tage vollständig isoliert.
Das Einlagern der Serie BBk II
Diese geheime Währung, die offiziell als Ersatzserie BBk II bezeichnet wird, umfasste das unvorstellbare Volumen von 15 Milliarden D-Mark. Die Serie BBk II bestand aus Banknoten in den standardisierten Stückelungen zu 10, 20, 50 und 100 D-Mark. Optisch unterschieden die Banknoten sich von denen, die zu der Zeit im Umlauf waren. So hätte die Bevölkerung im Krisenfall sie eindeutig unterscheiden können.

Logistisch muss es eine Meisterleistung gewesen sein, denn es gelang tatsächlich diese gigantischen Geldmengen unbemerkt in den Tresor zu schaffen. 1966 wurden die gesamten 15 Milliarden D-Mark in den tief unter der Erde liegenden Tresorräumen des Bunkers in Cochem verborgen, gestapelt in Aberhunderten Boxen, die bis unter die Decke der gepanzerten Räumlichkeiten reichten.

Als sich das Ende des Kalten Krieges abzeichnete verlor die Notfallwährung ihre Bedeutung. Und wieder gelang es unter höchster Geheimhaltung das Geld aus dem Bunker zu holen und genauso geheim bei einem privaten Unternehmen zerstört und dann in der Hausmüllverbrennungsanlage verbrannt.
Erfahrungsbericht: Meine Führung durch den Bundesbank-Bunker Cochem
Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, wenn man im Cochemer Stadtteil Cond vor den beiden unscheinbaren Tarnhäusern steht. Nichts, aber auch gar nichts deutet in diesem idyllischen Wohngebiet darauf hin, dass sich unter unseren Füßen ein Relikt des Kalten Krieges verbirgt.
Der Eingang in den Bunker befindet sich in einem modernen Besucherzentrum. Hier beginnt auch die etwa 40-minütige Führung.
Unser Guide war ein absoluter Glücksgriff und machte das Erlebnis von der ersten Minute an greifbar. Das Verrückte: Er wohnt selbst seit Jahren in der direkten Nachbarschaft und hatte – genau wie alle anderen Cochemer – nicht den blassesten Schimmer, was sich unter seinem Vorgarten abspielte! Mit einer tollen Mischung aus historischem Fachwissen und persönlichen Anekdoten nahm er uns mit auf eine Reise zurück in die 1960er Jahre.

Hinab in die Tiefe
Über ein langes Treppenhaus stiegen wir hinab in die Tiefe. Mit jeder Stufe wurde die Luft spürbar kühler und die Atmosphäre beklemmender. Wir erreichten zunächst den Bereich, der den ahnungslosen Anwohnern als Schutzraum im Ernstfall dienen sollte – die perfekte Legende für die Bauarbeiten. Danach ließen wir den zivilen Teil hinter uns.
Vor dem gigantischen Tresorraum
Durch massive Schleusen, dicke Schutztüren und einen verwinkelten Gang näherten wir uns dem Herzstück der Anlage: der riesigen Tresortür.

Wenn man vor diesem tonnenschweren Monster aus Stahl steht, wird einem die Dimension dieses Projekts erst richtig bewusst. Dahinter befinden sich die zwölf großräumigen Gitterboxen, in denen die geheime BBk-II-Serie gelagert wurde. In diesem Raum zu stehen und sich vorzustellen, dass hier einst 15 Milliarden D-Mark bis unter die Decke gestapelt waren, ist ein absoluter Gänsehaut-Moment.

Beklemmende Einblicke in den Bunkeralltag
Der Weg führte uns weiter durch den Bunker. Wir sahen die alten Arbeitsräume, den zentralen Kommandoraum mit seinen herrlich analogen Instrumenten und die Kommunikationszentrale. Besonders skurril wirkte die voll ausgestattete Großküche zur autarken Versorgung der Belegschaft. Die Töpfe und Pfannen glänzen noch heute so, als wären sie gerade erst ausgepackt worden – sie kamen glücklicherweise nie zum Einsatz.

Richtig bedrückend wurde es, als wir einen Blick in die Schlafräume warfen. Spartanisch, fensterlos und unfassbar eng. Mir kamen sie tatsächlich eher wie Gefängniszellen vor. Der Gedanke, hier im Ernstfall mit der restlichen Belegschaft eingepfercht zu sein, in Schichten auf schmalen Pritschen zu schlafen und 14 Tage lang nicht zu wissen, ob die Welt an der Oberfläche noch existiert, ließ mir einen kalten Schauer über den Rücken laufen.


Als wir schließlich wieder ans Tageslicht traten, atmete ich unwillkürlich tief durch. Was für ein unvergessliches Erlebnis so einem Geheimnis auf die Spur gekommen zu sein.
Bereit für deine Zeitreise? So sicherst du dir deine Tickets
Ein Besuch im Bundesbank-Bunker in Cochem ist ein absolutes Muss für alle, die sich für deutsche Geschichte, den Kalten Krieg oder einfach nur für extrem gut gehütete Geheimnisse interessieren. Da die geführten Touren sehr beliebt und die Gruppengrößen aus Platzgründen streng limitiert sind, empfehle ich dir, deinen Besuch rechtzeitig zu planen.
Lass dir diesen Gänsehaut-Moment vor der gigantischen Tresortür nicht entgehen und buche deine Führung am besten vorab online!
Besucherinformationen
Adresse
Am Wald 35,
56812 Cochem
Anfahrt
Zu Fuß
Der sportliche, da recht steile Fußweg vom zentralen Cochemer Endertplatz oder dem Bahnhof hinauf zum Bunker dauert etwa 20 Minuten.
mit dem Shuttle
Vom 1.5. – 1.11. fährt etwa stündlich ein kostenpflichtiger Shuttle vom Endertplatz zum Bunker. Preis für die einfache Fahrt 3,-€. Die Bezahlung ist gegen Bargeld beim Fahrer möglich.
Mit dem Bus
Buslinie 703 in Fahrtrichtung Valwigerberg
Station “Brauselaystr.”: über eine längere Treppenanlage zum Bunker aufsteigen
Station “Am Wald”: direkter, treppenfreier Zugang zur Anlage auf Straßenniveau möglich
Parken
Direkt an der Bunkeranlage gibt es keine Parkplätze.
Öffnungszeiten
Der Besuch ist nur im Rahmen einer Führung möglich.
01.04. – 30.06.: tägliche Führungen um 11:00, 12:00, 13:00, 14:00, 15:00 Uhr
01.07. – 01.11.: tägliche Führungen um 10:30, 11:00, 12:00, 13:00, 14:00, 15:00, 16:00 Uhr
im Winter steht ein reduziertes Führungsangebot zur Verfügung.. Diese sollte auf der Webseite des Bundesbank-Bunkernachgesehen werden, da sich auch wetterbedingte Änderungen ergeben können.
Eintrittspreise
Erwachsene: 14,-€
Es werden Ermäßigungen angeboten.
Barrierefreiheit
Die Dokumentationsstätte tief im Berginneren ist aufgrund ihrer Architektur, der engen Schleusen und der baulichen Gegebenheiten des Kalten Krieges bedauerlicherweise nicht barrierefrei zugänglich.
FAQs
Darf man im Bunker fotografieren?
Im Bunker darf man nur mit einer extra kostenpflichtigen Genehmigung für den privaten Gebrauch fotografieren.
Wie lang ist die Führung?
Die Führungen dauern etwa 40 Minuten
In welcher Sprache finden die Führungen statt?
Sie werden in deutscher Sprache angeboten. Für internationale Gäste stehen kostenlose, detaillierte Handouts auf Englisch, Niederländisch, Französisch oder Russisch zur Verfügung.
Die Tour und Fotogenehmigung durch den Bundesbank-Bunker in Cochem wurde uns durch die Museumsleitung ermöglicht.
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