Das Fort bij Vechten wirkt wie eine weitläufige Landschaft aus sanften, grasbewachsenen Wällen, alten Bäumen und ruhigen Wassergräben. Doch als wir vom Parkplatz dem gut ausgebauten Weg folgten, betraten wir ohne es zu ahnen einen der strategisch komplexesten Orte der europäischen Geschichte.
Hier trifft doppelte Weltgeschichte aufeinander. Das Gelände vereint gleich zwei UNESCO-Welterbestätten.

Das erste Welterbe ist der Niedergermanische Limes (2021 anerkannt). Dies war die 400 Kilometer lange, befestigte Nordgrenze des Römischen Reiches, die dem Rheinverlauf folgte. Das zweite Welterbe sind die Holländischen Wasserlinien, ein 200 Kilometer langes Verteidigungssystem, das 1996 erstmals als Welterbe anerkannt und 2021 erweitert wurde.

Es ist schon erstaunlich: Vor fast 2.000 Jahren wählten die Römer exakt diese Flussgabelung von Rhein und Vecht für ihr massives Castellum Fectio. Und zwischen 1815 und 1885 erkannten die Niederländer erneut die Bedeutung dieses Ortes und errichteten genau hier das Fort bij Vechten.

Auf römischer Spurensuche: Das Castellum Fectio
Unsere Reise begann tief in der Vergangenheit. Der Niedermanischen Limes ist keine Mauer die ein Reich schützen sollte, sondern eine Flussgrenze. Auf 400 Kilometer gab es damals ein Netzwerk von Militärbasen, Wachtürmen, Straßen, Häfen, Kanälen und zivilen Siedlungen entlang des Rheins.
Das Castellum Fectio war eines der ältesten und größten römischen Kastelle in den Niederlanden. Durch die Lage an der Gabelung von Vecht und Rhein, bildete es einen strategisch wichtigen Ort.

Wir spazierten über einen naturbelassenen Weg zu dem Gelände, wo einst das Castellum stand. Heute markieren Konturen im Boden die einstige Größe, und ein rekonstruierter Wachturm lässt die römische Präsenz erahnen. Der Großteil von Fectio liegt gut geschützt unter der Erde. Die wassergesättigten Böden der Niederlande haben die organischen Materialien wie Holz und Leder außergewöhnlich gut konserviert. Es ist ein komisches Gefühl, über so viel verborgener Geschichte zu laufen.

Die Neue Holländische Wasserlinie – Das Fort bij Vechten
Der Hauptgrund für unseren Besuch war jedoch das riesige Fort selbst, das zweitgrößte seiner Art in der Nieuwe Hollandse Waterlinie. Die Wasserlinie gehört zu der 200 Kilometer langen Verteidigungslinie durch die Niederlande.

Im Kriegsfall konnten die Niederländer ein ausgeklügeltes System aus Schleusen, Deichen und Kanälen nutzen, um riesige Landstriche (Polder) kontrolliert zu fluten. Die entstehende Wasserfläche war mit 40 bis 50 Zentimetern Tiefe präzise kalkuliert: zu tief für Infanterie und Kavallerie, um hindurch zu marschieren, aber zu flach für feindliche Schiffe.
Das Fort bij Vechten wurde auf einer strategischen Anhöhe gebaut, die trocken blieb, und schützte so den wichtigen Eisenbahnknotenpunkt bei Utrecht.
Das Gelände des Castellum Fectio ist von Dienstag bis Sonntag frei zugänglich und kann kostenlos erkundet werden. Das Fortgelände ist wirklich riesig. Wir haben einen Spaziergang über die Wälle und vorbei an den robusten Backsteingebäuden unternommen. Einige der Wege sind zwar naturbelassen, aber gut ausgebaut.

Unser Tipp: Bucht unbedingt eine kostenpflichtige Führung. Nur so kann man auch in die hervorragend erhaltenen Kasematten besichtigen und bekommt einen guten Einblick in die Militärgeschichte dieser Zeit. Ich fand es sehr spannend!
Das Highlight: Das Waterliniemuseum
Das Highlight unseres Besuches war mit Sicherheit das Waterlinemuseum, dass sich innerhalb der Wälle des alten Forts befindet.

Das Museum selbst ist modern, interaktiv und hat uns völlig begeistert. Statt trockener Texttafeln heißt es hier: Anfassen und Ausprobieren! Erst hier habe ich wirklich verstanden was es mit der historischen Wasserlinie als Verteidigungsanlage auf sich hat.

Die permanente Ausstellung des Museums konzentriert sich darauf, die Geschichte der niederländischen Wasserverteidigung interaktiv und erlebbar zu machen. Hier gibt es aber keine trockene Militärgeschichte sonder wirkliches Erleben!
Highlight 1: Das 50-Meter-Modell
Das Herzstück des Museums ist ein “echter Hingucker” im zentralen Innenhof: ein 50 Meter langes, maßstabsgetreues Modell der Holländischen Wasserlinie. Wir konnten selbst Schleusen öffnen und Pumpen bedienen, um das Land “zu fluten”. Ein Riesenspaß, nicht nur für Kinder!
Highlight 2: Der VR-Fallschirmsprung
Das Museum nutzt modernste Technologie, um Geschichte immersiv zu vermitteln. Mit einer VR-Brille ausgestattet, “sprangen” wir virtuell über den überfluteten Verteidigungslinien ab. Diese Vogelperspektive macht mir die Dimension der “Geheimwaffe Wasser” erst richtig greifbar.

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Mehr InformationenBesucherinformationen
Adresse
Achterdijk 12,
3981 HB Bunnik
Anfahrtsmöglichkeiten
mit dem Bus
ab Utrecht
Buslinie 41 (Richtung Wijk bij Duurstede) vom Hauptbahnhof Utrecht. Steigen Sie an der Haltestelle “Oud Amelisweerd” in Bunnik aus. Von dort gehen Sie in Richtung des markanten weißen Bauernhauses, dem “Restaurant Vroeg”. Biegen Sie vor dem Restaurant rechts ab, gehen Sie durch den Weiler Vechten, überqueren Sie die Bahngleise und gehen Sie durch den Tunnel unter der Autobahn A12. Direkt nach dem Tunnel befindet sich der Parkplatz und der Zugang zum Fort.
mit dem Zug (SPR, IC):
bis zum Bahnhof Bunnik
Von dort beträgt der Fußweg 30-45 Minuten.
Mit dem Auto
Geben Sie als Ziel Achterdijk 12, 3981 HB Bunnik in Ihr Navigationsgerät ein.
Einige Navigationssysteme leiten Besucher bei dieser Adresse fälschlicherweise zum Lieferanteneingang. Der entscheidende Orientierungspunkt vor Ort ist die “eendjes” (Enten) Autovermietung Duckcity. Der Besucherparkplatz befindet sich dort.
Mit dem Fahrrad
ab Bunnik:
folgen der Provinzstraße Richtung Utrecht
400 Meter nach dem Schild Rijnauwen, kurz nach „Restaurant Early“ an der Ampel links abbiegen
ab hier den braune Richtungsschild mit „Fort Vechten“ folgen
ab Utrecht:
Richtung Bunnik über die Gansstraat oder entlang des Galgenwaard-Stadions
Über die Provinzstraße (Koningsweg) Richtung Bunnik nach Amelisweerd
A27-Überfahrt
Erste Ausfahrt rechts Richtung Farm Mereveld
Gleisstraße auf der Schiene und unter A12
Ausfahrt nach links Marsdijk
Am Ende des Marsdijks biegen Sie links ab und biegen Sie sofort wieder links auf den Parkplatz ab
Öffnungszeiten
Museum:
Mittwoch – Sonntag: 10 – 17 Uhr
Achtung:geänderte Öffnungszeiten an bestimmten Terminen und Feiertagen!
Zugang Fort-Gelände:
Das Fort-Gelände (terrein) ist tgl. ab 9:30 Uhr für Wanderer/Radfahrer zugänglich (außer bei Events).
Zugang Castellum Fectio:
Das römische Fort-Gelände ist Di. – So., 10:00 – 17:00 Uhr, frei zugänglich.
Eintrittspreise
Museum
Erwachsene: 12,-€
Führung mit Guide durchs Gelände: 6,50€
Audio-Guides
Neben buchbaren Führungen bietet das Museum hervorragende kostenlose Audio-Guides für die individuelle Erkundung. Innerhalb der Dauerausstellung können Besucher “Tourio” nutzen, eine über QR-Codes zugängliche Audio-Tour. Für das Außengelände wird die “IZI Travel App” empfohlen, die eine spezielle Route zu den Bunkern rund um das Fort anbietet.
Parken
Die Parkkosten betragen ca.5,-€ pro Tag.
Barrierefreiheit
Das Museum ist voll zugänglich und es gibt spezielle Toiletten für Rollstuhlfahrer.
Trotz des modernen Museumsgebäudes von 2015 ist die Barrierefreiheit des Gesamtstandorts extrem eingeschränkt. Der Grund für diese massive Einschränkung liegt in der Natur des Ortes. Es handelt sich um ein historisches Erdwerk aus dem 19. Jahrhundert, ein 25 Hektar großes, unebenes und raues Gelände. Die Authentizität des historischen Forts macht eine umfassende Barrierefreiheit unmöglich.
Im Museum haben Assistenzhunde Zutritt.
Häufig gestelle Fragen
Gibt es ein Museumcafé?
Ja! Direkt im Museum gelegen, bietet das Café Kaffee und Kleinigkeiten mit einem “grandiosen Blick” über das 50-Meter-Modell im Innenhof.
Gibt es einen Museumsshop?
Ja. Der Museumsshop bietet eine Auswahl an Büchern zur Wasserlinie, zur Römerzeit und zu Naturprodukten.
Hier kann auch die niederländische Museumkaart erworben werden, die bei anschließendem Museumsbesuch sofort freien Eintritt gewährt.
Darf mein Hund mit?
Im Außengelände sind Hunde erlaubt.
Im Museum haben nur Assistenzhunde Zutritt.
Der Besuch fand im Rahmen einer Recherchereise statt.
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