Niederschlesien ist für viele Urlauber noch ein echter Geheimtipp. Besonders das Bober-Katzbach-Gebirge, auch bekannt als das “Land der erloschenen Vulkane”, lockt mit unberührten Landschaften, sanften Hügeln und faszinierenden geologischen Schätzen.
Unser Ausgangspunkt für dieses Abenteuer war die idyllische Villa Greta im kleinen Ort Dobków. Von hier aus haben wir die Region sowohl zu Fuß als auch auf zwei Rädern erkundet und waren überrascht, wie vielseitig diese Ecke Polens ist.

Wanderung zum Aussichtsturm auf dem Dłużek (Repprichts-Berg)
An unserem ersten Tag in der Villa Greta hatten wir traumhaft schönes Wetter. Auf unserem Tagesplan stand für den Vormittag eine Wanderung zu einem Aussichtsturm im Bober-Katzbach-Gebirge. Von dort, so versprach man uns, sollten wir einen wundervollen Blick über diesen Bereich Niederschlesiens, auch bekannt als das “Land der erloschenen Vulkane”, bekommen.
Kurz nach dem reichlichen Frühstück zogen wir mit Fotoapparat und 2 Wasserflaschen los. Unsere gewanderte Strecke ist gut auf der Karte erkennbar.
Die Villa Greta liegt auf etwa 352 Metern Höhe. Bis zum Aussichtsturm ging der Weg kontinuierlich bergauf. Zunächst folgten wir einem “Weg”, oder besser einem frisch gemähten Pfad über die angrenzende Wiese. Dieser Pfad ist extra von den Besitzern der Villa Greta angelegt worden und führt direkt auf einen ausgeschilderten Wanderweg, genauer gesagt auf die grüne Route.
Ein “kleiner” Nachteil dieser Abkürzung: in der Nacht hatte es geregnet und noch war noch alles abgetrocknet. Es war anfangs etwas nass an den Beinen.

Über gut befestigte Forst- und Wanderwege dauerte der stetige Aufstieg knapp eineinhalb Stunden. In dieser Zeit bewältigten wir etwa 235 Höhenmeter. Wir wanderten durch eine recht abwechslungsreiche Landschaft aus weiten offenen Wiesen und schattigen Waldbereichen und zu sahen wir schon den hölzernen Aussichtsturm.
Panorama-Ausblick und Picknick am Gipfel
Endlich angekommen konnte ich es kaum erwarten die Stufen hinauf zu steigen. Ob der Ausblick wirklich so umwerfend sein würde?

Er war es! Der Turm steht auf dem Gipfel des Dłużek (zu Deutsch: Repprichts-Berg), der eine offizielle Höhe von 592 Metern über dem Meeresspiegel misst, was fast exakt zu den 586 Metern unseres GPS-Trackers passte.

Wir blickten über eine traumhafte Landschaft: Waldflächen, die sanften Hügel des Bober-Katzbach-Gebirges und ab und zu Felder, so weit das Auge reichte. Bei klarem Wetter kann man von hier oben sogar bis zum Riesengebirge blicken. Vereinzelt sieht man ein Haus, sonst nur Natur pur. Ich muss zugeben, dass Niederschlesien so schön ist, habe ich nicht erwartet.

Während wir die Aussicht genießen blicke ich von oben auf einen Picknickplatz direkt am Turm. Mein Tipp: Nehmt eine Brotzeit / Picknick mit und genießt die Ruhe. Es war für uns Erholung pur!

Als wir uns auf den Rückweg machen, bedauere ich fast, dass wir an diesem Tag noch einiges vorhaben. Alles, was wir auf dem Hinweg bergauf gegangen sind, gehen wir nun kontinuierlich bergab. Wir wählen einen anderen etwas direkteren Streckenverlauf, der uns in den Ort Dobków führt. Auch dieser Weg ist sehr gut befestigt und so geht der Abstieg recht zügig. Nach einem Schlenker zur Dorfkiche (sie ist leider meistens verschlossen) kamen wir wieder an unserer Unterkunft der Villa Greta an.

Info: Dłużek (Repprichts-Berg) & Aussichtsturm
- Höhe: 592 Meter ü. d. M.
- Lage: Östlicher Kamm des Bober-Katzbach-Gebirges.
- Der Aussichtsturm: Ein hölzerner Turm, der 2018 erbaut wurde, um das touristische Angebot der Region zu erweitern.
- Zugang: Kostenlos und ganzjährig geöffnet.
- Wanderwege: Gut ausgebaute Wege (wie die grüne Route ab Dobków/Wojcieszów). Neben Wanderern nutzen auch Mountainbiker den angrenzenden “Single Track Dłużek”.
- Infrastruktur am Gipfel: Informationstafel mit Panorama-Beschreibung, Picknickbänke, Tisch und eine offizielle Feuerstelle.
- Ausblick: Bei klarer Sicht reicht der Panoramablick über das Bober-Katzbach-Gebirge (z. B. auf den markanten Berg Okole) bis hin zum Riesengebirge.

E-Bike-Tour durch das Katzbachgebirge: Vulkane, Orgeln und historische Kirchen
Wir wollten gerne etwas mehr von der Region rund um Dobków erkunden. Zum Glück besteht in der näheren Umgebung die Möglichkeit Fahrräder auszuleihen. Dieses muss man allerdings vorab bestellen. Dabei helfen die Besitzer der Villa Greta gerne weiter.

Unsere E-Bikes und die Helme standen morgens schon für uns bereit. Es hieß nur noch Sattel einstellen, einmal Bremsen checken und dann konnten wir auch schon losfahren.
Wir hatten uns eine Tour zusammengestellt, die etwa 40 Kilometer lang sein sollte. Ein Teilunseres Körper sagte allerdings nach knapp 32 Kilometer “es reicht” und so ließen wir den letzten Punkt der Strecke aus. Unsere Fahrt inklusive der Steigungen kann man sehr gut am Kartenverlauf ablesen.
Unsere Tour startete in Dobków. Nur wenige Meter geht es über die Hauptstraße, dann fahren wir eine kleine Straße entlang, auf der uns kein Auto begegnete. Zum Glück, denn so konnte ich die für mich recht ungewohnte Gangschaltung etwas ausprobieren, bis ich einigermaßen damit klar kam. Es ist halt doch etwas anderes, ein so klasse E-Bike zu fahren und nicht ein schweres Oma-Fahrrad mit Körbchen und 3-Gang-Schaltung.

Von versteckten Türmen und riesigen Steinorgeln
An der Straße 365 angekommen, fuhren wir nun auf einer etwas belebteren Hauptstraße bis kurz vor Muchów. Dort verließen wir die Straße und es ging auf Feldwegen, kleinen Straßen und durch den Wald bergauf und bergab bis zu einem Aussichtsturm: der Wieża widokowa na górze Zawodna (445 m n.p.m.) in Gozdno. Eigentlich wollten wir diesen Turm hinaufsteigen, müssen aber den direkten Zufahrtsweg verpasst haben.

Das ist im Nachhinein wirklich schade, denn der 2018 erbaute Holzturm ist stolze 20 Meter hoch und steht auf einem alten, 445 Meter hohen Vulkanhügel aus vulkanischem Gestein. Von der Aussichtsplattform in 16 Metern Höhe soll man einen fantastischen Blick über das Katzbachgebirge, das Riesengebirge und auf den markanten, erloschenen Vulkan Wilkołak haben.

Der nächste Abschnitt unserer Tour führte wieder über Waldwege, die zum Teil aus Schotter bestanden und recht steil waren, in Richtung Sędziszowa. Hier befindet sich ein alter Steinbruch und ein absolutes Natur-Highlight der Region: die Organy Wielisławskie (Wielisławer Orgeln). Diese spektakulären Felsen sind der Überrest eines Vulkans, der vor rund 270 Millionen Jahren ausbrach.

Als an dieser Stelle im 19. Jahrhundert Gestein abgebaut wurde, legte man das beeindruckende Innere des Vulkans frei. Das damals abkühlende Magma formte riesige, 20 bis 30 cm dicke Gesteinssäulen, die optisch stark an riesige Orgelpfeifen erinnern. Nach einer kurzen Pause direkt vor dieser beeindruckenden und dreidimensional wirkenden Felswand ging es durch Sędziszowa weiter in Richtung Świerzawa.

Romanische Kunst und das beste Softeis in Świerzawa
Wir machten dort einen kurzen Stopp an der Kirche Kościół św. Jana i Katarzyny (St. Johannes und Katharina). Sie wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts aus Stein erbaut und ist eine der am besten erhaltenen romanischen Kirchen der Region.

Heute wird sie nicht mehr für Gottesdienste, sondern als Museum und für Ausstellungen genutzt. Ein Blick ins Innere lohnt sich. 1977 entdeckte man unter dem alten Putz fantastische Wandmalereien aus dem 13. Jahrhundert. Sie zeigen faszinierende Pflanzen und teils exotische Tiere, wie Störche, Fische oder gar Giraffen.


Einige Meter weiter gönnten wir uns ein Eis in einem etwas versteckten Laden in der Złotoryjska. Hier bekommt man das Softeis direkt aus einem kleinen Fenster gereicht – und das anscheinend schon seit einer gefühlten Ewigkeit. Bezahlt wird mit Bargeld, gesprochen nur Polnisch, und das Eis ist einfach klasse! Nach dieser letzten Stärkung ging es zurück zur Villa Greta nach Dobków.


Info: Wielisławer Orgeln (Organy Wielisławskie)
- Lage: Am Hang des Berges Wielisławka (375 m) in Sędziszowa, nahe Świerzawa.
- Geologische Besonderheit: Rhyolith-Gesteinssäulen (4- bis 6-eckig), die 20 bis 30 cm dick sind. Sie entstanden beim langsamen Erkalten von Magma vor etwa 270 Millionen Jahren im Erdzeitalter Perm.
- Freilegung: Die beeindruckenden Felswände wurden im 19. Jahrhundert sichtbar, als hier Gestein für den Straßenbau abgebaut wurde.
- Legende vom Gold: Laut lokalen Mythen soll im Berg Wielisławka das sagenumwobene “Gold von Breslau” (Złoto Wrocławia) aus dem Zweiten Weltkrieg versteckt sein – gefunden wurde es bis heute nicht.
- Besuch: Der Ort ist als Naturdenkmal geschützt. Es gibt einen kleinen Naturlehrpfad (“Rund um Wielisławka”, ca. 3,1 km), einen Parkplatz direkt vor den Felsen und einen Rastplatz mit Bänken.

Unser Aufenthalt in der Villa Greta und die Ausflüge in das Bober-Katzbach-Gebirge haben uns absolut begeistert. Die Mischung aus Ruhe, Natur pur, historischen Entdeckungen und kleinen, charmanten Erlebnissen, wie dem Softeis aus dem Fenster, macht diese Region Niederschlesiens zu einem perfekten Ziel für einen Entschleunigungs-Urlaub. Egal, ob man lieber die Wanderschuhe schnürt oder sich auf den Sattel eines E-Bikes schwingt: Das Land der erloschenen Vulkane ist definitiv eine Reise wert.
Der Aufenthalt in Niederschlesien fand in Zusammenarbeit mit der Polish Tourism Organization in Berlin statt.
Veröffentlicht: 6. September 2026
Schreibe einen Kommentar