Bad Sassendorf und das Thema Salz gehören einfach zusammen. Bereits seit dem 12. Jahrhundert ist die Gewinnung des “weißen Goldes” in dieser Gegend belegt. Als die industrielle Salzproduktion in der Gemeinde im Jahr 1952 endete, verlagerte sich der Fokus zunehmend auf die medizinische Nutzung der Sole. Bad Sassendorf wandelte sich zu einem modernen Kur- und Rehabilitationsort.
Um dieses geschichtliche Erbe zu bewahren und für alle erlebbar zu machen, widmen sich die Westfälischen Salzwelten dem Thema Salz aus den unterschiedlichsten Perspektiven.
Ein leuchtender Kristall
Das Erlebnismuseum “Westfälische Salzwelten“”wurde im Jahr 2015 eröffnet. Es befindet sich in den Wirtschaftsgebäuden des etwa 600 Jahre alten Hofes Haulle. Schon von außen hat mir das Museum sehr gut gefallen. Ein architektonisches Highlight ist der moderne Glaswürfel, der in das denkmalgeschützte Gebäude integriert wurde. Optisch ist er einem gigantischen Salzkristall nachempfunden, der abends wunderbar leuchtet.

Die Salzwelten sind ein tolles Ausflugsziel für Familien, Geschichtsinteressierte und Kur-Gäste. In dem interaktives Erlebnismuseum dreht sich alles um das Thema Salz. Die Ausstellung ist dabei in zwei Hauptbereiche aufgeteilt, die durch den riesigen, gläsernen Salzkristall in der Mitte des Gebäudes clever miteinander verbunden sind.
Tief unter der Erde: Die Geologie des Salzes
Als ich das Erdgeschoss betrete, müssen sich meine Augen erst einmal an die Dunkelheit gewöhnen. Es beginnt mit einer kleinen Zeitreise, die vor 250 Millionen Jahren in der Geologie beginnt. Ih erfahre etwas über die Entstehung des Salzes und die Frage, wie das Salz vor 250 Millionen Jahren überhaupt in die Region kam.

Besonders spannend fand ich die Erkenntnis, dass Salz eben nicht gleich Salz ist. Mir war zwar bewusst, dass Salz aus Meerwasser und im Bergbau gewonnen wird. Aber ich wusste nicht, dass das Salz aus dem Bergbau so unglaublich vielfältig ist. Nicht nur die Struktur der Salzkristalle, sondern auch die Farbe und sogar der Geschmack unterscheiden sich massiv je nach Herkunftsort. Viele interaktive Stationen bieten hier Abwechslung und vermitteln spielerisch Wissen, was gerade für Kinder einen großen Spaßfaktor darstellt.

Aufatmen und Spüren: Salz für Körper und Seele
Im Obergeschoss ändert sich die Atmosphäre komplett. Auf dieser Etage steht der Mensch im Mittelpunkt. Es geht um die heilende Wirkung von Salz, Sole und Moor auf unsere Atemwege, unsere Gelenke und Haut.

Neben den medizinischen Aspekten wirft die Ausstellung auch einen kritischen Blick auf unsere Ernährung. Mit Erschrecken habe ich hier gelernt, wie viel verstecktes Salz in unseren alltäglichen Lebensmitteln vorhanden ist. Man nimmt so viel mehr Salz zu sich, als der menschliche Körper eigentlich für seine Funktionen benötigt.
Mein persönliches Highlight war die Sole-Inhalation. Um die gesundheitlichen Aspekte nicht nur theoretisch zu behandeln, gibt es Bereiche, in denen ich die salzhaltige Luft direkt einatmen und die entspannende Wirkung spüren konnte.
Dem Siedemeister über die Schulter geschaut
Wie viel harte Arbeit früher hinter dem Salz steckte, habe ich von einem echten Siedemeister erfahren. In der eigens dafür errichteten Siedehütte kann man einen Workshop besuchen, bei dem die einzelnen Schritte des traditionellen Salzsiedens ganz genau erklärt werden.

Die Ausgangsbasis: Sassendorfer Natursole
Das Ausgangsmaterial ist die Sassendorfer Natursole (salzhaltiges Wasser aus der Erde). Traditionell wurde diese Sole im Vorfeld über das Gradierwerk geleitet. Dort rieselt das Wasser über Schwarzdornzweige, wobei ein Teil des Wassers durch den Wind verdunstet. Der Salzgehalt im restlichen Wasser steigt. Das sparte den Siedeknechten früher enorm viel teures Brennholz, da in der Pfanne deutlich weniger Wasser verdampft werden musste, um an das Salz zu gelangen.
Das Einheizen der Siedepfanne
Die hochkonzentrierte Sole wird in die große, flache Metallpfanne, die sogenannte Siedepfanne oder Sudpfanne, geleitet. Dann wird ordentlich eingeheizt. Die Flüssigkeit muss stark erhitzt werden, damit das Wasser langsam verdampfen kann und nur noch das reine Salz zurückbleibt.

Das “Stören” am dampfenden Sud
Während das Wasser kocht und verdampft, darf der Siedemeister nicht untätig danebenstehen. Mit großen Werkzeugen wird die kochende Sole ständig bewegt. Diesen Vorgang nennt man in der Fachsprache „Stören“. Das verhindert, dass sich das Salz ungleichmäßig am Boden absetzt, anbackt oder die Pfanne durch die extreme Hitze beschädigt wird.

Die Kristallisation
Das ist der spannendste Moment: Wenn genug Wasser verdampft ist, ist die Sole “übersättigt”. Es bilden sich kleine Salzkristalle an der Oberfläche, die sich langsam absenken. Der Siedemeister schöpft die feuchten, glitzernden Salzkristalle nun vorsichtig mit speziellen Kellen oder Sieben ab. Dabei ist viel Fingerspitzengefühl gefragt, um die perfekte Kristallstruktur zu erhalten.

Das Trocknen
Das abgeschöpfte Salz ist jetzt noch sehr feucht und verklumpt. Es wird in speziellen Körben oder auf Holzablagen gesammelt, damit die restliche Feuchtigkeit abtropfen und das Natursalz vollständig an der Luft trocknen kann. Am Ende bleibt das grobe, weiße Natursalz übrig.

Die WürzWerkstatt: Mein persönliches Kräutersalz
Ich habe bei meinem Besuch am Workshop “WürzWerkstatt – Kreative Kräutermischungen” teilgenommen und dabei gelernt, wie man Kräutersalz herstellt. Die wichtigsten theoretischen Grundlagen hatten wir zuvor bereits in der Ausstellung erfahren und so ging es gleich an die Herstellung.

Als Basis gab es ein hochwertiges grobes Salz. Zusätzlich standen unzählige Gläser voller getrockneten Kräutern, Gewürzen und teils auch essbaren Blüten zur Verfügung (beispielsweise Rosmarin, Thymian, Chili oder Ringelblumen für eine schöne Optik). Jeder darf sich seine Lieblingszutaten selber auswählen oder ein Salz nach einem vorgegebenen Rezept anfertigen.

Ich habe mich für eine Rezeptvariante entschieden und musste zunächst Pfefferkörner in einem Mörser zermahlen. Anschließend habe ich alle benötigten Zutaten abgewogen und in den Mörser gegeben. Was nun folgte war echte Handarbeit mit viel Muskelkraft verbunden. Durch das kräftige Zerreiben und Mörsern brechen die Pflanzenfasern auf. Die ätherischen Öle der Kräuter werden freigesetzt und können sich intensiv mit den feuchtigkeitsanziehenden Salzkristallen verbinden. Das sorgt für ein viel intensiveres Aroma, als wenn man die Zutaten nur lose vermischt.

Am Ende habe ich meine persönliche Gewürzmischung in ein passendes Gläschen abfüllt und durfte es mit nach Hause nehmen. Jedes Mal, wenn ich nun damit koche, habe ich den Duft der Salzwelten wieder in der Nase.

Mein Reise-Tipp: Das perfekte Bad Sassendorf-Erlebnis
Wer die Salzwelten besucht, sollte unbedingt noch etwas mehr Zeit für Bad Sassendorf einplanen. Vom Museum aus ist es nur ein kurzer Spaziergang in den weitläufigen Kurpark. Hier steht das Gradierwerk. Nachdem man im Museum die Theorie gelernt hat, kann man hier in der Praxis tief durchatmen und die solehaltige Luft genießen. Für den perfekten Abschluss eines “Salz-Tages” empfehle ich im Anschluss einen Besuch in der örtlichen Börde Therme, wo man sich im warmen Thermalsolewasser quasi schwerelos treiben lassen kann.
Besucherinformationen
Adresse
Westfälische Salzwelten (Erlebnismuseum)
An der Rosenau 2
59505 Bad Sassendorf
Öffnungszeiten
Dienstag – Freitag: 10 – 17 Uhr
Samstag, Sonntag: 10 – 18 Uhr
Montag: Geschlossen (außer an Oster- und Pfingstmontag). An Feiertagen wie Neujahr, Karfreitag, Ostersonntag, 1. Mai sowie an den Weihnachtstagen und Silvester bleibt das Museum geschlossen (ebenso an ausgewählten Tagen der örtlichen Kirmes).
Eintrittspreise
Erwachsene: 7,50 €
Mit Bad Sassendorf Card (Kurkarte):Kostenlos!
Führungen: Jeden 2. und 4. Sonntag im Monat finden spezielle Familienführungen statt, die besonders für Kinder sehr greifbar und spannend aufbereitet sind.
Parken
Die Parkplatz-Adresse lautet Am Haullenbach 1.
Es gibt 4 ausgewiesene Behindertenparkplätze. Von dort sind es etwa 100 Meter barrierefreier Fußweg bis zum Eingang.
Barrierefreiheit
Für Menschen mit Gehbehinderung & Rollstuhlfahrende
- Erschließung: Das Gebäude verfügt über automatische Türen und einen Aufzug, der alle drei Etagen des Museums miteinander verbindet.
- Exponate: Als Mitmach-Museum sind die Ausstellungsstücke und interaktiven Stationen so konzipiert, dass sie auch aus der Sitzhöhe eines Rollstuhls gut erreichbar und bedienbar sind.
- Gehhilfen: An vielen Stationen in der Ausstellung gibt es spezielle Halterungen für Gehstöcke und Unterarmgehstützen.
- Leih-Angebote: An der Kasse können gegen ein Pfand Rollstühle und Rollatoren für die Dauer des Besuchs ausgeliehen werden.
- Sanitäre Anlagen: Eine barrierefreie Toilette ist vorhanden (die Tür ist 86 cm breit, mit ausreichend Platz zum Wenden).
- Kleine Hürden: Das Museumsgebäude steht unter Denkmalschutz, was minimale Kompromisse erfordert. Zu den Schließfächern führt eine 13 cm hohe Stufe (hier wird jedoch eine Rampe angelegt). Im zugehörigen Café gibt es in einem Bereich ebenfalls eine kleine Stufe; das Personal serviert jedoch direkt an den Tisch und hilft gerne weiter.
Für Menschen mit Sehbehinderung
- Taktiles Leitsystem: Durch die Dauerausstellung und das Gebäude führt ein taktiles Bodenleitsystem zur Orientierung.
- Spezieller Audioguide: Es gibt eine kostenlose Hörführung, die eigens für blinde Menschen entwickelt wurde. Sie beschreibt die Exponate sehr ausführlich und erklärt genau, wie die Mitmach-Stationen zu bedienen sind.
- Führungen: Auf Anfrage werden spezielle Tast- und Sinnesführungen für blinde und sehbehinderte Gruppen angeboten.
Für Menschen mit Hörbeeinträchtigung
- Induktive Höranlage: Für Gruppenführungen und Veranstaltungen hält das Museum drei tragbare induktive Hörverstärker bereit. Diese können beim Besucherservice entliehen werden.
- Gebärdensprache: Es gibt Videos und digitale Erklärungen in Deutscher Gebärdensprache (DGS), mit denen sich die Salzwelten und Bad Sassendorf erschließen lassen.
Leichte Sprache
Für Menschen mit Lernschwierigkeiten oder geringen Deutschkenntnissen bietet das Museum auf seiner Website und in Broschüren umfassende Informationen (zur Anreise, zu Preisen und zur Ausstellung) in Leichter Sprache an.
FAQ
Gibt es einen Museumsshop?
Direkt im Eingangsbereich des Museums befindet sich der kleine Museumsshop.
Gut zu wissen: Man muss keinen Museumseintritt zahlen, wenn man nur den Shop besuchen möchtest.
Gibt es ein Café?
Direkt im Erlebnismuseum Westfälische Salzwelten gibt es das Siedecafé. Die Zeiten des Cafés orientieren sich direkt an den Öffnungszeiten des Museums.
Man muss keinen Museumseintritt bezahlen, um dort etwas zu essen oder zu trinken. Es ist auch für Spaziergänger und Gäste frei zugänglich.
Der Besuch fand im Rahmen einer Bloggerreise mit Wirtschafts- und Tourismus GmbH Möhnesee, Tagungs- und Kongresszentrum Bad Sassendorf GmbH und Wirtschaft und Marketing Soest GmbH statt. Vielen Dank auch an Tanja für ihre Organisation.
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