Als ich meine Reise ins Banat antrat, wusste ich nicht genau, was mich erwarten würde. Der Kreis Timiș ist abseits der großen Städte stark ländlich gepräg, aber genau das macht ihn interessant für Touristen. Wer auf der Suche nach den authentischsten Sehenswürdigkeiten Kreis Timiș ist, findet diese nicht in überlaufenen Touristenzentren.
Wo, wenn nicht hier, kann man Rumänien noch so erleben, wie es wirklich ist? Hier trifft man auf herzliche Dorfbewohner, taucht tief in das ländliche Leben ein und erlebt Traditionen, die seit Generationen weitergegeben werden.
Ein kulinarisches Erwachen: Das Projekt “Mic Dejun la Margina”
Mein erstes Highlight war das Projekt “Mic Dejun la Margina” (zu Deutsch: Frühstück in Margina). Es ist eines der erfolgreichsten ländlichen Tourismusprojekte in ganz Rumänien und hat eine ehemals wirtschaftlich benachteiligte Gemeinde am Rande des Kreises in ein absolutes Vorzeigemodell für nachhaltigen Agrotourismus (“Slow Tourism”) verwandelt.
Die Idee hinter dem Projekt ist simpel: Besucher sollen das echte, unverfälschte Leben im Banat genau so erleben, wie es die Einheimischen seit Generationen führen. Die Dorfbewohner sind selbst die Gastgeber und so erschließt sich ihnen eine weitere Lebensgrundlage.
Zu Gast bei Emilia Popa: Brot backen wie zu Großmutters Zeiten
Wie der Name schon sagt, beginnt alles mit dem Essen. Das Frühstück wird von lokalen Familien in sogenannten “Lokalen Gastronomischen Punkten” wie der Casa Emilia Popa serviert.

Der kleine Hof befindet sich in Coșteiu de Sus, einem kleinen Dorf, das zur Gemeinde Margina gehört (Hausnummer 150). Emilia Popa ist das Herz der Einrichtung und in Rumänien mittlerweile eine kleine Berühmtheit in der traditionellen Gastronomie. Sie gewann den Hauptpreis im nationalen kulinarischen Wettbewerb “România, arată-ți farfuria!” (Rumänien, zeig deinen Teller!).

Ihre absolute Spezialität? Das traditionelle Hausbrot. Als wir ankamen, lag bereits der wohlige Duft von frisch gebackenem Teig in der Luft. Wie zu Großmutters Zeiten knetet sie den Teig liebevoll von Hand und backt ihn in einem holzbefeuerten Ofen direkt auf der Feuerstelle (pâine coaptă pe vatră).

Normalerweise werden maximal 15 Personen gleichzeitig bewirtet, um die familiäre, ruhige Atmosphäre zu bewahren. Man sitzt gemütlich direkt auf dem Hof auf einer überdachten Veranda. Da unsere Gruppe für den kleinen Hof leider etwas zu groß war, wurden wir kurzerhand und mit derselben herzlichen Gastfreundschaft im gegenüberliegenden Gemeindesaal empfangen. Schnell wurde klar: Ein standardisiertes Hotelfrühstück sucht man hier vergeblich! Das Speisenangebot richtet sich nach der Saison und dem, was der eigene Hof oder die Nachbarn gerade hergeben.
Unser rustikales Frühstücksmenü
- Ein traditionelles Gläschen Răchie (ein starker, lokaler Pflaumenschnaps) zur Begrüßung, das weckt die Lebensgeister!
- Hausgemachter, herrlich erfrischender Holunder- und Waldmeistersirup (Tipp: Erst einmal vorsichtig mit Wasser mischen, um den perfekten Süßegrad zu finden).
- Frisch im Holzofen gebackenes Hausbrot.
- Zacusca (eine unglaublich aromatische, traditionelle Gemüsepaste).
- Selbstgemachte Marmeladen, frischer Käse und cremiger Honig direkt vom Imker.
- Eier und deftiger Speck (Slănină).

Bei einem anschließenden Rundgang über den Hof durften wir sehen, woher unsere Mahlzeit stammte. Neben Schweinen und einer Kuh gackerten unzählige Hühner, die für unsere frischen Frühstückseier zuständig waren, während beim Nachbarn die Tomaten in der Sonne reiften.

Wichtiger Hinweis für Reisende: Man kann hier nicht einfach spontan einkehren! Eine telefonische Voranmeldung (mindestens 24 Stunden im Voraus) ist zwingend erforderlich. Emilia kocht exakt für die angemeldeten Gäste, um Lebensmittelverschwendung strikt zu vermeiden.
Auf Entdeckungstour: Die verborgenen Sehenswürdigkeiten Kreis Timis
Gut gestärkt zogen wir los, um die Region zu erkunden. Das Konzept von “Mic Dejun la Margina” sieht vor, Besuchern auch die umliegenden kulturellen und natürlichen Sehenswürdigkeiten Kreis Timiș näherzubringen – optional sogar ganz romantisch per Pferdekutsche! Wir verzichteten diesmal auf die Kutsche, ließen uns aber die Stationen nicht entgehen.
Kultur hautnah im Muzeul Satului Sintești (Dorfmuseum Sintești)
Unser erster Stopp war ein kleines, authentisches ethnografisches Museum in der Gemeinde Margina, das vom engagierten Dorflehrer geleitet wird. Das Museum widmet sich mit viel Herzblut dem Erhalt der traditionellen ländlichen Kultur.

Das Museum veranschaulicht das traditionelle, alltägliche Leben der Dorfbewohner und zeigt, wie die Menschen am Rande des Kreises Timiș in der Vergangenheit gelebt und gearbeitet haben. Gezeigt werden historische Alltagsgegenstände, Werkzeuge, alte Fotografien und landwirtschaftliche Geräte.

Mir hat der Rundgang durch die drei Räume sehr gefallen. Leider sind die Ausstellungsstücke nicht immer selbsterklärend, da sie mir zum Beispiel vollkommen unbekannt waren. Aber mit einen Tourguide an der Seite ist das kein Problem, da ich so einiges nachfragen konnte.

Das ratternde Herz der Region: Besuch einer alten Wassermühle
Ein weiteres Ziel des Slow Tourismus ist es, die alte regionale Wirtschaft erlebbar zu machen. Von außen ließ das unscheinbare Gebäude kaum erahnen, welcher historische Schatz sich im Inneren verbarg. Seit 1902 wurde hier eine Wassermühle betrieben. Die heutigen Besitzer arbeiten seit 2010 leidenschaftlich daran, dieses Wunderwerk der Technik zu erhalten.

Bei einem kleinen Rundgang erklärte man uns die Funktionsweise des alten Mühlwerkes. Um die Mühle in Betrieb zu nehmen, muss der Müller Wasser aus dem Bach oder Mühlteich auf das Wasserrad leiten. Mit einem Handrad wird eine schwere Holz- oder Metallklappe (die Schleuse) im Wasserlauf gehoben. Das erfordert oft große Muskelkraft, da man gegen das Gewicht der Klappe und den Wasserdruck arbeiten muss. Sobald das Wehr durch das Drehen des Handrads geöffnet ist, schießt das Wasser auf das eigentliche Mühlrad. Die Strömungsenergie und das Gewicht des Wassers bringen das große Rad zum Drehen. Hier wird die Energie des Wassers in mechanische Rotationsenergie umgewandelt.

Kaum floss das Wasser erwachten die Räder und Riemen in der Mühle zum Leben. Überall ratterte, knarzte und knatterte es! Die pure Strömungsenergie setzte unzählige Riemen und schließlich den schweren Mahlstein in Bewegung. Wie fantastisch ein Brot aus diesem frisch gemahlenen Weizenmehl schmeckt, durften wir direkt bei einer kleinen Verkostung erleben.

Spirituelle Ruhe tanken: Das Kloster Izvorul lui Miron
Ein absolutes Muss unter den Sehenswürdigkeiten Kreis Timiș ist das Kloster Izvorul lui Miron (Mirons Quelle) im idyllischen Făget-Land (Țara Făgetului). Eingebettet in die malerische Hügellandschaft am Fuße des Poiana-Ruscă-Gebirges strahlt dieser Ort eine unglaubliche Ruhe aus.

Im Jahr 1911 besuchte Bischof Cristea die Region. Er hielt an einer natürlichen, konstant warmen Quelle eine große Freiluftliturgie für Tausende von Gläubigen ab. Aus Dankbarkeit und zur Erinnerung an diesen bedeutsamen Tag nannten die Einheimischen die Quelle fortan Izvorul Miron (Mirons Quelle).
Der Bishof gründete auch das Kloster und stiftete selbst 1.000 Kronen für den Bau. Die Grundsteinlegung erfolgte 1912. Zunächst wurden eine Holzkirche sowie ein Gebäude für die Mönche errichtet, die größtenteils bis 1915 fertiggestellt wurden. Während der kommunistischen Zeit verlor die Anlage vorübergehend ihren offiziellen Klosterstatus. Laien haben die Anlage verwaltet, bevor das mönchische Leben später wieder aufblühte.

Das Kloster ist nicht nur für gläubige Pilger, sondern auch für Natur- und Kulturtouristen ein sehr interessantes Ausflugsziel.
Vor dem Eingang gibt es einen großen Parkplatz. Ein gut ausgebauter Weg führt auf das Klostergelände und man erreicht zuerst die namensgebende Quelle (Izvorul). Der kleine Teich, der von der Thermalquelle gespeist wird, ist das Herzstück der Anlage. Das Wasser hat das ganze Jahr über eine nahezu konstante Temperatur und friert sogar im Winter nicht zu. Dem Quellwasser wird traditionell eine heilende Wirkung nachgesagt. Das Wasser wird nicht getrunken, sondern man badet zum Beispiel die Füße darin, um Gelenkschmerzen zu mildern.

Die Kirche der Anlage sticht durch ihre detaillierten Innen- und Außenmalereien hervor. Wir konnten einen Blick in die etwas kleinere Kapelle der Kirche werfen. Wenn das “nur” die Kapelle ist möchte ich nicht wissen, wie prachtvoll erst die Kirche sein muss. Die Bemalungen und das Altarbild sind wunderschön.

Besonders gut hat mir die sogenannte Sommerkirche gefallen. In der warmen Jahreszeit wird hier der Gottesdienst abgehalten.
Ein historisches Highlight zum Abschluss: Die Holzkirche in Românești
Unser letzter Programmpunkt war die Biserica de lemn “Nașterea Sfântului Ioan Botezătorul”. Die Kirche thront auf einem kleinen Hügel mitten im alten Friedhof von Românești. Durch diese erhabene Position bietet sich von dort oben ein wunderschöner Panoramablick über das Dorf und die umliegende Hügellandschaft.

Die kleine Kirche stammt aus dem 18. Jahrhundert. Lokalen Überlieferungen zufolge wurde sie jedoch nicht direkt in Românești erbaut. Man geht davon aus, dass sie ursprünglich irgendwo im Mureș-Tal (Valea Mureșului) errichtet, dort abgebaut und später nach Românești transportiert wurde. Dieses ist häufig bei Holzkirchen in Rumänien geschehen. Die Holzkirche verlor ihre Funktion als Hauptkirche der Gemeinde als eine Steinkirche erbaut wurde und dient seither als Friedhofskapelle.
Die Architektur der Kirche ist schlicht, aber weist einige Besonderheiten auf, die sie von anderen Holzkirchen der Region abheben:
- Das Baumaterial: Sie ist in traditioneller Blockbauweise aus massivem Eichen- und Tannenholz gefertigt.
- Der Grundriss: Sie folgt dem klassischen, einfachen Plan der orthodoxen Holzkirchen im Banat und ist in drei Bereiche unterteilt: den Vorraum (Pronaos), das Hauptschiff (Naos) und den polygonalen (vieleckigen) Altarraum.
- Das Dach und der Vorbau (Pridvor): Eine große Besonderheit dieser Kirche ist die Dachkonstruktion. Auf der Westseite (über dem Eingang) ist das Dach deutlich verlängert. Dadurch entsteht ein schlichter, überdachter Vorraum (Pridvor). Dieses architektonische Detail ist in der Region Făget äußerst selten und findet sich in ähnlicher Form nur noch bei der Holzkirche im Nachbardorf Coșevița.
- Der freistehende Glockenturm: Im Gegensatz zu vielen anderen Holzkirchen bei denen der Turm direkt auf dem Kirchendach sitzt, besitzt die Kirche in Românești einen separaten Glockenturm. Er steht nordwestlich des Hauptgebäudes, hat eine sehr schlanke, elegante Silhouette und ist an drei Seiten mit Tannenholzschindeln verkleidet.

Mein Reisetipp
Wer das schnelle Abhaken von Touristen-Hotspots sucht, ist hier falsch. Wer sich aber auf die Menschen, die Natur und die Geschichte einlässt, wird mit dem Projekt “Mic Dejun la Margina” und den wunderschönen Sehenswürdigkeiten Kreis Timiș unvergessliche, zutiefst authentische Erinnerungen sammeln.
Schließt euch am besten einer geführten Rundfahrt durch das Banat an. Viele dieser verborgenen Schätze können nur nach Voranmeldung besichtigt werden, und die lokalen Guides organisieren den Zugang sowie die Übersetzungen problemlos für euch.
Der Besuch fand im Rahmen einer Pressereise mit Consiliul Judeţean Timiş, Visit Timiș, HORETIM, WIZZ Air, Banat – Regiune Gastronomică Europeană statt.
Veröffentlicht: 16. September 2026
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