Lust auf einen kleinen Stadtrundgang in Soest? An einem Tag in der Stadt kann man so viel erleben und entdecken!
1. Das Stadtmodell (am Vellinghausen-Platz / Rathaus)
Hier beginnt der Rundgang. Das bronzene Tastmodell bietet einen perfekten Überblick über den mittelalterlichen Stadtgrundriss. Ich finde, dass man sich so ideal orientieren kann.

2. St.Patrokli-Dom
Direkt nebenan steht das Wahrzeichen der Stadt. Der St.Patrokli-Dom ist ein Meisterwerk der romanischen Baukunst. Gegründet wurde die Kirche bereits im Jahr 954 vom Kölner Erzbischof.
Gut zu wissen: Auch wenn in Soest jeder ganz selbstverständlich vom “Dom” spricht handelt es sich um eine sogenannte Stiftskirche. Den stolzen Namen haben ihm die Bürger einfach selbst gegeben.

Die Außenfassade besteht aus dem typischen Soester Grünsandstein. Je nach Lichteinfall und Feuchtigkeit schimmern die Steine tatsächlich leicht grünlich. Der Turm ist fast 80 Meter hoch. Er wird gerne der “Turm Westfalens” genannt und ist das Wahrzeichen von Soest. Im Mittelalter befand sich ganz oben im Turm die Rüstkammer der Stadt mit tausenden Waffen und Armbrustbolzen.
Der Besuch im St.Patrokli-Dom ist kostenfrei möglich. Der Patroklus-Schrein befindet sich im Hochchor unter dem großen, roten Altarkreuz und beinhalten die Gebeine des Heiligen Patroklus (dem Schutzpatron der Stadt). Sie wurden aus dem französischen Troyes ins westfälische Soest gebracht, um der neu gegründeten Kirche große Bedeutung zu verleihen.

Besonders schön ist die Apsismalerei im Marienchor. Die farbenprächtigen Decken- und Wandmalereien stammen aus der Zeit um 1200!
3. St. Petri Kirche – Die ehrwürdige “Alde Kerke”
Nur einen Steinwurf vom Dom entfernt steht die Petrikirche. Diese extrem enge Nachbarschaft zweier so großer, prachtvoller Kirchen ist wirklich außergewöhnlich, weshalb die Soester sie liebevoll ihre “Kirchengeschwister” nennen.
Gut zu wissen: Die Petrikirche wird von den Einheimischen traditionell “Alde Kerke” (Alte Kirche) genannt. Sie gilt als die älteste Kirchengründung ganz Westfalens! Schon um das Jahr 800, zur Zeit Karls des Großen, stand hier der erste Vorgängerbau.
Der Turm von St. Petri trägt eine elegante, sogenannte “welsche” Barockhaube. Diese bekam er im Jahr 1709 aufgesetzt, nachdem die alte gotische Spitze zuvor durch einen Blitzeinschlag komplett abgebrannt war.

St. Petri wurde über die Jahrhunderte von einer romanischen Basilika zu einer gotischen Hallenkirche umgebaut und nach oben erweitert, weshalb sie deutlich lichter und luftiger wirkt. Der Eintritt ist frei!
Ein Highlight in der Kirche ist der Antwerpener Schnitzaltar (Klepping-Altar). Er steht im Chorraum der Kirche. 1525 wurde er in einer Meisterwerkstatt in Antwerpen gefertigt und vom wohlhabenden Soester Kaufmann Andreas Klepping gestiftet. Die winzigen, unzähligen Holzschnitzereien in der Mitte des Altars sind unfassbar detailreich.
Ein spannendes Detail für aufmerksame Beobachter! Die prachtvolle barocke Holzkanzel (von 1693) zeigt unter anderem die Figur des Namensgebers, den Apostel Petrus. Doch anders als üblich hält er hier keinen Himmelschlüssel in der Hand, sondern wird mit einem krähenden Hahn gezeigt. Dieses ist eine Erinnerung an die biblische Geschichte, in der Petrus Jesus dreimal verleugnete.
4. Das Romanische Haus – Ein steinerner Zeuge des Mittelalters
Es geht weiter ein kurzes Stück nach Süden in die idyllische Burghofstraße. Hier steht eine absolute Architektur-Rarität: das Romanischen Haus.

Gut zu wissen: Während große Kirchen oder Burgen aus dem Mittelalter oft erhalten geblieben sind, wurden normale Wohnhäuser meist aus Holz und Lehm gebaut und fielen Bränden oder dem Zahn der Zeit zum Opfer. Dieses Haus hier stammt jedoch aus der Zeit um 1180! Es gilt als eines der ältesten erhaltenen bürgerlichen Wohnhäuser zwischen Rhein und Weser.

Das Haus ist komplett aus dem typischen Soester Grünsandstein erbaut. Im 12. Jahrhundert ein privates Wohnhaus aus Stein zu errichten, war unfassbar teuer. Der Bauherr muss ein extrem reicher und einflussreicher Soester gewesen sein.
Das Romanische Haus steht gehört historisch zum Komplex des benachbarten Burghofs. Die Gebäude sind miteinander verbunden. Wenn das Museum geöffnet hat, besteht auch die Möglichkeit das Romanische Haus zu besichtigen.
5. Burghof Museum mit historischem Saal
Das Hauptgebäude des Museums ist ein ehemaliges Patrizierhaus aus der Zeit der Renaissance (erbaut um 1559). Wer hier damals lebte, gehörte zur absoluten Oberschicht der alten Hansestadt.
Gut zu wissen: Das stadtgeschichtliche Museum von Soest zeigt hier steinzeitlichen archäologischen Funden bis hin zur Stadtgeschichte des 19. Jahrhunderts.

Ich habe den prächtigen Rittersaal besichtigt. Dieser Raum ist das Herzstück des 1559 erbauten Herrenhauses. Hier empfing die adelige oder kaufmännische Oberschicht der Stadt früher ihre Gäste, feierte Feste und demonstrierte ihren Reichtum. Die großzügigen Abmessungen des Raumes waren für das 16. Jahrhundert ein absoluter Luxus und ein reines Statussymbol. Ein großer Saal brauchte eine gewaltige Feuerstelle, um im Winter nicht völlig auszukühlen. Der gewaltige Kamin besteht aus dem typischen Soester grünen Sandstein.

Mir hat besonders das große Relief gefallen, dass sich über mehrer Wände des Saals erstreckt. Auf der großen Wandfläche entfaltet sich ein Schlachtengemälde. Man sieht eine wehrhafte Stadt mit dicken Mauern und Zinnen. Dieses Motiv greift den Stolz der Soester auf ihre eigene Unbezwingbarkeit auf – sehr eine Anspielung auf die berühmte Soester Fehde. Ein Tipp von mir: achtet unbedingt auf die kleinen Details. Am rechten Wehrturm auf der Mauer kniet eine Figur, die den feindlichen Truppen im wahrsten Sinne des Wortes den blanken Hintern zeigt!
Heute wird der Rittersaal als Trauzimmer und für städtische Empfänge genutzt.
6. Stadttor (Osthofentor)
Der nächste Stopp des kleinen Stadtrundganges ist das Osthofentor. Es ist das letzte erhaltene Stadttore. Heute befindet sich darin ein kleines Museum, in dem unter anderem zehntausende mittelalterliche Armbrustbolzen ausgestellt sind.

Wer gerne mehr über die Stadtbefestigung erfahren möchte sollte den Artikel “Die historischen Wallanlagen von Soest: Ein Spaziergang durch 800 Jahre Geschichte” lesen.
7. Die Wallanlage
Vom Osthofentor besteht die Möglichkeit die Wallanlage weiter zu erkunden. Die mittelalterliche Stadtumrandung ist zu weiten Teilen erhalten und heute ein wunderschöner, von Bäumen gesäumter Spazierweg. Man kann nicht nur vor der Wallanlage den gut ausgebauten Wegen folgen, sondern auch auf der ehemaligen Stadtmauer spazieren gehen. Am besten folgt man dem Wall in einem Bogen in Richtung Norden. Das ist nicht nur historisch spannend, sondern bietet auch tolle Ausblicke in die Gärten der Altstadt.

8. Kirche Maria zur Wiese (Wiesenkirche)
Bei unserem Spaziergang über den grünen Wall konnte man die markanten Zwillingstürme der Wiesenkirche (offiziell: St. Maria zur Wiese) entdecken.
Mir fällt zuerst auf, dass einer der fast 80 Meter hohen Türme eingerüstet sind. Das liegt am typischen Soester Grünsandstein. Er sieht zwar wunderschön aus, bröckelt aber leicht, weshalb eine eigene “Dombauhütte” hier im Dauerbetrieb restauriert.
Der Eintritt ist frei, es lohnt sich einen Blick hinein zu werfen. Der Innenraum der Wiesenkirche wirkt schwerelos, elegant und ist von Licht durchflutet. Die Wände bestehen hier nicht aus massivem Stein, sondern fast vollständig aus riesigen Glasfenstern, die teilweise bis fast auf den Boden reichen. Je nach Tageszeit und Sonneneinstrahlung werfen sie ein atemberaubendes, buntes Lichtspiel auf den hellen Steinboden.

Ein Highlight in der Kirche ist das Fenster “Westfälisches Abendmahl”. Es befindet sich im Nordportal und stammt aus der Zeit um 1500. Das Fenster zeigt Jesu letztes Abendmahl mit seinen Jüngern. Der unbekannte Künstler hat die Szene aber kurzerhand in seine Heimat verlegt. Statt Brot und Wein stehen hier ein halber Schweinskopf, kräftiger westfälischer Schinken, Pumpernickel und kühle Bierkrüge auf dem Tisch!
9. Fachwerk
Auf dem Weg von der Wiesenkirche in Richtung Westen (zum Großen Teich) führt der Weg durch verwinkelte Gassen. Hier kann man das typische Soester Fachwerk bewundern. Die Kombination aus historischen, windschiefen Fachwerkhäusern und dem grünen Soester Sandstein (Grünsandstein), aus dem viele Sockel und Mauern gebaut sind, macht den besonderen Charme der Stadt aus.

10. Die Teichsmühle und das Wasserrad
Der “Großen Teich” ist das nächste Ziel des Rundganges. Der Große Teich ist kein normaler See, sondern ein riesiges Quellbecken. Aus unzähligen kleinen Quellen sprudelt hier ununterbrochen Wasser aus der Erde. Das Wasser hat das ganze Jahr über eine konstante Temperatur von etwa 10 Grad Celsius. Selbst in den eisigsten Wintern friert der Teich deshalb so gut wie nie zu!

An der Seite des historischen Gebäudes am Teich klappert gemächlich ein großes Wasserrad. Es ist eines der beliebtesten Fotomotive in ganz Soest. Die Wasserkraft der unermüdlichen Quellen wurde hier genutzt, um das schwere Mahlwerk der Mühle anzutreiben. Das Gebäude selbst gehört zu den ältesten Mühlenstandorten der Stadt (urkundlich bereits im 14. Jahrhundert erwähnt).
Heute beherbergt das Gebäude unter anderem die Touristeninformation der Stadt.
11. Die Wippe – Mittelalterliche Schadenfreude und nasse Füße
Wer sich am Ufer des Teichs ein wenig umschaust, entdeckt am Rand eine gelbe Holztreppe. Früher war das eine Wippe und berüchtigtes Instrument der mittelalterlichen Gerichtsbarkeit! Die Wippe war eine sogenannte Schandstrafe. Wenn zum Beispiel ein Bäcker beim Betrügen erwischt wurde, weil er zu kleine Brötchen gebacken, schlechtes Mehl verwendet oder Sägemehl in den Teig gemischt hatte –, kannte die Stadt kein Pardon. Der Übeltäter wurde festgenommen und kam auf die Wippe. Vor den Augen der gesamten Stadtbevölkerung, die sich natürlich schadenfroh am Ufer versammelte, tauchte man ihn dann mit der Wippe in das 10 Grad kalte Wasser des Teichs.

12. Kirche mit schiefem Turm (Alt St. Thomä)
Vom Teich aus sieht man im Süden den schiefen Turm von Alt St. Thomä. Die Kirchturmspitze hat sich über die Jahrhunderte durch Witterung und die Bauweise aus Holzschindeln stark verdreht und geneigt. Ein echtes Soester Original und ein tolles Fotomotiv!

Der Besuch in Soest fand im Rahmen einer Bloggerreise mit Wirtschafts- und Tourismus GmbH Möhnesee, Tagungs- und Kongresszentrum Bad Sassendorf GmbH und Wirtschaft und Marketing Soest GmbH statt. Vielen Dank auch an Tanja für ihre Organisation.
Veröffentlicht: 19. August 2026
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