Wer in den beschaulichen Kurort Bad Sassendorf reist, erwartet vielleicht in erster Linie salzige Luft, wohltuende Thermalbäder und kulinarisch gesehen eher die klassische Küche ohne viele Überraschungen. Doch etwas abseits der bekannten Kurpromenade liegt ein echter Tipp für Genießer: das Restaurant “Zum Alten Weinkeller”.

Vom schwarzen Staub zum edlen Tropfen: Die Geschichte des Kohlenschuppens
Wenn man sich dem Gebäude nähert, sieht man ihm seine ursprüngliche Funktion als Kohleschuppen aus dem Jahr 1850 noch immer an. Blicken wir zurück:
Es ist die Mitte des 19. Jahrhunderts. Sassendorf ist ein geschäftiger, rauchender Ort der Industrie. Hier dreht sich alles um das “weiße Gold”, das Salz. Um die Sole in den großen Pfannen der Siedehütten zum Kochen zu bringen, braucht es unbändige Hitze. Und Hitze braucht Kohle. Sehr viel Kohle.
Als Sassendorf 1850 an das Eisenbahnnetz angeschlossen wird, entsteht ein eigener kleiner Bahndamm im Ort. An seinem Ende steht der Kohlenschuppen. Von dort können die enormen Mengen an Brennstoff effizient zu den Siedehütten transportiert werden. Die sogenannten Sälzerknechte schufteten hier im Akkord. Sie luden die schwarze Kohle von den Waggons um und karrten sie direkt zu den Feuern der Salzpfannen. Der Schuppen war ein lauter, schmutziger und rußiger Umschlagplatz.
Der Fall des weißen Goldes und der lange Dornröschenschlaf
Doch jede industrielle Blütezeit geht einmal zu Ende. Am 10. Mai 1906 verlieh der Regierungspräsident der Bezirksregierung Arnsberg dem Ort feierlich das Prädikat “Bad”. Diese Namensänderung besiegelte endgültig die Wandlung des Ortes vom Zentrum der Salzgewinnung hin zu einem aufstrebenden Kurort für Erholungsuchende.
Im Jahr 1934 folgte schließlich der endgültige Wendepunkt. Salz ließ sich mittlerweile viel günstiger und in weitaus größeren Mengen im Bergbau gewinnen. Das mühsame und energieaufwendige Sieden der Sole in Bad Sassendorf rentierte sich nicht mehr. Die Feuer unter den Pfannen erloschen, und mit ihnen verlor auch der mächtige Kohlenschuppen schlagartig seinen Zweck. Der Bahndamm lag still, die Loren verschwanden.
Drei Jahre später, 1937, kaufte die Familie Brinks das Gelände samt dem verwaisten Schuppen. Das historische Gebäude fiel in einen langen Dornröschenschlaf, während sich Bad Sassendorf drumherum in ein elegantes Heilbad verwandelte. Erst im Jahr 1984 erweckte die Familie den einst so schmutzigen Umschlagplatz zu neuem Leben. Das Gebäude wurde aufwendig und liebevoll saniert. Aus dem verstaubten Kohlenschuppen wurde das Restaurant “Zum Alten Weinkeller”.

Wo einst Sälzerknechte unter Ruß und Schweiß schwere Kohle transportierten, genießt man heute westfälische Gastfreundschaft und edle Weine.
Moderne Gastlichkeit im historischen Wohlfühlambiente
Im Jahr 2018 übernahm Nicoli Finke den traditionsreichen Betrieb. In den angrenzenden Gebäuden entstanden zusätzlich ein gemütliches Café und ein einladendes Gästehaus. Schon beim Betreten des Restaurants wird mir sofort klar, dass der Name hier Programm ist. Das Interieur strahlt eine wohlige Atmosphäre aus. Dunkles Holz, rustikale Elemente und liebevolle Details schaffen eine warme Umgebung, in der ich mich auf Anhieb wohlgefühlt habe. Der Gastraum ist zu Recht erstklassig besucht. Es spricht sich eben schnell herum, wo sich der beste Restauranttipp in Bad Sassendorf verbirgt.

Mein persönlicher Tipp: Hier sollte man nach Möglichkeit unbedingt im Vorfeld einen Tisch vorbestellen, auch wenn das Team vor Ort immer versuchen wird, spontanen Besuchern einen schönen Platz anzubieten. Bei gutem Wetter lockt zudem der wunderbar idyllische Biergarten. Hier sitzt man vollkommen gemütlich und kann nicht nur ein feines Gläschen Wein, sondern auch ein frisch gezapftes, kühles Bier genießen.

Westfälische Küche: Was kommt auf den Teller?
Die Speisekarte des Alten Weinkellers zeigt die Liebe zur “gutbürgerliche” Küche. Ich entdecke zum Beispiel die klassische Westfälische Kartoffelsuppe mit Mettenden oder den “Bad Sassendorfer” Filettopf (Schweinefilet-Medaillons mit Sauce Hollandaise und Kräuter-Röstinchen). Es fällt mir schwer mich zu entscheiden.

Meine Wahl fällt an diesem Abend auf ein Pfefferschnitzel mit Bratkartoffeln und Salat. Und ganz ehrlich: Bratkartoffeln kann der Koch hier wirklich perfekt! Vergessen Sie matschige oder lieblos angebratene Scheiben. Hier liegen Kartoffeln auf dem Teller, die von außen herrlich knusprig und innen noch angenehm weich sind. Ich fand sie hervorragend! Das Schnitzel mit der Pfeffersoße war zart, genau auf den Punkt gebraten und schmeckte mir sehr gut. Es tat mir schon fast weh, dass ich die Portion nicht aufessen konnte. Es war für mich einfach eine zu große Portion.
Das Restaurant bietet seinen Gästen natürlich nicht nur exzellenten Wein an. Ich habe mich passend zu den Bratkartoffeln für das lokale Brinks Landbier entschieden. Ein wunderbar süffiges und vollmundiges Bier, das hervorragend zu meinem Essen passte.

Kulinarische Event-Highlights: Besonders beliebt sind das zünftige Haxenfest am Dienstag sowie der Tag der frisch zubereiteten, goldgelben Reibekuchen am Mittwoch!
Besucherinformationen
Adresse
Bismarckstraße 17,
59505 Bad Sassendorf
Der Restaurantbesuch fand im Rahmen einer Bloggerreise mit Wirtschafts- und Tourismus GmbH Möhnesee, Tagungs- und Kongresszentrum Bad Sassendorf GmbH und Wirtschaft und Marketing Soest GmbH statt. Vielen Dank auch an Tanja für ihre Organisation.
Veröffentlicht: 11. September 2026
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