Den Liebhabern von Bieren, die streng nach dem Deutschen Reinheitsgebot gebraut werden, rate ich schon jetzt davon ab, weiterzulesen. Die Brauerei Le Saint-Bock Montreal zählt nämlich zu den experimentierfreudigsten Brauereien, die ich bisher kennengelernt habe. Das Bier ist hier ein Erlebnis für sich – manchmal auch im Geschmack!
Egal, ob man ein alteingesessener Bierkenner ist oder einfach nur Lust hat, an einem gemütlichen Abend etwas völlig Neues zu probieren: Le Saint-Bock nimmt jeden mit auf eine fantastische, aromatische Reise.
Die Geschichte: Ein Pub mit Herzschlag im Quartier Latin
Le Saint-Bock befindet sich im lebendigen Quartier Latin in Montreal. Im Jahr 2006 eröffnete Gründer Martin Guimond den Pub direkt auf der belebten Rue Saint-Denis. Von Tag eins an war das Ziel klar: Einen warmen, einladenden Ort zu schaffen, an dem sich Studierende, Künstler, Nachbarn und Touristen treffen, um die schier endlose Vielfalt der Bierwelt zu feiern.

Mit stolzen 44 Zapfhähnen bietet das Saint-Bock eine gewaltige Auswahl. Ein absoluter Hit sind die “Tasting Trees” (Verkostungsbäume): Statt sich für ein einziges großes Glas entscheiden zu müssen, bekommt der Gast ein Holzgestell mit fünf kleinen Probiergläsern an den Tisch gebracht.
Die Seele des Unternehmens ist der gemütliche Pub mit seinen großen Bildschirmen für Live-Sport und coolen Retro-Gaming-Stationen. Zusätzlich gibt es eine kleine Terrasse, auf der man bei schönem Wetter sitzen kann.

Wir sind bei unserem Besuch sehr freundlich bedient und vor allem sehr gut beraten worden. Der Blick auf die Karte zeigte uns so viele unbekannte Biere, dass wir anfänglich geradezu überfordert von dem Angebot waren. Zu schade, dass man nicht immer alles probieren kann, es gab so viele interessante Sorten!
Von cremig-süß bis magisch-neblig: Die Bier-Highlights
Als wir die Karte der Brauerei Le Sait-Bock aufschlagen, merken wir sofort: Hier sind echte Künstler am Werk. Die Brauerei kombiniert klassische Braukunst mit einer großen Portion Spieltrieb. Es gibt einige Highlights, die man probieren sollte.


Malédiction (Der Fluch): Ein himmlisches Dessert im Glas
Dieses preisgekrönte Milk Stout (5 % Alkohol) wird seit fast 20 Jahren hier gebraut. Es ist ein tiefdunkles, cremiges Bier, das herrlich nach Kaffee, dunkler Schokolade und geröstetem Malz duftet. Beim Trinken entfaltet sich dann ein weicher, süßer Vanille-Abgang.
Das Beste daran? Im Pub wird es traditionell mit einem fluffigen, schwimmenden Marshmallow serviert! Die leichte Bitterkeit von Kakao und Röstmalz wird durch den Milchzucker und die Vanille so perfekt ausbalanciert.
Eisbock “Faucheuse”: Das flüssige Gold
Wenn es draußen stürmt und schneit, gibt es nichts Besseres als einen Eisbock. Aber was ist ein Eisbock und wie bekommt er diesen hohen Alkoholgehalt?
Normalerweise übernehmen Hefezellen die Arbeit und wandeln Zucker in Alkohol und Kohlensäure um. Hefe ist ein lebender Organismus. Ab einem bestimmten Alkoholgehalt wird die Umgebung für die Hefe toxisch und sie stirbt ab. Es ist also biologisch nahezu unmöglich, ein Bier mit 22,5 Prozent Alkohol auf natürlichem Weg zu gären.
Hier kommt die Thermodynamik ins Spiel. Das Verfahren zur Herstellung eines Eisbocks nennt sich Gefrierdestillation. Wasser gefriert bei 0 Grad Celsius zu Eis, Alkohol hingegen hat einen extrem niedrigen Gefrierpunkt. Wenn man nun das flüssige Bier in speziellen Tanks langsam unter den Gefrierpunkt von Wasser abkühlt, beginnen sich im Bier winzige Eiskristalle zu bilden. Diese Eiskristalle bestehen fast ausschließlich aus reinem Wasser. Der Alkohol und die Aromastoffe bleiben flüssig, da es für sie noch nicht kalt genug ist, um zu gefrieren.
Die Brauer entfernen diese Eiskristalle aus dem Tank. Durch den Entzug des Wassers schrumpft die Flüssigkeitsmenge, aber die Menge an Alkohol und Geschmacksstoffen bleibt exakt gleich. Der Alkoholgehalt steigt an, die Malzsüße, die Hopfenbittere und die dunklen, pflaumenartigen Fruchtaromen verdichten sich zu einer sirupartigen, Masse.
Das Faucheuse (“Die Sensenfrau”) ist mit 22,5 % Alkohol ein echter Hammer zum langsamen Genießen. Leider, oder vielleicht auch gut so, stand dieses Bier im Sommer nicht auf der Getränkekarte. Ich glaube, es hätte uns bei dem Alkoholgehalt und den Außentemperaturen bestimmt den restlichen Tag zerstört.

Bières Nuage: Bier in den Wolken
Bei den “Wolkenbieren”, wie dem IPA Cumulus, wird das Getränk mit einem dichten, aromatischen Nebel serviert, der über dem Glasrand schwebt. Bevor man den rsten Schluck trinken kann, atmet man eine Wolke aus frischen Hopfenaromen ein. Das macht nicht nur optisch ordentlich was her! Das Bier schmeckt dadurch noch fruchtiger und intensiver!
Kunterbunte Bier-Kreationen

Wer es süß, fruchtig und ein bisschen verrückt mag, ist hier im Paradies. Ich hatte zuvor online Biere gesehen, die ich unbedingt probieren wollte und das eigentlich nur aufgrund ihrer Farbe! Zugegeben ich war natürlich auch gespannt darauf, ob sie auch schmecken oder nur spannend aussehen.
Die Brauerei Le Saint-Bock Montreal bietet einige verrückte optische Highlights an:
- Dragon de feu (Feuerdrache): Wird mit Kirsche und Drachenfrucht gebraut und kommt aus der Slush-Maschine eisgekühlt direkt ins Glas. Im Sommer richtig lecker!
- Die Neon & Circus Reihe: Diese Biere leuchten teilweise fluoreszierend oder in grellen Neonfarben (wie das “Barbe à papa – Bleue” oder “Fusée 3 Couleurs”) und spielen mit künstlich anmutenden Bonbon-Aromen wie Pfirsichringen, blauer Himbeere oder dem “grünen Frosch” (Grenouille).
Ich habe mich zunächst an das leuchtend grüne Bier gewagt, dass laut Bedienung nach dem grünen Frosch aus der Gummibärchen Tüte schmecken sollte. Ich bekam ein großes Glas und eine Dose mit dem Bier. Schon beim eingießen freute ich mich nicht nur über die Farbe, sondern auch über den Gummibärchen Geruch. Ob es mir geschmeckt hat, ließ sich leider leicht an meinem Gesicht ablesen. Für mich war es eine Geschmackserfahrung, die ich so nicht noch einmal brauche.

Im zweiten Versuch habe ich mich dann für ein blaues Bier entschieden. Es hatte einen wenig intensiveren Geruch und sollte nach blauer Himbeere schmecken. Das habe ich nicht herausgeschmeckt. Es war fruchtig, sehr süffig und hat mir viel besser geschmeckt, als das Frosch-Bier. Allerdings habe ich nach zwei Farben beschlossen, lieber wieder weniger Experimente beim Biergenuss einzugehen.

Alkoholfreie Biere: Der Trend zur Nüchternheit
Le Saint-Bock reagiert auch auf den wachsenden Trend zum alkoholfreien Biere. Wobei hier alkoholfrei bedeutet, dass das Bier unter 0,5 Prozent Alkohol enthält. Das macht sich eindeutig im Geschmack bemerkbar. Es werden zum Beispiel Sorten wie Miss Mango (ein alkoholfreies Mango-Smoothie-Bier), Miss Plemous (eine alkoholfreie Berliner Weisse mit rosa Grapefruit) oder Tartosuc (ein alkoholfreies Dessert-Stout mit Zuckerkuchen-Aroma) angeboten.
Das perfekte Match: Deftiges Essen und tolles Bier
Gutes Bier schreit nach gutem Essen! Die Speisekarte im Le Saint-Bock ist genau darauf ausgelegt. Hier trifft klassisches, gemütliches Pub-Essen auf die herzhafte, lokale Küche von Québec.

Ein absolutes Muss ist die hauseigene Poutine. Die knusprigen Pommes frites und der frische, quietschende Käse (Cheese Curds) werden hier mit einer hausgemachte, tiefbraune Poutinesauceübergossen. Neben der klassischen Variante werden auch hier verrückte Poutinekreationen angeboten. Wir haben zum Beispiel eine Poutine mit Bratwürstchen und eine mit Frühstücksspeck gegessen. Uns hat es geschmeckt!

Vorbeikommen und genießen!
Die Brauerei Le Saint-Bock zeigt, dass Craft Beer weder versnobt noch kompliziert sein muss. Es ist ein Ort der Lebensfreude, an dem aus Hopfen, Malz und verrückten Ideen flüssiges Gold entsteht. Ob du dir nun an einem kalten Wintertag einen wärmenden Eisbock gönnst, an einem warmen Sommerabend ein buntes Bier-Slushy schlürfst oder einfach bei einer großen Portion Speck-Poutine und einem frisch gezapften Ale den Abend verbringst – Le Saint-Bock ist ein absolutes Muss für jeden, der das Leben in Montreal in vollen Zügen (und Schlucken) genießen möchte.
Besucherinformationen
Adresse
1749 Rue Saint-Denis,
Montreal, QC H2X 3K4, Kanada
Veröffentlicht: 2. Oktober 2026
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