Klamme Finger, ein grauer Himmel und eigentlich nur der Wunsch nach einem warmen Raum. Mein Ausflug zum Kloster Weltenburg startete mit gedämpften Erwartungen und dem Wunsch nach einem heißen Kaffee.
Wer bei diesem Wetter im Innenhof steht, ahnt nicht, was sich hinter den dicken Mauern verbirgt. Denn während draußen trübes bayerisches Grau herrschte, wartete drinnen ein Rausch aus italienischem Gold. Das Kloster ist ein Meister der Täuschung.
Der erste Eindruck: Grau in Grau am Donauufer
Ehrlich gesagt: Mir war kalt. Der Wind pfiff durch den Innenhof des Klosters, und der Himmel über der Donau hing grau und neblig über uns. Mein erster Gedanke im Innenhof? Hübsch, ja, dieses typische Barock-Gelb, aber ich sehnte mich eigentlich nur nach einem warmen Raum.

Die Asam-Kirche: Ein Theaterstück aus Stein und Licht
Ich drückte die schwere Holztür der Kirche auf und war im ersten Moment fast irritiert. Kein sofortiger Goldrausch, keine Farbenpracht. Der Vorraum empfing mich schummrig und dunkel, fast ein wenig bedrückend. War das schon alles? Aber dann machte ich ein paar Schritte weiter, trat durch den inneren Bogen – und erst jetzt passierte es.

Der Wow-Effekt
Der Übergang vom dunklen Eingang in das Kirchenschiff traf mich unvorbereitet. Es war, als hätte jemand genau in diesem Moment die Sonne angeknipst. Eben noch im Schatten, stand ich plötzlich in einem Raum aus Farben und Licht.
Die Brüder Asam wussten offensichtlich genau, was sie taten: Sie nutzen die Dunkelheit am Eingang, damit das Gold im Inneren umso heller strahlt. Ein Trick, der auch heute perfekt funktioniert hat.
Lichtregie vom Feinsten: Der Drachentöter
Mein Blick richtete sich sofort auf den Hochaltar. Wunderschön!
Der heilige Georg zu Pferd wirkt so plastisch, so voller Bewegung, dass man instinktiv einen Schritt zur Seite machen will um ihn vorbei zu lassen. Er ist nicht auf eine Leinwand oder Holz gemalt, sondern eine lebensgroße Figur. Der Heilige trägt eine Rüstung, die geheimnisvoll schimmert. Das Verrückteste aber ist das Licht. Er strahlte fast übernatürliches in einem silbernen Licht. Was für ein genialer Trick der Asam-Brüder. Ein verstecktes Fenster hinter dem Altar lenkt das Tageslicht so, als käme die Helligkeit direkt aus dem Himmel.

Der Blick nach oben: Eine perfekte Täuschung
Als nächstes tat ich das, was ich in Kirchen immer tue: Ich schaute nach oben. Und da passierte der nächste “Mind-Twist”.
Über mir wölbte sich eine riesige, hohe Kuppel, die direkt in den Himmel zu führen schien. Wolken, Licht, Figuren – es wirkte unendlich weit weg. Aber die Kirche hatte von außen betrachtet doch keine Kuppel. Die Asam-Brüder haben auch hier eine perfektesten optischen Täuschungen entstehen lassen. Die Decke ist eigentlich relativ flach, aber Cosmas Damian Asam hat sie so bemalt, dass sie wie eine gewaltige Wölbung aussieht.

Guckt man sich das Gemälde genauer an, entdeckt man unzählige Figuren. Ganz oben thront die Heilige Dreifaltigkeit, umringt von Maria, die gekrönt wird. Die Apostel und Heiligen hängen förmlich über dem Geländer der gemalten Balkone und schauen auf uns herab.
Fun Fact: Wenn du genau hinsiehst, entdeckst du einen Mann, der sich über die gemalte Balkonbrüstung lehnt und dich direkt anschaut. Das soll Cosmas Damian Asam selbst sein, der sich hier verewigt hat.
Die älteste Klosterbrauerei der Welt
Im Kloster Weltenburg wird seit 1050 Bier gebraut. Im Sommer kann man hier unter den Bäumen im Biergarten sitzen und ein kühles Bier genießen. Im Winter ist das leider nicht möglich und der Ausschank war morgens auch noch geschlossen. Wir konnten aber im Klostershop einige Flaschen Bier mitnehmen.

Der Klassiker: Barock Dunkel
Das Bier, wegen dem alle hier sind. Es ist fast schwarz, schmeckt aber überraschend weich und gar nicht bitter.
Der Asam Bock
Ein dunkler Doppelbock mit fast 7 % Alkohol.
Anno 1050
Ein Märzenbier, benannt nach dem Gründungsjahr der Brauerei. Wer es lieber goldgelb und würzig mag statt dunkel, sollte dieses Bier wählen.
Naturwunder vor der Tür: Der Donaudurchbruch
Wir hatten noch etwas Zeit, bevor unser Bus zum nächsten Besichtigungspunkt fahren sollte und so ging es für uns einige Meter an der Donau entlang. Wir hofften darauf, trotz des nebligen Wetters einen Blick auf den Donaudurchbruch werfen zu können.
Man steht hier an der tiefsten und engsten Stelle der bayerischen Donau. Normalerweise ist der Fluss hunderte Meter breit, aber hier muss er sich durch ein Nadelöhr von gerade mal 110 Metern quetschen. Das Wasser ist hier bis zu 20 Meter tief und voller Strudel.

Was ist der Donaudurchbruch eigentlich?
Vor 150 Millionen Jahren war das alles hier ein tropisches Meer. Die weißen Felsen, die wir heute sehen, sind die Ablagerungen aus diesem Ozean. Ursprünglich floss die Donau gar nicht hier lang. Sie nahm eine Route weiter nördlich (durch das heutige Altmühltal). Kleine Nebenflüsse begannen, den Kalkstein hier anzunagen und auszuhöhlen. Irgendwann, vor rund 80.000 Jahren, entschied sich die Donau, ihr altes Bett zu verlassen und diesen neuen, kürzeren Weg zu nehmen. Sie brach durch die Felsbarriere durch.

Mein Tipp: Vom Ufer sieht man die Felsen gut, aber das echte Erlebnis ist eine Fahrt mit dem Ausflugsschiff von Kelheim aus. Dann gleitet man direkt zwischen den hochaufragenden Felswänden hindurch.
Lohnt sich Kloster Weltenburg?
Absolut. Selbst an einem grauen, kalten Wintertag hat dieser Ort eine ganz eigene Magie. Draußen die raue, wilde Natur des Donaudurchbruchs, drinnen der warme, goldene Prunk des Barock und dazu eines der besten Biere der Welt.

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Besucherinformationen
Adresse
Asamstraße 32,
93309 Kelheim
Anfahrtsmöglichkeiten
Da das Kloster direkt im Naturschutzgebiet “Weltenburger Enge” liegt, ist die direkte Zufahrt beschränkt.
Mit dem Schiff:
Startet in Kelheim (Schiffsanlegestelle Donau). Die Fahrt durch den Donaudurchbruch dauert ca. 40 Minuten stromaufwärts.
Mit dem Auto:
Von Regensburg:
Über die A93 (Regensburg – Holledau) – Ausfahrt 49 Abensberg – Weiter Richtung Kelheim/Weltenburg. Folge ab hier den braunen touristischen Hinweisschildern “Kloster Weltenburg”.
Von München:
Über die A9 (München – Nürnberg) bis Dreieck Holledau, dann auf die A93 Richtung Regensburg – Ausfahrt 50 Siegenburg oder 49 Abensberg – Von dort über die B299/B16 Richtung Weltenburg/Kelheim.
Von Ingolstadt:
Über die B16 (Richtung Regensburg) – Bis zur Ausfahrt Richtung Weltenburg/Abensberg. Von dort führt die Straße durch den Ort Weltenburg direkt zum Besucherparkplatz.
Zu Fuß:
Von Kelheim über den “Weltenburger Höhenweg” (ca. 5 km, teilweise steil, festes Schuhwerk nötig) oder entlang der Donau (flacher, aber länger).
Parken
Es gibt einen Großparkplatz in Weltenburg (gebührenpflichtig). Von dort sind es ca. 10–15 Minuten Fußweg zum Kloster (flach, kinderwagengeeignet).
Öffnungszeiten
Klosterkirche St. Georg:
Täglich: 9 -19:00 Uhr (im Winter bis Einbruch der Dunkelheit).
Hinweis: Während der Gottesdienste sind Besichtigungen nicht möglich.
Klosterschenke (Biergarten & Restaurant):
Hauptsaison (ca. Mitte März bis November)
Täglich: 10 – 19 Uhr
Besucherzentrum (Felsenkeller):
Täglich 10 – 17 Uhr (saisonabhängig)
Eintrittspreise
Klosterhof & Kirche:
Der Eintritt ist frei.
Besucherzentrum:
Kleiner Unkostenbeitrag.
Brauereiführung:
Nur mit Voranmeldung/Ticket (Preise variieren je nach Paket inkl. Verkostung).
Barrierefreiheit
Der Innenhof ist kiesbedeckt, aber meist fest genug für Rollstühle.
Es gibt Rampen bzw. ebenerdige Zugänge zur Klosterschenke und zur Kirche.
Behindertengerechte Toiletten sind vorhanden.
FAQ – Häufig gestellte Fragen
Darf man in der Donau an dem Kloster Weltenburg baden?
Offiziell ist das Baden in der Donau hier nicht verboten, aber Vorsicht ist geboten! Die Strömung im Donaudurchbruch ist tückisch und stark. Viele Besucher kühlen sich am Kiesstrand die Füße ab oder planschen im flachen Uferbereich. Schwimmen in der Flussmitte ist lebensgefährlich und wird dringend abgeraten.
Wie komme ich am schnellsten auf die andere Flussseite?
Wer nicht das große Schiff nehmen will, kann die traditionellen Zillen (kleine Holzkähne) nutzen. Sie setzen direkt am Kloster über und bringen Wanderer oder Spaziergänger für wenig Geld ans andere Ufer.
Darf ich meinen Hund mitbringen?
Innenhof & Biergarten: Ja, Hunde sind an der Leine willkommen.
Kirche: Nein, Hunde müssen draußen bleiben.
Welches ist das beste Bier, das man probieren muss?
Das Aushängeschild ist das “Weltenburger Barock Dunkel”. Es hat den World Beer Cup schon mehrfach gewonnen. Wer es lieber alkoholfrei mag: Die Brauerei stellt auch sehr gute Limonaden und alkoholfreies Weißbier her.
Wann ist die beste Zeit für Fotos?
Am späten Nachmittag, wenn die Sonne die Felswände des Donaudurchbruchs anstrahlt. Wer die Kirche menschenleer fotografieren möchte, sollte direkt morgens um 9:00 Uhr oder kurz vor Schließung kommen.
Gibt es eine Kleiderordnung?
Für den Biergarten nicht (leger/Wanderkleidung ist normal). Für die Kirche gilt wie überall: Aus Respekt sollten Schultern bedeckt sein und keine Badebekleidung getragen werden.
Der Besuch im Kloster fand im Rahmen einer Pressereise mit nicko cruises statt.
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