Bad Ems kennt man vor allem als historischen Kurort mit seinen schicken alten Gebäuden direkt am Wasser. Was auf den ersten Blick vielleicht etwas untergeht: Man kann hier auch richtig gut in die Natur abtauchen. Die bewaldeten Hänge links und rechts der Lahn sind nämlich durchzogen von schönen, teils recht knackigen Pfaden. Wir haben uns die Gegend genauer angesehen und festgestellt, dass Wandern in Bad Ems wirklich eine Reise wert ist.
In diesem Beitrag nehmen wir euch mit auf drei Touren, die wir selbst ausprobiert haben. Es geht steil bergauf auf den Spuren alter Reiseführer, zu tollen Aussichtstürmen und sogar vorbei an einem spannenden “Lost Place” im Wald.
1. Baedekers Felsenweg
Als ich “Baedekers Felsenweg” auf dem Hinweisschild für diese Wanderung lese, kommt mir sofort ein Name in den Sinn: Karl Baedeker. Ist dieser Weg nach dem weltberühmten Verleger und Erfinder der modernen Reiseführer mit den markanten roten Einbänden benannt? Nach kurzer Recherche bin ich schlauer. Baedeker bereiste die Region um Bad Ems intensiv. Er war von der Landschaft so angetan, dass er diesen wildromantischen Felsenpfad bereits 1846 in seinen Schriften als die absolut beste Möglichkeit pries, die Umgebung des Kaiserbades Bad Ems zu entdecken. Na, wenn er das sagt, muss man das auch mal überprüfen.
Der Einstieg in die Wanderung
Wir wählten den klassischen und auch etwas ungewöhnlichen Einstieg im Bereich der Grabenstraße. Auf den ersten Blick etwas verwirrend: Der Wegweiser führt uns zu dem Eingang des Parkhauses am Kurpark. Der Grund dafür: Das Parkhaus dient als geniale “Abkürzung”, um den ersten steilen Höhenunterschied zwischen der Stadt im Lahntal und dem Hangwald schnell und bequem zu überwinden.

Also nicht wundern:
- Rein in die Garage: Man läuft von der Straße ganz regulär in das Parkhaus hinein.
- Ab ins 5. Stockwerk: Nun nutzt man einfach das Treppenhaus, um fünf Etagen nach oben zu gelangen. Auf dem oberen Parkdeck (Ebene 5) gibt es hinten eine kleine Fußgängerbrücke. Diese führt direkt aus dem Parkhaus hinaus an den steilen Hang.

Sobald man diese Brücke überquert hat, steht man mitten in der Natur und der asphaltierte Teil des Aufstiegs ist passé. Ab hier beginnt dann der eigentliche, felsige Baedeker-Höhenweg hinauf in die Bäderlei.
Die Tour bietet keine lange Aufwärmphase. Der Weg macht seinem Namen sofort alle Ehre. Der Untergrund wechselt zwischen schmalen, teils schotterigen Abschnitten und felsigen Bereichen und schraubt sich steil in die Höhe. Festes Schuhwerk (am besten Wanderschuhe mit gutem Profil) ist ab dem ersten Meter absolute Pflicht. Bei Nässe kann der Kalkstein rutschig sein.

Highlights am Wegesrand
Es dauerte nicht lange und wir erreichten das erste Highlight an der Strecke.
Heinzelmannshöhlen
Erstaunt bleiben wir vor einem faszinierenden geomorphologischen Naturphänomen stehen. Bei den Höhlen handelt es sich um sogenannte Karströhren. Sie entstanden vor langer Zeit durch chemische Kalkauswaschungen im Gestein. Da solche Auswaschungen nur stattfinden können, wenn das Gestein von Grundwasser umschlossen ist, müssen diese Höhlen zu einer Zeit entstanden sein, als die Lahn und damit auch der Grundwasserspiegel noch deutlich höher lagen als das heutige Niveau der Heinzelmannshöhlen.

Die runden Auswaschungen im weichen Gestein sehen aus wie die Eingänge zu winzigen Wohnungen und regten die Menschen schon früh zu Sagen über kleine Felsenbewohner an.
Der bekanntesten Sage nach hausten tief im Berg die Heinzelmännchen in prächtigen Kammern aus Silber, Gold und Edelsteinen. In lauen Sommernächten kamen die kleinen Zwerge aus ihren Stollen und halfen den Bewohnern von Bad Ems bei der Arbeit. Die Emser schätzten diese Hilfe und gaben den Heinzelmännchen als Dank Speisen und Kleidung. Aus reiner Freude über diese Dankbarkeit ließen die Zwerge am Fuße des Berges die berühmten Heilquellen sprudeln und zeigten den Bergleuten, wo sie am besten nach Blei und Silber graben konnten. Eines Tages kletterte eine neugierige Frau heimlich hinauf, weil sie die Männlein unbedingt sehen wollte. Als sie die Zwerge tagsüber im dichten Farnkraut spielen sah, musste sie wegen ihres drolligen Aussehens laut loslachen. Die Heinzelmännchen erschraken, verschwanden sofort im Berg und wurden nie wieder gesehen.

Die Legende besagt jedoch: Wer heute ganz leise ist, kann sie tief im Berg immer noch pochen und hämmern hören, während sie fleißig weiter dafür sorgen, dass das Heilwasser fließt.
Leica-Fotopunkt
Dieser Aussichtspunkt auf dem Plateau eines ehemaligen Kriegerdenkmals ist ein echtes Highlight für Fotografie-Fans. Der Fotopunkt ist Oskar Barnack gewidmet, dem Erfinder der allerersten Leica-Kleinbildkamera (der sogenannten “Lilliput”).

Genau von diesem Standpunkt aus, hoch über der Lahn, machte Barnack einige der weltweit allerersten Probeaufnahmen mit einem 35-mm-Film. Eines dieser historischen Bilder zeigt seinen Werksleiter August Bauer vor der Kulisse von Bad Ems.
Unser Tipp: Unbedingt Zeit einplanen. Der Blick ist traumhaft schön.

Die Mooshütte
Folgt man dem Felsenweg weiter, gelangt man zur Mooshütte. Die Faszination für diesen felsigen Bergrücken begann schon in der Zeit der Romantik. Bereits im Jahr 1816 legte man hier einen Weg für Reitesel an, mit denen Kurgäste die Anhöhe erklommen, und baute die allererste Mooshütte.

Die offene Schutzhütte bietet einen fantastischen Weitblick über das Tal. Geografisch betrachtet markiert die Lahn hier eine Grenze: Wer von der Hütte aus schaut, blickt nördlich (rechts der Lahn) in Richtung Westerwald und südlich (links) in den Taunus.

Concordiaturm
Der Concordiaturm zählt zu den beliebtesten Ausflugszielen von Bad Ems. Er steht auf der sogenannten “Bäderlei”, einer Felsformation hoch über der Stadt, und bietet eine spektakuläre Aussicht auf die Region. Nicht alle Besucher wandern hier hinauf, es gibt auch die Möglichkeit, mit dem Auto hochzufahren.

Errichtet wurde der 15,1 Meter hohe, denkmalgeschützte Bruchsteinbau im Jahr 1861 vom örtlichen Verschönerungsverein. Da seine Entstehung auf eine gemeinsame Initiative der Bürger zurückgeht, benannte man ihn nach Concordia, der römischen Göttin der Eintracht.
Wer den auf 265 Metern Höhe gelegenen Turm besucht, wird mit einer spektakulären Aussicht belohnt. Nach dem Turmaufstieg über 76 Stufen erreicht man die Plattform in 14 Metern Höhe. Von hier aus bietet sich ein fantastischer und völlig ungehinderter Blick direkt hinab auf das Kurviertel des UNESCO-Welterbeortes und den Verlauf der Lahn.

Wir haben im direkt angrenzenden Restaurant-Café “Concordiaturm” auf der schönen Panoramaterrasse eine kurze Pause eingelegt, bevor wir dem Felsenweg zurück nach Bad Ems gefolgt sind.
Mein Fazit
Der Felsenweg, so wie wir ihn gewandert sind, ist steil, aber nicht besonders lang. Die Aussicht ins Lahntal ist wunderschön. Für uns eine gute Möglichkeit, einen Eindruck vom Tal zu bekommen.

2. Tour zum Bismarckturm
Unsere zweite kurze Wanderung in Bad Ems startet direkt im historischen Zentrum der Stadt, am Kurhaus, und führt zum Bismarckturm.

Das Kurhaus ist ein repräsentatives Barockgebäude mit späteren klassizistischen und Neorenaissance-Elementen. Es liegt direkt an der Lahn. Das Kurhaus kann zu bestimmten Uhrzeiten besucht werden. Unser Tipp: Unbedingt einen Blick in den wunderschönen Marmorsaal werfen oder abends eine Veranstaltung im Kurtheater besuchen.
Auf der Karte lässt sich sehr gut nachverfolgen, welchen Weg wir als Aufstieg zum Bismarckturm gewählt haben.
Der Ernst-Vogler-Weg
Nach einem sehr steilen Anstieg erreichten wir den Ernst-Vogler-Weg. Er wurde im Jahr 1912 als malerischer Spazierweg angelegt und folgt der Route eines alten Weinbergpfades. Der heute bewaldete Hang wurde vom Mittelalter bis ins frühe 20. Jahrhundert für den Weinbau genutzt, und die alten Trockenmauern sind zum Teil im Hang noch zu erkennen.

Das Highlight dieses Weges ist die Aussichtskanzel Ernst-Vogler-Weg. Dieser Aussichtspunkt ist ein echter Logenplatz über der Stadt. Man hat einen fantastischen, direkten Blick hinab auf die Lahn und die prächtige Häuserzeile der ehemaligen Grandhotels in der Römerstraße. Auf der gegenüberliegenden Talseite schaut man auf den Hang des Malbergs mit seinen eleganten Villen, der historischen Malbergbahn, der evangelischen Kaiser-Wilhelm-Kirche und den markanten Kuppeln der Russisch-Orthodoxen Kirche.

Unser Tipp: Unbedingt eine kurze Pause zum Fotografieren einplanen.
Die Bismarckhöhe
Im Anschluss kann man dann die letzten Höhenmeter zur Bismarckhöhe zurücklegen. Die Bismarckhöhe ist ein Plateau, das sich steil über dem rechten (nördlichen) Lahnufer und dem Zentrum von Bad Ems erhebt. Von dort aus hat man den wohl berühmtesten und schönsten Panoramablick auf die Stadt Bad Ems, das historische Kurviertel am Flussufer und das gewundene Lahntal.
Hier steht auch der Bismarckturm. Der Turm wurde im Jahr 1901 eingeweiht. In dieser Zeit (Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts) wurden im ganzen Deutschen Reich Hunderte solcher Türme errichtet. Diese Türme hatten neben der reinen Ehrung von Otto von Bismarck einen ganz konkreten symbolischen und praktischen Zweck: Sie sollten als Feuersäulen (Signal- und Feuertürme) dienen.

Hinter der Idee, die Ende des 19. Jahrhunderts von der Deutschen Studentenschaft ins Leben gerufen wurde, steckte folgendes Konzept: Auf den Spitzen der Türme sollten an bestimmten nationalen Gedenktagen (wie Bismarcks Geburtstag am 1. April) riesige, weithin sichtbare Feuer entzündet werden. Die Idee war, ein flächendeckendes Netz aus Feuersäulen über ganz Deutschland zu spannen, sodass sich die Flammen von Berg zu Berg durch die Nacht grüßen konnten. Dieser Plan scheiterte jedoch an bürokratischen Hürden, uneinheitlichen Terminen oder praktischen Schwierigkeiten bei der Befeuerung. Zudem wurden viele der Türme (wie auch in Bad Ems) so konstruiert, dass sie zusätzlich als Aussichtstürme genutzt werden konnten.
Der 12 Meter hohe Turm selbst ist heute oft verschlossen und wird nur zu bestimmten Anlässen geöffnet.
Unser Tipp: Wer die Terrasse des benachbarten Restaurants besucht, hat von dort einen hervorragenden Blick auf Bad Ems und das Lahntal.
Die Kurwaldbahn
Wer nicht zu Fuß ins Tal zurückgehen möchte, kann die Kurwaldbahn nutzen. Diese Standseilbahn fährt direkt neben dem Bismarckturm ab. Die Kurwaldbahn gehört zu den steilsten Standseilbahnen der Welt (und ist eine der steilsten in ganz Deutschland). Sie überwindet auf ihrer Strecke eine maximale Steigung von unglaublichen 78 % (das entspricht einem Winkel von rund 38 Grad). Die Strecke ist mit etwa 220 Metern recht kurz, aber aufgrund der enormen Steigung überwindet sie dabei einen Höhenunterschied von gut 132 Metern. Die rasante Fahrt von oben nach unten (oder umgekehrt) dauert gerade einmal rund 70 bis 90 Sekunden.

Ein besonderes Merkmal der Bahn ist, dass sie komplett vollautomatisch funktioniert. Es gibt keinen Fahrer in den Kabinen. Wie bei klassischen Standseilbahnen üblich, hängen die beiden Kabinen an einem einzigen durchgehenden Zugseil. Während die eine Kabine ins Tal hinabfährt, zieht sie durch ihr Gewicht gleichzeitig die andere Kabine den Berg hinauf. Sie begegnen sich exakt in der Mitte der Strecke an einer Ausweichstelle.
3. Tour zum Malbergturm
Diese Wanderung beginnt auf der südlichen Seite der Lahn hinauf auf den Malberg. Unsere Tour startet an der alten Talstation der Malbergbahn.
Die Malbergbahn
Die Malbergbahn wurde 1887 eröffnet. Anders als die moderne Kurwaldbahn funktionierte sie als Wasserballastbahn. Das bedeutet: Der Wagen an der Bergstation wurde mit Wasser befüllt, bis er schwer genug war, um durch sein eigenes Gewicht ins Tal zu rollen und dabei über das Seil den anderen, leichteren Wagen nach oben zu ziehen. Unten wurde das Wasser dann wieder abgelassen. Die Bahn ist seit 1979 außer Betrieb. Die alten Gleise, die imposante Trasse durch den Wald und die historischen Bahnhöfe sind jedoch noch immer vorhanden. Sie wirken heute wie ein “Lost Place” mitten im Kurort.

Von der Talstation aus führen zwei Wanderwege auf den Malkopf. Wir wählten einen sehr gut befestigten Weg, der sich in breiten Serpentinen langsam ansteigend nach oben schlängelte.

Henriettensäule und Henriettenweg
Unser erster Anlaufpunkt auf dem Weg zum Malbergturm war die Henriettensäule. Die rund 10 Meter hohe steinerne Säule wurde nach Plänen des Baurats Faber auf einem damals noch unbewaldeten Teil des Berghangs im Jahr 1826 errichtet. Zu Ehren der nassauischen Prinzessin Henriette, der Schwester des Herzogs Wilhelm von Nassau, erhielt sie ihren Namen.

Direkt an der Säule beginnt der Henriettenweg. Weil er wunderbar schattig am Malberghang verläuft, war er bei den Kurgästen besonders an heißen Sommertagen extrem beliebt. Von hier aus boten sich reizvolle Ausblicke hinab auf das historische Kurviertel.
Dem Wanderweg folgend überqueren wir noch die Trasse der ehemaligen Malbergbahn. Noch liegen die Schienen dort, die Natur hat aber im Laufe der Jahre bereits viel zurückerobert.

Das Schweizerhaus und der Malbergturm
Nach etwa 40 Minuten erreichten wir die historische Bergstation, direkt am Schweizerhaus. Dieses war einst ein Anziehungspunkt der Kurgäste, kann jedoch seit der Stilllegung der Malbergbahn nicht mehr an seinen ehemaligen Ruhm heranreichen. Da das Gebäude über Jahrzehnte ungenutzt blieb, haben Wetter und Vandalismus dem einst beliebten Ausflugsziel schwer zugesetzt. Es ist heute dringend sanierungsbedürftig.


Ganz in der Nähe steht der Malbergturm, das eigentliche Ziel unserer Wanderung. Es handelt sich um einen recht kompakten, steinernen 8,5 Meter hohen Aussichtsturm. Der Zugang ist problemlos über eine steinerne Außentreppe möglich. Oben angekommen, wurden wir mit einer grandiosen Weitsicht belohnt. Besonders gut hat mir der Blick nach Bad Ems gefallen. Von hier sieht der Ort fast noch interessanter aus als von den Aussichtspunkten unserer anderen Wanderungen.


Nachdem wir die Aussicht genossen hatten, machten wir uns auf den Rückweg.
Unser Fazit
Das Wandern in Bad Ems lohnt sich absolut, auch wenn die ersten Anstiege aus dem Tal heraus manchmal ordentlich in die Waden gehen. Dafür wird man aber fast immer mit einem tollen Blick auf die Dächer der Stadt und die Lahn belohnt. Uns hat vor allem die Kombination aus ruhigen Waldwegen und den kleinen historischen Überbleibseln am Wegesrand richtig gut gefallen.

Der Aufenthalt in Bad Ems fand in Kooperation mit dem Lahntal Tourismus Verband e. V. und Touristik Bad Ems-Nassau e.V. statt.
Veröffentlicht: 20. September 2026
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