Die Olympischen Sommerspiele fanden 1976 in Montreal statt. Rund 50 Jahre später sind wir in der kanadischen Metropole auf Spurensuche gegangen. Uns trieb die Frage um: Was ist vom olympischen Flair der Vergangenheit noch erhalten? Lohnt sich ein Besuch der alten Wettkampfstätten heute noch?
Der Olympische Park (Parc Olympique) – Ein Beton-Riese im Osten
Der Olympische Park befindet sich im Osten der Stadt. Hier kann man noch immer viele der futuristischen Bauwerke entdecken, die damals vom französischen Architekten Roger Taillibert entworfen wurden.

Unser Rundgang beginnt an der Metrostation Pie-IX (grüne Linie). Sobald wir aus dem Untergrund auftauchten, standen wir auch schon am Rand der Esplanade. Der erste Eindruck: Der Platz ist riesig, betoniert und extrem weitläufig. Direkt vor uns erhob sich majestätisch das berühmte Olympiastadion (Le Stade Olympique).

Place Nadia Comaneci: Ein Ort für Sieger
Im Jahr 2017 wurde der ehemalige “Place des Vainqueurs” in „Place Nadia Comaneci“ umbenannt. Eine Bronzetafel ehrt nun Nadia Comaneci und alle Medaillengewinner der Olympischen Spiele Montreal. Hier befinden sich auch die großen olympischen Ringe – zweifellos der wichtigste Fotospot für alle Touristen, die ihre Erinnerung an den Olympiapark festhalten wollen.

Moderne Nutzung: Vans Skatepark & Dillon Ojo Snowpark
Diese Anlage ist ein hervorragendes Beispiel für moderne Parkumnutzung. Was im Sommer ein beliebter Skatepark ist, verwandelt sich im Winter (von Januar bis März) in den Dillon Ojo Snowpark. Hier gibt es acht verschiedene Hindernisse (Rails, Jumps) und das Beste daran: Jeder kann die Anlage kostenlos nutzen. Es ist toll zu sehen, wie das Areal belebt wird.
Le Sifflet: Brutalismus pur an der “Pfeife”
Ehrlich gesagt haben wir den “Sinn” dieses Bauwerkes zunächst nicht wirklich verstanden.

Der massive Beton-Tunnel erinnert etwas an eine Pfeife. Ursprünglich soll er wohl als Zugang gedient haben. Mir ist allerdings bis heute nicht ganz klar, als Zugang wohin genau? Heute ist er jedoch ein bekannter Spot für Fotografen, die die besondere brutalistische Ästhetik der 70er Jahre suchen.
Das Olympiastadion Montreal: Architektur der Superlative
Das Olympiastadion ist mit der elliptischen Form und dem markanten, geneigten Turm definitiv etwas besonderes. Es ist ein Bauwerk der Superlative und der ständigen Probleme.
Die unendliche Geschichte des Stadiondachs
Die Geschichte des Dachs ist eine Geschichte für sich. Der ursprünglicher Entwurf sah ein schließbares Dach vor, das spektakulär an Kabeln vom Turm herabgelassen werden sollte. Doch dieses Dach wurde zu den Olympischen Spielen 1976 gar nicht erst fertiggestellt.
Erst 1987 installierte man schließlich ein orangefarbenes Dach. Diese hielt jedoch den klimatischen Bedingungen Montreals nicht stand. Unter der winterlichen Schneelast riss das Dach mehrfach. 1998 wurde es dann durch ein festes, nicht zu öffnendes Dach ersetzt, das ebenfalls strukturelle Schwächen zeigte.

Bei unserem Besuch in der Stadt standen im Olympiastadion wieder einige Kräne, denn erneut versucht man, eine Konstruktion zu errichten, die das Stadion dauerhaft und sicher überdacht. Ein deutsches Architekturbüro wurde beauftragt, dieses Vorhaben umzusetzen. Das Ziel ist klar: Das Stadion fit für die Zukunft zu machen und eine sichere Nutzung auch im kanadischen Winter zu gewährleisten.
Trotz der baulichen Herausforderungen ist das Stadion ein gern genutzter Veranstaltungsort für Großevents. Besucher, die Architektur der Olympischen Spiele interessiert sind, können geführten Touren buchen.
Der Turm von Montreal (La Tour de Montréal)
Mit 165 Metern ist der Turm der höchste geneigte Turm der Welt. Er neigt sich in einem spektakulären Winkel von 45 Grad (zum Vergleich: der Turm von Pisa neigt sich nur um ca. 4 Grad). Von unten betrachtet ist das Bauwerk wirklich gigantisch. Mir gefällt besonders die geschwungene und harmonische Form, die dem massiven Beton eine gewisse Leichtigkeit verleiht.

Der Turm fungiert als statisches Gegengewicht zum Stadiondach. Bei unserem Besuch war der Turm und die dort hinauffahrende Standseilbahn aufgrund der Baumaßnahmen am Stadiondach geschlossen. Nach den Renovierungsmaßnahmen kann man dann wieder zu einer Aussichtsplattform hochfahren. An klaren Tagen soll man bis zu 80 Kilometer weit, über den Sankt-Lorenz-Strom bis hin zu den Laurentinischen Bergen sehen können.

Vom Velodrom zum Biodôme: Die erfolgreichste Umnutzung
Das Biodôme stellt die wohl erfolgreichste Umnutzung einer olympischen Sportstätte weltweit dar. Ursprünglich als Velodrom für die Radwettbewerbe und Judo während der Spiele 1976 konzipiert, hat man die Halle 1992 in eine Art Zoo umgewandelt.

Als wir den weitläufigen Eingangsbereich betraten, waren wir sehr erstaunt über die schiere Größe und Höhe der Kuppel. Hier ist zunächst noch nichts von der neuen Nutzung zu ahnen, lediglich der Kassenbereich und ein Selfservice-Restaurant sind zu sehen. Doch der eigentliche Besuch des Biodôme führt auf eine faszinierende “Wanderung” durch fünf Ökosysteme Amerikas:
- Tropischer Regenwald: Hier herrscht echte tropische Hitze und Luftfeuchtigkeit. Papageien fliegen frei, Kapybaras und Faultiere bewegen sich im Unterholz.
- Der Laurentinische Ahornwald: Ein Abbild der Wälder Quebecs. Die Temperatur und Beleuchtung ändern sich hier analog zu den echten Jahreszeiten draußen. Man sieht Luchse, Biber und Otter.
- Der Sankt-Lorenz-Golf: Ein riesiges Aquarium (2,5 Millionen Liter), das die Unterwasserwelt des Ästuars zeigt, inklusive Stören und Rochen. Besucher blicken von oben auf die Wasseroberfläche und gehen dann “unter Wasser”.
- Die Labrador-Küste: Eine felsige Landschaft mit Papageitauchern (Puffins) und Alkenvögeln.
- Die Subantarktischen Inseln: Heimat einer großen Pinguinkolonie (Eselspinguine, Königspinguine, Felsenpinguine) bei kühlen Temperaturen.
Rio Tinto Alcan Planetarium: Griff nach den Sternen
Gleich neben dem Biodôme fielen uns zwei silberne, kegelförmige Gebäude auf, die wie Teleskope in den Himmel ragen. Das ist das Planetarium. In zwei verschiedenen Kuppelsälen kann man es sich auf Sitzsäcken gemütlich machen und multimediale Shows über das Universum, Polarlichter oder die Suche nach außerirdischem Leben ansehen. Ein toller Kontrast zum historischen Beton.

Das Olympische Schwimmzentrum
Direkt unter dem Turm befindet sich der Eingang in das Centre Sportif. Dieses ist eine der wenigen Stätten, die bis heute noch so genutzt werden, wie zu den Olympischen Spielen Montreal 1976. Hier fanden damals die Schwimm- und Sprungwettbewerbe statt.
Die Türen waren geöffnet und von der Eingangshalle gelangten wir auf die großen Tribünen der Schwimmhalle. Ich bekam Gänsehaut bei dem Gedanken, was hier damals für eine Stimmung während der Wettkämpfe geherrscht haben muss – der Blick in die Halle begeistert mich heute sicherlich genauso wie die Besucher damals.

Das Beste daran: Heute ist dieses Bad öffentlich nutzbar. Besucher können in denselben Bahnen schwimmen, in denen olympische Rekorde aufgestellt wurden. Die Anlage verfügt über ein 50-Meter-Wettkampfbecken, ein Trainingsbecken und das spektakuläre Sprungbecken mit dem 10-Meter-Turm. Schade, dass wir keine Schwimmsachen dabei hatten, ich wäre zu gerne einige Bahnen in einem echten olympischen Becken geschwommen!
Stade Saputo & Maurice-Richard-Arena
Wir schlenderten weiter über die Esplanade und erreichten das Stade Saputo. Hier ist die Heimat des Fußballclubs CF Montréal. Es ist viel offener und kleiner als das Olympiastadion und liegt direkt in dessen Schatten.

Ganz in der Nähe liegt auch die Aréna Maurice-Richard, benannt nach der Eishockey-Legende der Canadiens.
Botanischer Garten & Insektarium: Der grüne Abschluss
Zum Abschluss überquerten wir die Rue Sherbrooke (direkt gegenüber dem Stadion). Hier befindet sich der Jardin botanique.

Es ist einer der größten botanischen Gärten der Welt. Der Chinesische Garten (mit Pagoden und Teichen) und der Japanische Garten sind absolut sehenswert. Auch das neu renovierte Insektarium befindet sich auf diesem Gelände. Direkt neben dem Botanischen Garten liegt ein großer Park mit weiten Wiesen und schattenspendenden Bäumen, die zu einem Picknick einladen. Für uns war dies der richtige, entspannte Abschluss der olympischen Zeitreise in Montreal.

Besucherinformationen
Anfahrt
Die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr (STM) ist exzellent.
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- Metro: Grüne Linie (Ligne Verte).
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- Station Pie-IX: Hauptzugang für Stadion, Biodôme, Botanischer Garten.
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- Station Viau: Hauptzugang für Centre Sportif, Sifflet, Snowpark, Olympisches Dorf, Planetarium.
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- Metro: Grüne Linie (Ligne Verte).
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- Fußweg: Die beiden Stationen sind durch den Park verbunden (ca. 10-15 Min. Fußweg).
Veröffentlicht: 12. August 2026
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