Die Menüsafari in Soest ist kein normales Abendessen und auch keine langweilige Stadtführung. Sie verbindet beides Elemente zu einem unterhaltsamen, informativen und vor allem leckeren Event. Anstatt den ganzen Abend in einem einzigen Restaurant zu sitzen, spaziert man durch die wunderschöne Soester Altstadt und isst dabei ein leckeres 4-Gänge-Menü in vier verschiedenen Restaurants.
Ich habe zum ersten Mal an einer kulinarischen Stadtführung mit diesem Konzept teilgenommen und war absolut begeistert, wie geschickt die tausendjährige Soester Stadtgeschichte mit kulinarischen Highlights kombiniert wird.
Bevor wir loslegen, aber direkt zwei wertvolle Insider-Tipps aus meiner eigenen Erfahrung:
Mein erster Tipp: Plant etwas Zeit und Gelassenheit ein. Da man die Restaurants wechselt und alles frisch zubereitet wird, dauert es manchmal einen Moment, bis das Essen serviert wird – die perfekte Zeit für gute Gespräche!
Mein zweiter Tipp: Esst am Tag der Tour am besten gar nichts! Die Portionen sind westfälisch-üppig. Ich habe bereits beim dritten Gang kapituliert und nicht mehr alles aufessen können.

Der Ablauf: In vier Stunden kulinarisch durch die Altstadt
Um die Qualität der Führung zu garantieren und die Küchen der Restaurants nicht zu überlasten, ist die Gruppengröße streng auf 10 bis 15 Personen limitiert. Die Tour dauert etwa vier Stunden und füllt somit den gesamten Abend.
Unsere Safari startete am bekannten Brauhaus Zwiebel. Hier nimmt einen der persönliche Guide in Empfang und führt die Gruppe von Restaurant zu Restaurant und kümmert sich vor Ort um alles organisatorische.

Stadtgeschichte lebendig erzählt
Auf den kurzen Wegen durch die Altstadt erzählte unser Tourguide spannende und lustige Geschichten. Über 1000 Jahre ist die Stadt Soest inzwischen alt, da gibt es viel zu erzählen. Aber keine Sorge es geht nicht um trockene Jahreszahlen wie im Geschichtsunterricht. Im Vordergrund stehen humorvolle, fast vergessene westfälische Anekdoten.

Besonders spannend fand ich die Erklärung alter Redewendungen, die ihren Ursprung in der Region haben. Beim Stopp am historischen Stadtmodell bekamen wir zudem ein Gefühl dafür, wie der mittelalterliche Altstadtkern von oben aussieht. Vorbei an imposanten Grünsandsteinkirchen entdeckten wir kuriose Fotospots – und ein ganz besonderes Highlight: die leuchtend gelbe Soester Wippe. Eine Geschichte, die mir besonders gefallen hat.
Die Soester Wippe: Ein nasses Spektakel mit Tradition
Ursprünglich war die Soester Wippe ein echtes Strafinstrument der städtischen Rechtsprechung. Man hat sie vom 14. Jahrhundert bis ins Jahr 1780 genutzt. Bestraft hat man allerdings mit dieser Wippe nicht die Schwerverbrecher, sondern die kleineren Vergehen. Wer zum Beispiel als Garten- oder Felddieb erwischt wurde oder als Bäcker zu kleine Brötchen gebacken und die Kunden betrogen hatte, landete auf der Wippe.
Der Übeltäter wurde auf das Ende des Balkens gesetzt. Als Strafe und zur großen Erheiterung der schadenfreudigen Zuschauer tauchte man ihn in das kalte (und damals stark verschmutzte) Wasser des Großen Teiches. Dass die Wippe in einem leuchtenden Gelb erstrahlt, ist kein Zufall. Im Mittelalter galt Gelb als die sogenannte „Schandfarbe“.

1780 wurde die Wippstrafe zwar offiziell abgeschafft, aber die Tradition lebt bis heute weiter. Der Verein der Bürgerschützen hat den Brauch in abgewandelter Form wieder aufleben lassen.
Es werden jedes Jahr drei sogenannte Malefikanten bestimmt. Meist handelt es sich um zwei bekannte Soester Bürger und einen Schützenbruder. Es trifft Personen, die sich im vergangenen Jahr einen kleinen, lustigen Fehltritt oder Fauxpas erlaubt haben. Nach einer deftigen „Henkersmahlzeit“ werden die drei Kandidaten von historisch gekleideten Stadtwachen zur Wippe eskortiert. Unter dem Jubel des Publikums steigen sie die gelbe Treppe hinauf und stürzen sich von der letzten Stufe in die Fluten des Teiches.
Das Menü: Unsere 4 Genuss-Stationen
Kulinarisch liegt der Fokus während der Menüsafari in Soest auf der regionalen Küche. Uns wurde ein typisch westfälisches Menü serviert, das die kulinarische Identität der Region perfekt widerspiegelt. Die exakte Route kann je nach Buchung variieren – bei unserer Tour durften wir folgende vier Institutionen ansteuern:
1.Station: Brauhaus Zwiebel (Vorspeise)
Der Startpunkt des Abends ist im traditionsreichen Brauhaus Zwiebel. Hier sitzt man in den urigen Räumlichkeiten des Fachwerkhauses aus dem Jahr 1597 oder bei gutem Wetter im Biergarten.

Bevor hier eine Brauerei stand, diente das Haus rund 150 Jahre lang als Bäckerei mit verschiedenen Inhabern. Ende des 18. Jahrhunderts hat dann ein Branntweinbrenner seine Destillationsanlage dort betrieben. Die Braugeschichte des Hauses begann 1993. Seitdem wird eingemaischt und das über die Stadtgrenzen hinaus bekannte „Soester Bier“ (oft auch einfach Zwiebelbier genannt) gebraut.
Heute besteht der Komplex aus drei Teilen:
- Das Stammhaus: Gemütlich und urig mit knarzenden Bodendielen und gewaltigen Eichenbalken. Die glänzenden Kupfer-Sudkessel mitten im Raum sind ein echter Blickfang.
- Das Gasthaus Aloisius: Direkt angrenzend beherbergt es mitten im Gastraum einen spektakulären, 1200 Jahre alten Brunnen.
- Zwiebel’s Sudhaus: Eine moderne Eventlocation für Brauereiführungen und Verkostungen.

Wir haben im Biergarten des Stammhauses unter großen Bäumen im Schatten gesessen und den Start in den Abend genossen. Erst später bin ich in die Gaststube gegangen. Es war so, wie ich es mir erhofft hatten. Die Sudkessel stehen mitten im Raum, es ist gemütlich und einladend. Für mich der perfekte Ort für ein Bier.

Die Vorspeise
Die Menüsafari in Soest beginnt mit einen regionalen Klassiker dem Pumpernickel mit herzhaftem Westfälischen Schinken und natürlich dem frisch gebrauten Soester Bier des Brauhauses.

Die Story dahinter
Pumpernickel mit Westfälischem Schinken ist ein Element im „Westfälischen Abendmahl“. In der Wiesenkirche in Soest, gibt es ein historisches Glasfenster aus der Zeit um 1500. Dieses zeigt das letzte Abendmahl von Jesus und seinen Jüngern auf eine sehr humorvolle Art. Statt ungesäuertem Brot und Wein stehen auf der Tafel ganz andere Speisen.

- Einen Schweinskopf (auf der linken Seite des Tisches)
- Westfälischen Knochenschinken (auf der rechten Seite)
- Westfälisches Brot (Pumpernickel bzw. Roggenbrot in einem Korb unter dem Tisch)
- Bierkrüge und Schnapsgläser (Korn), die in Westfalen nach einem deftigen Essen nicht fehlen dürfen
Genau diese Speisen kommen auch beim Starter im Brauhaus auf den Tisch: Westfälischer Knochenschinken, Pumpernickel und Bierkrüge. Der unbekannte Künstler hat das Geschehen kurzerhand in eine zünftig westfälische Stube verlegt.
Das Soester Bier
Zu dem Pumpernickel bekamen wir zwei kleine Bierproben serviert. Die Biere werden lange gelagert, bleiben unfiltriert und werden nicht pasteurisiert. Das Soester Hell ist etwas leichter und erfrischender. Dieses milde und herrlich süffige Bier bildet mit seiner feinen Frische einen tollen Kontrast zu dem salzigen Schinken. Das Soester Dunkel unterstreicht eher die rustikalen Aromen des Gerichts. Die ausgeprägten Malz- und leichten Röstaromen dieses Bieres harmonieren herausragend mit dem erdigen, leicht süßlichen Charakter des Pumpernickels. Ich war sehr überrascht, dass das dunkle Bier kaum Süße hatte, wirklich ein tolles Bier!


2.Station: Historische Ratskeller St. Georg (Zwischengang)
Nach dem Auftakt im Brauhaus Zwiebel ging unsere Menüsafari in Soest zu einem markanten Gebäude am Marktplatz. Der Ratskeller St. Georg stand als zweite Station auf dem Plan.
Ursprünglich befand sich an dieser Stelle die kleine, mittelalterliche Kirche St. Georg. Die kleine Georgs-Gemeinde schloss sich1822 mit der benachbarten, größeren Wiesen-Gemeinde, da ihre eigene Kirche stark baufällig geworden war. Nur ein Jahr später kaufte die Soester Bürgergesellschaft „Ressource“ die alte Kirche. Sie ließ das Gebäude abreißen und begann mit dem Bau ihres neuen Hauptsitzes. 1825 war das markante, klassizistische Gebäude fertiggestellt. Die oberen Etagen nutze die Gesellschaft Ressource, in das Untergeschoss zog die Gastronomie ein.

Es geht einige Schritte hinab in den Ratskeller. Das Herzstück des Restaurants ist das rustikale Gewölbekeller-Ambiente. Wir saßen an einer langen eingedeckten Tafel und warteten darauf, was uns hier serviert werden würde.
Das Gericht
Als Zwischengang der Menüsafari wird hier die Westfälische Kartoffelsuppe serviert. Eine echte westfälische Kartoffelsuppe ist ein sämiger, gehaltvoller Eintopf. Die Kartoffeln werden sämig püriert. Ihre charakteristische, deftige Würze bekommt sie durch die Beigabe von regionalen Fleischeinlagen, wie zum Beispiel fein gewürfelter Speck oder deftige Mettenden.

Die Portion war so gigantisch, dass ich bereits hier ins Grübeln kam, wie ich die nächsten Gänge schaffen soll. Ein Glück, dass danach ein kleiner Verdauungsspaziergang anstand!
3.Station: Hotel Restaurant Im Wilden Mann (Hauptgang)
Nach der deftigen Suppe im historischen Ratskeller führt uns die kulinarische Safari auf den Soester Marktplatz. Der „Wilde Mann“ gehört zu den bekanntesten und ältesten Fachwerkhäusern Deutschlands. Seine Geschichte reicht über 400 Jahre zurück bis ins 16. Jahrhundert. Seit 1855 wird hier Gastronomie betrieben.


Der namensgebende „Wilde Mann“
Wer vor dem Gebäude steht, blickt unweigerlich auf die rechte Flanke des Fachwerks. Dort steht die markante Holzfigur eines bärtigen wilden Mannes. Er hält in der einen Hand eine Keule und in der anderen den Soester Stadtschlüssel. Diese Figur, die dem Haus seinen heutigen Namen gab, wurde 1925 von dem bekannten Künstler Fritz Viegener geschaffen.
Der Name „Zum Wilden Mann“ gehört zu den ältesten und häufigsten Wirtshausnamen im deutschsprachigen Raum. In einer Zeit, als das Reisen gefährlich war, signalisierte das Wappen des Wilden Mannes den Reisenden: „Hier seid ihr sicher, unser Haus ist gut beschützt.“
Als ich in den Gastraum trete fallen mir sofort die niedrigen Decken, dunklen Fachwerkbalken und Holzdielen auf. Es riecht dezent nach Holz, Braten und frisch gezapftem Bier. Der Gastraum strahlt eine angenehme, schummrige Wärme aus.
Das Gericht
Passend zu der regionalen Tradition wird an dieser Station der Safari ein echter Klassiker der deutschen Küche als Hauptgang serviert: Rinderroulade mit Kartoffelpüree und gemischtem Gemüse. Die Roulade war zart geschmort, butterweich und klassisch gefüllt. Dazu gab es eine kräftige Bratensauce. Das Kartoffelpüree war handgemacht mit einem guten Schuss Sahne und frischer Butter. Dazu gab es gemischtes Gemüse, dass auf meinem Teller noch knackig war.

Wie auch schon an den vorangegangenen Stationen der Tour war es keine kleine Portion. Ich glaube aus unserer Gruppe hat es kaum einer geschafft seinen Teller leer zu essen!
4.Station: Hotel Pilgrimhaus (Dessert)
Es war schon recht spät, als wir an unserer letzten Station der Menüsafari in Soest ankamen. Das Pilgrimhaus wurde bereits am 2. Dezember 1304 urkundlich erwähnt und rühmt sich völlig zu Recht als der älteste Gasthof Westfalens.

Wie der Name verrät, begann die Geschichte dieses Hauses nicht als klassisches Restaurant, sondern als Pilgerherberge und Hospiz. Das Haus lag strategisch perfekt direkt am Jakobitor, wo der Hellweg (und damit der westfälische Jakobsweg) die Stadt in Richtung Westen verließ. Über Jahrhunderte fanden hier erschöpfte Pilger auf ihrem langen Weg nach Santiago de Compostela ein Bett und Verpflegung.
Der Gastraum ist mit liebevoll ausgewählte Details wie zum Beispiel alte Pilger-Motiven gestaltet. Kleiner Funfakt: im Eingangsbereich findet man noch heute einen Stempel um seine Wanderung auf dem Jakobsweg zu dokumentieren.

Das Dessert
Zum Abschluss der Safari gab es hier eine Nachspeise, die ich so bisher noch nie gegessen habe: Pumpernickel-Parfait mit frischem Obst und Schlagsahne. Pumpernickel wird in Westfalen nicht nur herzhaft mit Schinken genossen, sondern auch in der gehobenen Dessertküche. Das Resultat ist geschmacklich herausragend: Die cremige Süße des Parfaits verschmilzt im Mund mit den kräftigen, malzigen und leicht erdigen Röstaromen des Brotes. Ich habe so eine Kombination noch nie gegessen und war wirklich überrascht, wie gut es geschmeckt hat.

Ein derart opulentes Vier-Gänge-Menü quer durch die Soester Geschichte verlangt nach einem helfenden Abschluss für den Magen.Ich habe mich für den hausgemachten „St. Pilgrims Sprungtropfen“ entschieden. Der hauseigenen Kräuterlikör hat 32 % vol. Alkohol. Seine würzigen Aromen räumt den Magen auf und setzen für mich den Schlusspunkt unter diese unvergessliche Menüsafari.

Preise und Buchungsinformationen
Organisiert wird das Erlebnis von der Wirtschaft und Marketing Soest GmbH. Die klassische Tour (4 Gänge, ca. 4 Stunden) kostet ca. 69,-€ pro Person. Im Preis ist das Menü und die Führung enthalten. Getränke müssen vom Gast alleine bezahlt werden.
Wichtig für Allergiker und Vegetarier: Wer kein Fleisch isst, sich vegan ernährt oder Unverträglichkeiten hat, meldet man dies vorab bei der Buchung an. Es werden dann Alternativen angeboten.
Der Besuch am Möhnesee fand im Rahmen einer Blogger-Reise mit Unterstützung von Wirtschafts- und Tourismus GmbH Möhnesee, Tagungs- und Kongresszentrum Bad Sassendorf GmbH und Wirtschaft und Marketing
Soest GmbH statt. Vielen Dank auch an Tanja für ihre Organisation.
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