Trois-Rivières ist die zweitälteste französischsprachige Stadt Nordamerikas. Schon 1634 gründete Sieur de Laviolette diesen Ort am Zusammenfluss des Saint-Maurice und des mächtigen Sankt-Lorenz-Stroms. Der Name „Drei Flüsse“ ist dabei ein kleiner geografischer Trick der Natur: Zwei Inseln im Mündungsdelta teilen den Saint-Maurice so auf, dass es aussieht, als würden drei Flüsse ins Meer fließen.
Lange bevor die Franzosen kamen, war dieser Ort über Jahrtausende ein wichtiger Treffpunkt für die Algonquin und Abenaki. Später wurde Trois-Rivières zur Welthauptstadt der Papierindustrie.
Wir mussten bei unserem Besuch eine wichtige Lektion lernen: Planst du deinen Besuch an einem Montag, bleibst du vor verschlossenen Türen stehen! An diesem Tag haben die Museen der Stadt Ruhetag. Da wir an einem sonnigen Montag dort waren, konnten wir die meisten Sehenswürdigkeiten bei einem Stadtspaziergang von außen bestaunen.
Ein Spaziergang zu den Sehenswürdigkeiten in Trois-Rivières
Vieille Prison de Trois-Rivières
Das Vieille Prison de Trois-Rivières war einst das am längsten in Betrieb befindliche Gefängnis Kanadas. Die ersten Gefangenen saßen dort ab 1822 ein und es schloss erst 1986 seine Türen.

Da das Gebäude nach seiner Schließung kaum verändert wurde, kann man heute bei Führungen sehen, wie die Gefangenen dort lebten.
Vor den massiven Mauern des Vieille Prison bekamen wir auch ohne Führung eine Gänsehaut. Wir standen in der Sonne vor den grauen Steinen und stellten uns vor, wie die Häftlinge dort seit 1822 unter zum Teil prekären Bedingungen lebten. Die kleinen vergitterten Fenster ließen sicherlich kaum Sonne in die Gefängniszellen und den schönen Garten vor dem Gebäude haben die Gefangenen bestimmt auch nie betreten.

Musée POP: Die Erforschung der québecischen Identität
Direkt an das alte Gefängnis angeschlossen befindet sich der moderne Bau des Musée POP. Das Museum widmet sich der Erhaltung und Präsentation der Populärkultur Québecs. Schade, dass wir die Ausstellungen zur Identität der Québécois nicht sehen konnten. Es hätte mich interessiert mehr über die Kultur zu erfahren.

Boréalis: Das industrielle Erbe der Papierindustrie
Das Museum Boréalis ist in der ehemaligen Wasserfiltrationsanlage der Canadian International Paper (CIP) untergebracht. Hier dreht sich alles um das Thema: Trois-Rivières als Welthauptstadt der Papierherstellung.
Die Dauerausstellung “Transformations” veranschaulicht den gesamten Zyklus der Papierherstellung: vom Holzeinschlag im Wald über die Flößerei auf dem Saint-Maurice bis hin zur technischen Verarbeitung in der Fabrik. Besucher können in Workshops ihr eigenes Papier herstellen.

Eine Aussichtsplattform bietet einen Panoramablick auf den Saint-Maurice-Fluss. Diesen kann man aber auch einige Schritte neben dem Gebäude genießen.
Sanctuaire Notre-Dame-du-Cap
Etwas außerhalb des Stadtzentrum befindet sich Sanctuaire Notre-Dame-du-Cap. Es handelt sich um Kanadas nationales Marienheiligtum und einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte Nordamerikas.
Das Areal umfasst eine historische Kapelle aus dem Jahr 1720, die als älteste Kirche Kanadas gilt, in der täglich die Messe gefeiert wird, sowie die monumentale moderne Basilika aus dem Jahr 1964.

Wir haben uns die Kirche angesehen und waren begeistert von der Architektur. Wer mehr darüber erfahren möchte, sollte den Artikel “Ein Ort der Wunder: Unser Besuch der berühmten Kirche in Trois-Rivières” lesen.
Cathédrale de l’Assomption
Die Cathédrale de l’Assomption wurde zwischen 1854 und 1858 erbaut. Ihr spitzer Turm erinnert fast ein bisschen an die Londoner Architektur.

Im Inneren befindet sich einer der wertvollsten Kunstschätze der Region: 22 monumentale Buntglasfenster des Künstlers Guido Nincheri. Jedes Fenster ist über 8 Meter hoch und zeichnet sich durch ein außergewöhnliches Farbspiel und Detailgenauigkeit aus.
Récollets-de-Trois-Rivières
Récollets-de-Trois-Rivières ist ein religiöser Komplex. Das Ensemble umfasst die Kirche St. James und ihr Presbyterium. Das 1742 erbaute Presbyterium ist mit der Kirche durch einen überdachten Weg verbunden. Die 1754 errichtete Steinkirche hat einen rechteckigen Grundriss. Das Dach wird von einem Glockenturm überragt.

Musée des Ursulines
Das Musée des Ursulines ist einer der bedeutendsten kulturellen und historischen Orte in Trois-Rivières. Es befindet sich im historischen Viertels (Vieux-Trois-Rivières) und erzählt die Geschichte einer Gemeinschaft von Nonnen, die das soziale Gefüge der Stadt über 300 Jahre lang geprägt haben.
Die Ursulinen kamen 1697 nach Trois-Rivières. Ihre Hauptaufgabe war die Erziehung von Mädchen und die Pflege von Kranken (sie gründeten das erste Krankenhaus der Stadt).

Das Museum bietet einen Einblick in das spirituelle und weltliche Leben der Nonnen:
- Die Kapelle: Sie ist das Herzstück des Komplexes. Die prächtige Innenausstattung und die Altarbilder sind Meisterwerke der sakralen Kunst in Québec.
- Dauerausstellung: Diese zeigt Artefakte aus dem Alltag der Schwestern, darunter Stickereien, medizinische Instrumente aus der Zeit des Lazaretts und Schulutensilien.
Amphithéâtre Cogeco
Das im Jahr 2015 eingeweihte Amphithéâtre Cogeco wurde auf dem Gelände einer ehemaligen Papierfabrik errichtet . Das auffälligste Merkmal ist das rote Dach, das auf nur acht schlanken Säulen ruht und über der Bühne zu schweben scheint. Mit einer Gesamtkapazität von 9.000 Zuschauern bietet die Spielstätte eine der besten akustischen Erfahrungen in Nordamerika.

Musée Bon Père Frédéric (Musée Frédéric-Janssoone)
Dieses Museum ist dem Franziskanerpater Frédéric Janssoone (1838–1916) gewidmet, einer der populärsten religiösen Figuren in der Geschichte Québecs. Er war ein französischer Missionar, der den Großteil seines Lebens in Kanada verbrachte. Der Pater war Mitbegründer des berühmten Heiligtums Notre-Dame-du-Cap und wurde 1988 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

Das Museum befindet sich im Souterrain der St.-Antonius-Kapelle (Chapelle Saint-Antoine). Gezeigt werden persönliche Gegenstände, die sein Leben und seine Reisen ins Heilige Land illustrieren. In der Kapelle über dem Museum ruht der einbalsamierte Körper des Paters in einem Glassarkophag.
Notre-Dame-des-Sept-Allégresses
Die Ruine direkt nebenan ist ein trauriger Anblick und war bis vor kurzem eines der architektonischen Wahrzeichen des Viertels. Am 3. Oktober 2024 brach in der historischen Kirche ein Feuer aus. Das Gebäude wurde fast vollständig zerstört.

Musée Pierre-Boucher
Das Musée Pierre-Boucher ist ein Geheimtipp in Trois-Rivières. Es ist das älteste private Museum Québecs.
Das Museum befindet sich in einem imposanten Gebäude: dem Séminaire Saint-Joseph. Das gibt dem Besuch eine ganz eigene Atmosphäre, da man sich in einer historischen Bildungseinrichtung bewegt.

Das Museum verfolgt den Ansatz “Kunst + Geschichte”:
- Maurice Duplessis: Es gibt einen Gedenksaal für den ehemaligen Premierminister von Québec, der ein kontroverser, aber prägender Politiker der Region war.
- Sakrale Kunst: Da das Museum im Seminar untergebracht ist, gibt es beeindruckende religiöse Kunstwerke, Goldschmiedearbeiten und Textilien.
- Die Kapelle: Ein Rundgang umfasst oft auch die wunderschöne Kapelle des Seminars, die architektonisch sehr sehenswert ist.
Militärmuseum
Das Militärmuseum in Trois-Rivières ist offiziell als Musée militaire de Trois-Rivières (oder auch Musée du 12e Régiment blindé du Canada) bekannt.
Das Museum befindet sich im Inneren des Manège militaire (Exerzierhaus/Waffenplatz), einem Backsteingebäude aus dem Jahr 1905. Allein die Architektur mit ihren Türmchen und der massiven Struktur ist sehenswert.

Das Museum widmet sich der Geschichte des 12. Gepanzerte Regiments Kanadas (12e Régiment blindé du Canada), das 1871 in Trois-Rivières gegründet wurde.
Croisières AML (Billetterie & Anlegestelle)
Die Reederei Croisières AML ist der Hauptanbieter für Schifffahrten in Trois-Rivières. Das Ticketbüro (Billetterie) befindet sich direkt am Wasser. Die beliebteste Fahrt ist die Guided Sightseeing Cruise (meist auf dem Schiff M/S Jacques-Cartier). Sie dauert etwa 90 Minuten.

Übernachten mit Tresor-Feeling
In Trois-Rivières haben wir im Hôtel Oui Go! übernachtet – und was für eine Entdeckung das war! Das charmante Boutique-Hotel liegt super zentral und ist für uns ein wirklich außergewöhnlicher Ort. Das Gebäude beherbergte früher eine Bank, und das absolute Highlight: Unser Zimmer befand sich im ehemaligen Tresorraum. Ein einmaliges Erlebnis, das man nicht alle Tage hat.

Unsere kulinarischen Highlights
Le temps d’une pinte
Diese gemütliche Brauerei hat uns sofort überzeugt. Es gibt dort nicht nur richtig gutes Essen, sondern vor allem erstklassiges Craft-Beer. Im Sommer kann man wunderbar im kleinen Biergarten sitzen.

- Unser Tipp: Probiert euch unbedingt durch die hausgebrauten Biere. Besonders das IPA und das Sour Beer waren genau nach unserem Geschmack!
Angéline – Italienischer Genuss
Hier haben wir einen fantastischen Abend verbracht. Der Gastraum ist so gemütlich eingerichtet, dass sofort diese wohlige “Wohnzimmer-Atmosphäre” aufkommt. Besonders charmant: Obwohl das Personal lieber Französisch sprach, haben sie sich rührend auf Englisch um uns bemüht, um uns einen perfekten Abend zu bereiten. Die Pizza und der riesige Salat waren einfach hervorragend.

Le Caféier | atelier torréfaction
Am nächsten Morgen lockte uns der Duft von frischen Bohnen ins Le Caféier. Wir hatten unglaubliches Glück: Als wir reinkamen, lief gerade die Rösttrommel. Dieser intensive Kaffeegeruch in der Luft war einfach herrlich! Der Kaffee selbst stand dem Duft in nichts nach – der perfekte Start in den Tag.

Cafe Morgane Notre Dame
Direkt gegenüber vom Hotel liegt das Cafe Morgane. Als es an einem Vormittag etwas regnerisch wurde, haben wir uns in dieses recht geräumige Café gerettet. Es ist ideal für einen schnellen, starken Wachmacher und einen kleinen Frühstückssnack, bevor man die Stadt weiter erkundet.

Eis-Traum in Trois-Rivières
Es gibt Genussmomente, die man so schnell nicht vergisst. Schräg gegenüber von unserem Hotel haben wir uns nach einem langen Spaziergang bei Choco-Favoris belohnt. Das Eiscafé ist ein echtes Paradies für Schleckermäuler: Patrick hat sich an ein Eis-Croissant gewagt, während ich einen riesigen Becher mit flüssigem Caramel genossen habe. Sündhaft gut und einfach nur lecker – ein absolutes Muss, wenn man in der Stadt ist!


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