Am Rande von Utrecht, im Stadtteil Leidsche Rijn, befindet sich das Museum Hoge Woerd. Hier erwartete uns kein gewöhnliches Museum, sondern eine “moderne Interpretation eines römischen Forts” und ein Besuch, der uns in Erinnerung bleibt.
Ein modernes Fort voller Geschichte: Das Castellum Hoge Woerd
Das Castellum ist an der exakten Stelle errichtet worden, an der einst römische Soldaten die Nordgrenze des Imperiums bewachten. Das ursprüngliche Fort war ein wichtiger Stützpunkt am Niedermanischen Limes. Diese gesamte Grenzlinie, die sich durch die Niederlande und Deutschland zieht, wurde als UNESCO-Welterbe anerkannt.

Sehr spannend finde ich, dass man sich dazu entschlossen hat, nicht eine “Originalfestung” zu fälschen. Man baute eine moderne Form, die die exakten Umrisse und die Position des antiken Forts nachzeichnet.
Vom Wachturm zum Badehaus: Römische Spuren am UNESCO-Welterbe Limes
Aber bevor wir das Fort betreten kamen wir am Wachturm vorbei. Dies ist eine originalgetreue, begehbare Nachbildung eines römischen Wachturms. Von hier aus kann man die symbolische “Grenze” überblicken und das Leben eines Wachpostens nachvollziehen.

Auch die Fundamente eines römischen Badehauses wurden vor Ort entdeckt und sind für diese nördliche Region außergewöhnlich gut erhalten. Anstatt sie mit einem Nachbau zu überdecken, wurde der Grundriss des Bades auf dem Vorplatz mit Ziergras nachgezeichnet.

Highlight im Museum Hoge Woerd: Das Römerschiff “De Meern 1”
Das Herzstück des Castellums ist zweifellos das Museum Hoge Woerd, ein archäologisches Zentrum, das sich im Inneren der modernen Festungsmauern verbirgt.
Für Besucher ist die vielleicht überraschendste Information: Der Eintritt zu den Dauerausstellungen des Museum Hoge Woerd ist völlig kostenlos. Dies ist eine bewusste Entscheidung der Gemeinde Utrecht, um Kultur und Geschichte so zugänglich wie möglich zu machen. Ermöglicht wird dies durch ein großes Team von Freiwilligen, das den Betrieb unterstützt.
Eine Zeitkapsel: Warum das Schiff so gut erhalten ist
Das absolute Prunkstück und der Hauptanziehungspunkt des Museums ist die “De Meern 1”, ein 25 Meter langes römisches Flussschiff. Es wurde 2003 nicht weit vom Castellum entfernt im Boden von Leidsche Rijn ausgegraben. Das Schiff gilt als das vollständigste römische Flussschiff, das jemals in Nordwesteuropa entdeckt wurde.

Im Gegensatz zu den meisten antiken Schiffswracks sank die “De Meern 1” um ca. 190 n. Chr. plötzlich. Es wird vermutet, dass es infolge eines Navigationsfehlers in einem Nebenarm des Rheins dazu kam. Der Schiffer musste anscheinend schnell das Schiff verlassen und so ging es mit allem was an Bord war unter.
Das Ergebnis ist eine “einzigartige Zeitkapsel”. Die Schlamm- und Flussbodenschichten konservierten nicht nur das Holz des Schiffes, sondern auch seine komplette Ausrüstung und die persönlichen Gegenstände des Kapitäns, die in seiner Kabine eingeschlossen wurden. Dazu gehört eine seltene Sammlung von Werkzeugen. Diese konnten wir in Schaukästen sehen und ich war recht erstaunt, wie ähnlich sie zum Teil unseren heutigen Werkzeugen sind.


Unser persönlicher Gänsehautmoment
Für mich war der Blick auf dieses Schiff aufregend. Waren wir doch gerade einen Tag zuvor mit dem Nachbau durch die Kanäle von Utrecht gefahren und nun konnten wir das Original bewundern.

Die Werkzeuge in den Vitrinen sahen unseren heutigen erstaunlich ähnlich. Es war faszinierend, sich vorzustellen, wie der Kapitän hier vor fast zwei Jahrtausenden lebte und arbeitete, bevor sein Schiff sank.
Mehr als nur ein Schiff: Die Dauerausstellung “3000 Jahre Leben und Arbeiten”
Während das Schiff der Star ist, zeigt die Hauptausstellung “3000 Jahre Leben und Arbeiten” die Geschichte der näheren Umgebung des Castellums.

Leidsche Rijn ist eines der größten Neubaugebiete der Niederlande, und bevor hier Häuser gebaut werden konnten, waren 25 Jahre intensiver archäologischer Rettungsgrabungen notwendig. Die Ausstellung präsentiert einige der Funde dieser Grabungen. Wir konnten Artefakte von der Bronzezeit über die Römerzeit bis ins Mittelalter und in die Gegenwart sehen.
Die Ausstellung ist bewusst interaktiv gestaltet. Sie beginnt mit einer Einführung in grundlegende archäologische Techniken und nutzt eine Zeitlinie, die lokale Ereignisse mit denen in den Niederlanden und Europa vergleicht. Ein Höhepunkt ist ein 360-Grad-Film, der die Besucher in die Entwicklung der Landschaft von den Anfängen bis heute eintauchen lässt.

Interaktiv im ArcheoLab: Selbst zum Forscher werden
Sehr spannend fand ich das ArcheoLab. Hier können Besucher unter Anleitung von Freiwilligen bei der archäologischen Forschung mithelfen und Funde sortieren oder analysieren. Eine tolle Idee, auch um Kinder für dieses Thema zu sensibilisieren.

Ein Erlebnis für die ganze Familie: Angebote für Kinder
Das Museum Hoge Woerd ist explizit als Ziel für “Jung und Alt” konzipiert und ist sehr familienfreundlich. Wir konnten im Museum Kinder beobachten, die mit großer Begeisterung unterwegs waren.
Die Castellum-Schnitzeljagd
Bei der Castellum-Schnitzeljagd können Kinder ab ca. 7 Jahren für 2,-€ eine Schnitzeljagd durch das gesamte Castellum machen. Sie suchen nach Buchstaben, lösen ein Rätsel und basteln am Ende ihr eigenes Souvenir. Sehr schön fand ich den Koffer, der ihnen dafür zur Verfügung gestellt wurde.

Forschen & Entdecken im ArcheoLab
Im ArcheoLab können Kinder selbst zu Archäologen werden. Besonders in den Schulferien gibt es hier Aktionen für junge Forscher (ab 8+), bei denen sie z.B. lernen, wie man Scherben klebt oder antiken Leim herstellt. Kinder können ihre eigenen (Boden-)Funde zur “Archeologisch spreekuur” mitbringen und von Experten analysieren lassen.

Die vier Säulen des Castellums: Was gibt es noch zu entdecken?
Für Besucher mit etwas mehr Zeit bietet das Castellum weitere tolle Ziele an.
Steede Hoge Woerd: Stadtbauernhof & Naturspielplatz
Direkt an das Fort angeschlossen und ebenfalls kostenlos (Di–So, 10:00–17:00 Uhr) ist die “Steede Hoge Woerd”, ein weitläufiger Stadtbauernhof (Stadsboerderij).
Besucher können hier Landwirtschaftstiere hautnah erleben. Ein tägliches Highlight ist die öffentliche Fütterung. Ein großer Naturspielplatz mit Wasserläufen und Sand, ein Blumenpflückgarten im Sommer und diverse Bildungsprogramme runden das Angebot ab.
CastellumCafé: Kulinarische Pause im Innenhof
Das CastellumCafé ist ein Restaurant mit einer großen Terrasse im sonnigen Innenhof des Forts. Das Café ist ganztägig ab 10:00 Uhr morgens geöffnet.

Podium Hoge Woerd: Kultur am Abend
Das Podium Hoge Woerd ist ein professioneller Theatersaal mit 230 Plätzen, der sich ebenfalls innerhalb der Festungsmauern befindet.
Das Programm ist vielfältig und umfasst Theater, modernen Tanz, Kabarett, Musik und spezielle Familienvorstellungen.
Unser Fazit: Lohnt sich ein Besuch im Museum Hoge Woerd?
Das Museum Hoge Woerd war für uns eine der Überraschungen in Utrecht. Die moderne Architektur des Castellums ist beeindruckend, und das Römerschiff “De Meern 1” ist zurecht das Prunkstück. Die Kombination aus Archäologie, dem interaktiven ArcheoLab und dem kostenlosen Eintritt ist unschlagbar. Gepaart mit dem Stadtbauernhof und dem schönen Café im Innenhof ist das Castellum Hoge Woerd ein perfektes Ausflugsziel für die ganze Familie, in dem man problemlos mehrere Stunden verbringen kann.
Besucherinformationen
Adresse
Hoge Woerdplein 1,
3454 PB De Meern (Utrecht)
Anfahrtsmöglichkeiten
Mit dem Auto:
Die Anreise erfolgt zur Adresse Hoge Woerdplein 1
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln (ÖPNV):
Vom Hauptbahnhof Utrecht (Utrecht Centraal, Haltestelle Jaarbeursplein) ist das Castellum leicht zu erreichen.
- Bus 4 (Richtung De Meern): Nehmen Sie den Bus bis zur Haltestelle „De Woerd“.
- Bus 28 (Richtung Vleuten): Nehmen Sie den Bus bis zur Haltestelle „Tweede Westerparklaan“.
Beide Haltestellen befinden sich in unmittelbarer Nähe des Castellums.23
Öffnungszeiten
Museum & Steede:
Dienstag – Sonntag: 10 – 17 Uhr
CastellumCafé
Täglich ab 10 Uhr
Küche ab 12 Uhr
Eintrittspreise
Eintritt (Museum & Steede)
Dauerausstellung kostenlos
Audio-Guide
in Deutsch, Niederländisch, Englisch für 4,- €
Öffentliche Führung
in Niederländisch
Dauer 60 min
4,- €
Parken
Kostenlose Parkplätze auf dem ausgewiesenen Parkplatz des Castellums vorhanden.
Barrierefreiheit
Das Castellum Hoge Woerd setzt einen hohen Standard bei der Zugänglichkeit. Das Hauptgebäude des Forts, einschließlich Museum, Café und Podium, gilt als 100% rollstuhlgerecht.
Es gibt ausgewiesene Behindertenparkplätze, Aufzüge zu allen Ebenen und angepasste Toiletten.
Die einzige Einschränkung betrifft den Außenbereich: Der Stadtbauernhof (Steede) ist “größtenteils” zugänglich, die Gartenbereiche selbst können für Rollstühle jedoch schwieriger zu befahren sein.
Häufig gestellte Fragen
Wie viel Zeit sollte man einplanen?
Für das Museum und das Schiff ca. 1,5 – 2 Stunden. Für das gesamte Castellum mit Steede und Café: ein halber Tag.
Gibt es einen Shop, in dem man Souvenirs oder Bücher kaufen kann?
Ja es gibt die Möglichkeit Souvenirs oder Bücher zu kaufen.
Der Besuch fand im Rahmen einer Pressereise statt.
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