Antwerpen ist eine Stadt, die mühelos den Spagat zwischen historischem Charme und moderner Coolness meistert. Wer durch die verwinkelten Gassen schlendert, entdeckt an fast jeder Ecke ein neues Stück Geschichte, imposante Architektur und eine unglaublich lebendige Kulturszene.
Egal, ob man majestätische Zunfthäuser bewundern, in versteckten Oasen die Seele baumeln lassen oder die Stadt von oben betrachten möchte – Antwerpen überrascht immer wieder aufs Neue. Wir haben unsere absoluten Highlights und ein paar echte Geheimtipps zusammengestellt.
Das MAS: Antwerpens Wahrzeichen am Wasser
Das Museum aan de Stroom, kurz MAS, ist ein Museum und ein kostenloser Aussichtspunkt über die Stadt.

Im Stadtteil Eilandje steht ein beeindruckender Turm aus rötlichem indischem Sandstein und riesigen, gewellten Glasflächen: das MAS. Die Architekten haben ein Bauwerk geschaffen, das an aufeinandergestapelte Container erinnert. Ein besonderes Detail sind die 3.000 kleinen Hände aus Aluminium, die die Fassade schmücken. Diese sind mir zugegebener Maßen erst auf den zweiten Blick aufgefallen. Ich hielt diese Elemente für Verzierungen und habe sie nicht wirklich beachtet.

Im Inneren windet sich ein frei zugänglicher Bereich über Rolltreppen spiralförmig nach oben. Hinter den meterhohen Glaspaneelen eröffnet sich mit jeder Etage ein neuer Blick auf die Stadt, den Hafen und den Strom Schelde. Die 360-Grad-Panorama-Dachterrasse in der zehnten Etage erreicht man leider nur nur eine Treppe von der 9.Etage aus. Aber es bietet schließlich einen unvergleichlichen Rundumblick über Antwerpen. Und das auch noch kostenlos! Für alle, die wie wir zunächst ratlos vor den Kassen im Eingangsbereich stehen bleiben – geht einfach vorbei und fahrt hoch! Die Aussichtsplattform erreicht man wirklich ohne Eintrittskarte!


Das Herzstück des MAS bildet eine vielfältige Sammlung und Ausstellungen. Auf rund 5700 Quadratmetern Ausstellungsfläche werden über 600.000 Objekte aus den ehemaligen Sammlungen des Völkerkundemuseums, des Nationalen Schifffahrtsmuseums und des Volkskundemuseums gezeigt. Diese Bereiche kann man kostenpflichtig besuchen.

Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag von 10 -17 Uhr geöffnet. Die Panoramaterrasse kann man von 9:30 – 22 Uhr besuchen. Montags ist das Museum in der Regel geschlossen.
Unser Tipp: Das Café im Erdgeschoss hat nicht nur eine schöne Außenterrasse, der Kuchen schmeckt einfach klasse.

Felix Pakhuis
Nicht weit entfernt vom MAS betreten wir durch eine recht unscheinbare Tür ein fast verstecktes Highlight der Gegend. Nicht viele Besucher entdecken den Zugang, er ist auch nicht wirklich ausgeschildert.
Hier steht ein Koloss aus Stein und Backstein, das Stapelhaus St. Felix, heute bekannt als Felix Pakhuis. Die Geschichte des Stapelhauses beginnt Mitte des 19. Jahrhunderts. In dieser Zeit boomte der Antwerpener Hafen. Um die gewaltigen Mengen an Waren wie Kaffee, Getreide, Käse und Tabak, die in der Stadt ankamen, lagern zu können, wurde ein neues, großes Lagerhaus benötigt. Nach den Plänen des Stadtarchitekten Felix Pauwels entstand das Lagerhaus 1860.

Es entstand ein Bau aus massivem Ziegelmauerwerk und Blaustein. Die dicken Mauern sorgten für ein konstantes Innenklima, ideal für die Lagerung empfindlicher Güter. Das auffälligste Merkmal ist die überdachte Gasse. Diese war ursprünglich dafür gedacht, Pferdefuhrwerken das Be- und Entladen im Trockenen zu ermöglichen. Die beiden Flügel des Gebäudes werden durch eine monumentale Bogenkonstruktion verbunden. Das Innere bestand aus riesigen, offenen Lagerböden, getragen von unzähligen gusseisernen Säulen – eine damals moderne Technik, die maximale Flexibilität ermöglichte.
Die schiere Größe des Baus war für die damalige Zeit revolutionär. Das Lagerhaus war als hochmodernes Logistikzentrum konzipiert. Doch nur ein Jahr nach seiner Fertigstellung kam es zur Katastrophe: 1861 zerstörte ein verheerender Brand große Teile des Nordflügels. Der Wiederaufbau erfolgte rasch und das Lagerhaus nahm seine Rolle im Hafengeschehen wieder auf.
Mit dem Wandel der Logistik und dem Umzug des Hafens weiter nach Norden verlor das Pakuis im 20. Jahrhundert an Bedeutung und stand schließlich lange leer. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts entschied sich die Stadt für eine umfassende Restaurierung.

Der größte Teil des Gebäudes beherbergt heute das Stadtarchiv von Antwerpen. Wo einst Kaffee und Tabak lagerten, wird nun auf 36 Kilometern Regalen das schriftliche und digitale Gedächtnis der Stadt aufbewahrt. Die dicken, stabilen Mauern des alten Lagerhauses bieten die perfekten klimatischen Bedingungen für die Erhaltung der wertvollen historischen Dokumente. Im zweite Flügel befinden sich heute Restaurants und Veranstaltungsräume.
Das Drachentor zu Antwerpen: Ein Stück Shanghai an der Schelde
Vom Hauptbahnhof Antwerpens ist es nicht weit bis nach Shanghai – naja oder lieber Little China.
Als wir durch die Van Wesenbekestraat schlendern fühlen wir uns in eine andere Welt versetzt. Farben, Gerüche und Schriftzeichen aus einer fernöstlicher Kultur. Und schließlich ein Bauwerk, das wie ein Wächter am Eingang des Viertels thront: das chinesische Tor.

Die Entstehung des Tores ist eng mit der Städtepartnerschaft zwischen Antwerpen und der chinesischen Hafenmetropole Shanghai verknüpft, die seit 1984 besteht. Um diese Verbindung zu ehren und der wachsenden und gut integrierten chinesischen Gemeinschaft in Antwerpen ein sichtbares Denkmal zu setzen, wurde die Idee eines traditionellen Tores geboren. Nach jahrelanger Planung und Vorbereitung wurde das Tor schließlich im Jahr 2010 feierlich eingeweiht.
Was das Antwerpener Paifang so besonders macht, ist seine absolute Authentizität. Es wurde nicht einfach im chinesischen Stil nachgebaut, sondern in China nach allen Regeln der traditionellen Handwerkskunst gefertigt. Die Materialien wurden sorgfältig ausgewählt und von Spezialisten in Shanghai bearbeitet, bevor die Einzelteile nach Belgien verschifft und vor Ort von chinesischen Handwerkern zusammengesetzt wurden.

Es besteht aus edlem Tropenholz und ist mit speziell gebrannten und glasierten Dachziegeln in imperialem Gelb und Grün gedeckt – Farben, die im alten China dem Kaiser und hohen Würdenträgern vorbehalten waren. Mächtige, kunstvoll geschnitzte Drachenfiguren zieren die Dächer. Sie sind das wohl bekannteste chinesische Symbol und stehen für Glück, Stärke und kaiserliche Macht. Die Inschriften auf dem Tor wurde von einem berühmten chinesischen Meister ausgeführt und preist die Harmonie und Freundschaft.
Het Steen – Sehenswertes Bauwerk an der Schelde
Am Ufer der Schelde thront eine Burg, die so alt ist wie Antwerpen selbst: Het Steen.

Wir stehen vor den Mauern von Het Steen und blicken auf eine über 800-jährige Geschichte zurück. Die Ursprünge reichen bis ins frühe Mittelalter, als hier um 1200 eine steinerne Burg als Teil der städtischen Wehranlage errichtet wurde. Sie sollte die strategisch wichtige Schelde kontrollieren und die Stadt vor feindlichen Angriffen, insbesondere von den gefürchteten Wikingern, schützen. Der Name „Het Steen“ (Der Stein) bezieht sich auf die Bauweise. Es war eines der ersten Gebäude aus Stein in der Region.
Die ursprüngliche Festung war eine klassische mittelalterliche Wehranlage mit dicken, robusten Mauern. Im Laufe der Jahrhunderte wurde Het Steen jedoch unzählige Male umgebaut und erweitert.

Die größte und prägendste Veränderung erfuhr die Burg unter Kaiser Karl V. im 16. Jahrhundert. Er ließ die Anlage im Stil der Gotik umbauen und fügte den Torflügel mit dem Wappen des Kaisers hinzu. Dieser radikale Umbau verwandelte die einst funktionale Festung in einen repräsentativeren Stadtpalast.
Im 19. Jahrhundert, nach dem Abriss großer Teile der Anlage zur Begradigung der Scheldekais, entging der Kernbau nur knapp der Zerstörung. Man besann sich auf sein historisches Erbe und richtete hier zunächst ein Museum für Altertümer und später das Nationale Schifffahrtsmuseum ein.

Nach einer umfassenden Restaurierung und der Ergänzung durch einen modernen Anbau, der sich wie ein Schiffsbug in Richtung Schelde streckt, eröffnete die Burg 2021 als offizielles Besucherzentrum der Stadt Antwerpen. Neben der Touristeninformation beherbergt sie „The Antwerp Story“, eine interaktive Ausstellung, die Besucher auf eine Reise durch die Geschichte und die Stadtteile Antwerpens mitnimmt. Die kostenlose Dachterrasse bietet einen Panoramablick über die Schelde und die Skyline der Stadt.

Der Antwerpener Beginenhof: Eine Oase der Stille im Herzen der Stadt
Was für ein wundervoller Ort der Ruhe und in die kleinen Häuser würde ich sofort einziehen. Der Beginenhof in Antwerpen ist mein Geheimtipp!
Versteckt hinter alten Mauern, nur wenige Schritte vom lebhaften Treiben der Universität entfernt, liegt der Antwerpener Beginenhof. Dieses historische Ensemble aus kleinen Häusern, grünen Gärten und Kopfsteinpflastergassen ist UNESCO-Weltkulturerbe und eines einzigartigen Kapitel europäischer Frauengeschichte.

Wer durch das unscheinbare Tor an der Rodestraat tritt, lässt den Lärm der modernen Großstadt augenblicklich hinter sich. Man betritt einen Ort der Ruhe, der seine Besucher in eine längst vergangene Zeit entführt.
Die Geschichte des Antwerpener Beginenhofs beginnt im 13. Jahrhundert, einer Zeit des religiösen und sozialen Wandels. Gegründet wurde er um den Beginen ein Zuhause zu geben. Beginen waren fromme, zumeist unverheiratete Frauen oder Witwen aus dem Bürgertum. Sie wollten ein gottgefälliges Leben in einer Gemeinschaft führen aber nicht ein ewiges Klostergelübde ablegen. Sie unterwarfen sich keiner festen Ordensregel, lebten zölibatär, widmeten sich dem Gebet, der karitativen Arbeit und dem Handwerk. Der Hof bot ihnen Schutz, spirituellen Halt und wirtschaftliche Unabhängigkeit – ein für die damalige Zeit revolutionäres Lebensmodell.

Der Beginenhof ist als “Stadt in der Stadt” konzipiert, vollständig umschlossen von Mauern und nur durch zwei Tore zugänglich. Dies schuf eine geschützte, private Sphäre für die Bewohnerinnen.
Die ursprünglichen mittelalterlichen Holzbauten hat ein verheerender Brand im Jahr 1542 vernichtet. Die wiederaufgebauten Häuser bestehen aus Backstein und hellem Sandstein, mit charakteristischen Treppengiebeln und kleinen, gepflegten Vorgärten. Die schlichte Eleganz der Wohnhäuser spiegelt das bescheidene, aber selbstbestimmte Leben der Beginen wider.

Im Zentrum der Anlage steht die Kirche St. Katharina. Sie ist nach dem Brand im spätgotischen Stil wiedererrichtet worden. Umgeben ist sie von einem Innenhof und einem Obstgarten.
Über Jahrhunderte war der Hof das Zentrum der Beginenbewegung in Antwerpen. Die Frauen lebten hier, arbeiteten, pflegten die Kranken und prägten das soziale Gefüge der Stadt mit. Das Ende dieser Ära kam mit der Französischen Revolution, als die Gemeinschaft enteignet wurde. Obwohl einige Beginen blieben, erlosch die Gemeinschaft langsam. Die letzte Antwerpener Begine, Virginia Laeremans, verstarb im Jahr 1986.

Heute befindet sich der Beginenhof im Besitz eines öffentlichen Sozialzentrums. Die historischen Häuser wurden restauriert und werden nun an Privatpersonen vermietet. So ist der Antwerpener Beginenhof kein Freilichtmuseum, sondern ein Wohnviertel. Wer hier tagsüber das Gelände besucht wird gebeten Rücksicht zu nehmen und die Ruhe des Ortes zu bewahren.
Stadsfeestzaal Antwerpen
Wir hatten Bilder gesehen, die uns in den Stadsfeestzaal in Antwerpen lockten. Was uns dort erwartete hat jedoch unsere Vorstellung weit übertroffen.
Mitten auf der Meir verbirgt sich hinter einer eleganten Fassade der Stadsfeestzaal. Die Geschichte des Stadsfeestzaals beginnt im frühen 20. Jahrhundert. Die Stadt Antwerpen wünschte sich einen repräsentativen Ort für offizielle Empfänge, große Bälle und Ausstellungen. Der städtische Architekt entwarf daraufhin einen opulenten Festsaal, der 1908 eröffnet wurde.

Die Bauweise im neoklassizistischen Stil sollte vor allem beeindrucken. Im Inneren dominierte ein gewaltiger, lichtdurchfluteter Saal, überspannt von einer beeindruckenden Glaskuppel auf einer filigranen Stahlkonstruktion. Die Wände waren mit Stuck, Marmor und Blattgold verziert, breite Treppenaufgänge führten zu den Emporen und kunstvolle Mosaikböden rundeten das luxuriöse Ambiente ab.
Das Gebäude war Schauplatz unzähliger Veranstaltungen, von Kunstausstellungen über Messen bis hin zu den legendären Antwerpener Antiquitätenmärkten. Doch am 27. Dezember 2000 kam es zu einem verheerender Brand, der den historischen Saal in Schutt und Asche legte. Das Feuer zerstörte die prachtvolle Kuppel, der Marmor zersprang in der Hitze, das Blattgold schmolz und vom einstigen Glanz blieben nur geschwärzte, rußbedeckte Mauern übrig.

In einem ambitionierten Projekt wurde der Stadsfeestzaal nach Originalplänen wieder aufgebaut. Die monumentale Glaskuppel wurde neu errichtet, die Treppenaufgänge in ihrem ursprünglichen Glanz wiederhergestellt und das Blattgold und die Mosaike kunstfertig erneuert.
Heute befindet sich hier ein Einkaufszentrum. Für mich etwas schade, macht es doch den pompösen Charakter etwas kaputt. Trotzdem lohnt es sich die Treppen hinauf zu steigen und die Architektur in aller Ruhe zu bewundern.
Grote Markt Antwerpen: Das goldene Herz der Stadt
Über eine der kleinen Straßen der Altstadt gelangen wir zum Herzen der Stadt, zum Grote Markt. Der Blick über das weite Kopfsteinpflaster des Grote Markt ist wie eine Reise in Antwerpens Goldenes Zeitalter im 16. Jahrhundert. Dieser prächtige Platz, umgeben von goldverzierten Zunfthäusern und überragt von einem der schönsten Renaissance-Rathäuser Europas.

Ich weiß kaum, wohin ich zuerst schauen soll. Die Nordseite des Platzes wird von einer Reihe von Zunfthäusern dominiert. Jedes Haus scheint das andere in seiner Pracht übertreffen zu wollen. Die schmalen, hoch aufragenden Fassaden sind mit kunstvollen Schnitzereien, Ornamenten und Blattgold verziert. Diese Gildehäuser waren die Statussymbole der mächtigen Handwerkszünfte. Welches Haus zu welcher Gilde gehörte, kann man am Giebel erkennen. Dort stehen allegorischen Statuen, die den Fleiß und den Reichtum ihres Gewerbes preisen.

Das Stadhuis (Rathaus) ist ein weiterer Blickfang am Grote Markt. Dieses Gebäude entstand zwischen 1561 und 1565 im Stil der Renaissance-Architektur mit deutlichen flämischen und italienischen Einflüssen. Die elegante Fassade ist mit Statuen und den Wappen der Antwerpener Burggrafen, der spanischen Habsburger und der Markgrafschaft Antwerpen geschmückt.
In der Mitte des Platzes steht der Brabobrunnen. Die bronzene Statue aus dem Jahr 1887 stellt einen Gründungsmythos dar. Sie zeigt den römischen Helden Silvius Brabo in dem Moment, als er die abgehackte Hand des Riesen Druon Antigoon in die Schelde wirft. Der Legende nach tyrannisierte der Riese die Schiffer, indem er einen hohen Zoll verlangte. Wer nicht zahlen konnte, dem hackte er eine Hand ab. Brabo besiegte den Riesen, tat Gleiches mit Gleichem und befreite die Stadt von der Plage. Aus diesem “Hand werpen” soll der Name “Antwerpen” entstanden sein – eine Geschichte, die jeder Antwerpener mit Stolz erzählt.

Nello und Patrasche
Vor der Liebfrauenkathedrale fällt uns eine außergewöhnliche Skulptur auf. Ein Junge und ein Hund, die eng umschlungen unter einer Decke aus Kopfsteinpflaster schlafen.
Was hat es mit dieser Skulptur auf sich?
Die Geschichte von Nello und Patrasche entstammt dem Roman “Ein Hund aus Flandern” der englischen Autorin Ouida aus dem Jahr 1872. Sie erzählt vom Leben des armen Waisenjungen Nello, der mit seinem Großvater in einem kleinen Dorf am Rande von Antwerpen lebt. Eines Tages rettet er Patrasche, einen geschundenen Karrenhund, vor dem Tod. Von da an sind die beiden unzertrennlich und ziehen sie jeden Tag den Milchkarren in die Stadt.
Nello hegt einen großen Traum: Er möchte Maler werden wie der Antwerpener Meister Peter Paul Rubens. Seine größte Sehnsucht ist es, die berühmten Rubens-Gemälde “Die Kreuzaufrichtung” und “Die Kreuzabnahme” in der Kathedrale zu sehen, doch dafür fehlt ihm das Geld.

Nach einer Reihe von Schicksalsschlägen irren Nello und Patrasche mittellos und allein durch die eisige Kälte. In der Weihnachtsnacht finden sie zufällig eine offene Tür zur Liebfrauenkathedrale. Im Mondlicht, das durch die Fenster fällt, erblickt Nello endlich die von ihm so bewunderten Meisterwerke. Am nächsten Morgen werden der Junge und sein Hund erfroren vor dem Altar gefunden, eng aneinander gekuschelt.
Das Besondere an dieser Geschichte ist, dass sie in Belgien und Antwerpen selbst über ein Jahrhundert lang kaum bekannt war. Weltruhm erlangte sie jedoch in anderen Teilen der Welt, allen voran in Japan. Eine japanische Übersetzung und insbesondere eine Anime-Serie aus dem Jahr 1975 machten die Erzählung zu einem festen Bestandteil der japanischen Kultur. Ab den 1980er Jahren kamen immer mehr japanische Touristen nach Antwerpen, um die Schauplätze der tragischen Geschichte zu besuchen. Sie waren oft enttäuscht, dass ihre geliebten Helden in deren Heimatstadt gänzlich unbekannt waren.
Seit 2016 kann man nun die Skulptur aus weißem Marmor des Künstlers Batist Vermeulen sehen. Sie zeigt die beiden Hauptfiguren in ihrem letzten, friedlichen Schlaf, zugedeckt von der Stadt, die ihnen kein warmes Zuhause geben konnte.
Antwerpener Plantentuin: Grüne Oase mitten in der Stadt
Inmitten des geschäftigen Treibens von Antwerpens Modemeile und dem Theaterviertel verbirgt sich die grüne Oase von Antwerpen: der Botanische Garten.
Eher zufällig sind wir durch das schmiedeeiserne Tor an der Leopoldstraat in den Garten gelangt. Erstaunlich, wie ruhig plötzlich die Stadt um uns herum wurde und wir sogar den ein oder anderen Vogel gehört haben.

Die Geschichte des Botanischen Gartens hängt mit dem benachbarten St. Elisabeth-Hospital zusammen. Angelegt wurde der Garten im Jahr 1825 auf Initiative des angesehenen Arztes und Botanikers Claude-Louis Sommé. Sein ursprünglicher Zweck war rein praktisch: Er diente als Kräuter- und Pflanzengarten zur Versorgung des Hospitals.
Hier wurden Heilpflanzen, Kräuter und Gewächse angebaut, aus denen die Apotheker des Krankenhauses Arzneien, Salben und Tinkturen für die Behandlung der Patienten herstellten. Jeder Pflanze war ein bestimmter Zweck zugedacht, und der Garten war ein lebendiges Lehrbuch der Pharmazie und Botanik für die Ärzte und Studenten der damaligen chirurgischen Schule.

Mit dem Fortschritt der modernen Medizin verlor der Garten im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts seine ursprüngliche Funktion als reine Apotheke des Krankenhauses. Die Stadt Antwerpen übernahm 1926 die Verwaltung. Es entwickelte sich eine grüne Oase für alle Antwerpener. Mit seinen verschlungenen Wegen, den lauschigen Bänken unter alten Bäumen und dem beruhigenden Plätschern des Teichs ist der Garten ein perfekter Ort, um die Natur zu genießen. Noch immer beherbergt der Garten eine beeindruckende Sammlung von rund 2.000 Pflanzenarten aus aller Welt. Besondere Schilder weisen auf außergewöhnliche oder vom Aussterben bedrohte Gewächse hin. Die historischen Gewächshäuser, darunter das denkmalgeschützte „Königliche Gewächshaus“, beherbergen exotische und kälteempfindliche Pflanzen.

Zoo Antwerpen
Direkt neben dem prunkvollen Hauptbahnhof von Antwerpen liegt der Antwerpener Zoo. Als einer der ältesten und schönsten Stadtzoos der Welt.

Gegründet wurde er 1843 von der Königlichen Gesellschaft für Zoologie Antwerpen (KMDA). Das ursprüngliche Ziel war vor allem die Förderung der zoologischen und botanischen Wissenschaften. Der Zoo diente als Studienort für Wissenschaftler und Künstler und sollte die Vielfalt der Natur für ein gebildetes Publikum erfahrbar machen.

War der Zoo in seinen Anfangstagen ein eher exklusiver Club für Mitglieder der Zoologischen Gesellschaft, entwickelte er sich schnell zu einem Magneten für die gesamte Bevölkerung. Ein Spaziergang durch den Zoo ist eine Reise durch die Architekturgeschichte. Viele der ursprünglichen Gebäude aus dem 19. Jahrhundert sind denkmalgeschützt. Der ägyptische Tempel (1856) für die Elefanten, das Antilopengebäude (1861) im orientalischen Stil oder der majestätische Wintergarten zeigen, wie die Zoos einst als romantische Gärten und Paläste für Tiere konzipiert wurden. In Gehegen leben Tausende Tiere. Der Zoo ist berühmt für seine erfolgreichen Zuchtprogramme, insbesondere bei bedrohten Arten wie dem Okapi, dem Kongopfau oder dem Brillenpinguin.

Die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern fließen direkt in Forschungsprojekte und Schutzmaßnahmen vor Ort in bedrohten Lebensräumen weltweit.
Stadspark Antwerpen
Nicht weit vom Hauptbahnhof entfernt lockte uns der Stadspark zum Spaziergang im Grünen. Was wir allerdings nicht wussten, es war ein Spaziergang auf historischem Gelände. Wer heute über die weiten Rasenflächen schlendert, unter dem Schatten alter Bäume entspannt oder die Enten auf dem Teich beobachtet, kann sich kaum vorstellen, dass hier einst massive Festungsmauern in den Himmel ragten.
Die Geschichte des Stadsparks ist mit der großen städtischen Entwicklung Antwerpens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verbunden. Nachdem die alten spanischen Festungsmauern ihre militärische Bedeutung verloren hatten, wurden sie geschleift. Es entstand eine riesige freie Fläche.

1869 wurde ein Landschaftsarchitekt mit der Gestaltung des Geländes beauftragt. Die charakteristische dreieckige Form des Parks ist kein Zufall; sie entspricht exakt der Form der ehemaligen “Lunette Herentals”, einer vorgelagerten Verteidigungsbastion der alten Festung. Die sanften Hügel und der tief liegende Teich sind ebenfalls Überbleibsel der alten Wälle und Gräben, die der Architekt in eine malerische Landschaft integrierte.
Seit seiner Eröffnung ist der Stadspark ein Park für alle Antwerpener. Hier treffen sich Freunde, Familien und ältere Bewohner genießen die Ruhe auf einer der vielen Bänke. Für die jüngsten Besucher gibt es einen Spielplatz, der immer voller Leben ist. Neben den Joggern, die ihre Runden drehen, findet man im Park auch einen Skatepark, der bei der Jugend sehr beliebt ist.
Ein Spaziergang entlang der gewundenen Pfade führt vorbei an einer beeindruckenden Sammlung heimischer und exotischer Bäume. Das Herzstück bildet der große Teich, der von einer monumentalen Hängebrücke überspannt wird und Lebensraum für zahlreiche Wasservögel bietet.
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