Wenn man durch die kanadische Provinz Québec reist, führt eigentlich kein Weg an dieser Kirche vorbei. Die Rede ist von der imposanten Kirche in Trois-Rivières, dem Sanctuaire Notre-Dame-du-Cap.
Die Geschichte: Von der Holzhütte zum Nationalheiligtum
Die Geschichte des Sanctuaire beginnt mit dem Mut der frühen französischen Siedler im 17. Jahrhundert. Für sie bildete ihr Glaube an die Jungfrau Maria einen spirituellen Schutzschild gegen die unberechenbare Wildnis und die Gefahren der Überfahrt über den Atlantik. 1659 errichteten sie in Cap-de-la-Madeleine eine bescheidene Holzkapelle.
Ein paar Jahre später, 1694, gründete Pater Paul Vachon eine Bruderschaft für das Rosenkranzgebet. Er legte den Grundstein für die Rosenkranz-Tradition, die bis heute das Sanctuaire prägt.

Die ursprüngliche Holzkirche wurde 1720 durch einen Bau aus Feldsteinen ersetzt. Spannendes Detail am Rande: Das alte Holz der ersten Kapelle warf man nicht weg. Die handgehauenen Balken stecken heute noch im Fundament. Man läuft also wortwörtlich auf der Geschichte der allerersten Siedler.
Nachdem Pater Vachon starb, passierte erst mal gar nichts und das über 100 Jahre lang. Der Grund dafür: es gab kein fester Pfarrer vor Ort.
Das änderte sich erst 1867 mit der Ankunft von Pater Luc Desilets. Er fand eine Gemeinde vor, deren spiritueller Eifer nachgelassen hatte. Mit viel Engagement schaffte er es die Kirche und das Rosenkranzgebet wieder bei den Bewohnern der Gemeinde populär werden zu lassen. Der Zustrom der Gläubigen nahm zu und die Kapelle von 1720 kam an ihre Kapazitätsgrenzen.

Das Eisbrücken-Wunder von 1879
Der Bau einer größeren Kirche in Trois-Riviéres war 1878 unumgänglich geworden. Die größte Herausforderung bestand im Transport der schweren Steine vom gegenüberliegenden Ufer des Sankt-Lorenz-Stroms.
Normalerweise fror der Fluss im Winter zuverlässig zu und so hätte man die Steine zum anderen Ufer bringen können. Doch der Winter 1879 war außergewöhnlich mild und das Wasser blieb offen. Pater Desilets und seine Gemeinde beteten viel und versprachen der Jungfrau Maria, die alte Kirche zu erhalten, falls sie den Bau der neuen Kirche ermöglichen würde.
Mitte März 1879 geschah das Unerwartete. Treibeis aus dem nahe gelegenen Lake St-Pierre staute sich am Cap und bildete eine schmale Brücke über den Fluss. Die Gemeindemitglieder begannen damit dieses Eis durch das Aufschütten von Wasser und Schnee zu verstärken. So gelang eseine tragfähige Bahn für Pferdeschlitten zu schaffen und das Baumaterial über den Fluss zu transportieren.
Nach einer Woche, unmittelbar nach Abschluss der Transportarbeiten, brach die Eisbrücke zusammen.
Das „Wunder der Augen“ und der internationale Durchbruch
Am 22. Juni 1888 ereignete sich das zweite Wunder, das den Ort international bekannt machte. Während eines Gebets bei der Eröffnung der Kirche berichteten drei Zeugen – darunter der selige Pater Frédéric Janssoone –, dass die Marienstatue vor ihren Augen die Lider öffnete. Seit diesem Tag pilgern Menschen aus aller Welt zu dieser besonderen Kirche in Trois-Rivières, um vor der Statue innezuhalten.

Architektur, die staunen lässt: Die moderne Basilika
Wir kamen an einem regnerischen Tag am Sanctuaire an. Nachdem wir unser Auto auf dem großen, kostenfreien Parkplatz abgestellt hatten, zog es uns erst einmal in die Gärten. Alles ist weitläufig und grün, überall stehen Statuen und kleine Kapellen zwischen den Bäumen. Ein echtes Highlight ist der Weg direkt am Ufer des Sankt-Lorenz-Stroms.

Durch den Park führen verschiedene meditative Pfade. Der „Weg des Rosenkranzes“ (Way of the Rosary) führt an 15 Bronzestatuen vorbei, die in Frankreich gegossen wurden. Jede Station repräsentiert ein Geheimnis des Rosenkranzes. Parallel dazu existiert ein Kreuzweg (Way of the Cross) mit lebensgroßen Statuen. Die Gestaltung der Gärten folgt einem theologischen Konzept, das in einer Nachbildung der Grabeskirche von Jerusalem gipfelt.
Als der Regen etwas stärker wird „flüchten“ wir in die Kirche. Die heutige Basilika, ein imposantes Bauwerk des normannisch-gotischen Stils, wurde zwischen 1955 und 1964 errichtet. Sie steht aufgrund des schwierigen Untergrunds aus Sand und Lehm auf 195 Fundamentpfähle, die bis zu 27,5 Meter tief in den Boden getrieben wurden.

Das Kirchenschiff ist riesig, hier haben 1.660 Personen Platz. Sehr interessant finde ich die oktogonale Form und die pyramidenförmige Kuppel. Schon alleine diese Form, das Fehlen von Säulen und die Größe ließ bei mir das Gefühl aufkommen in einer Konzerthalle zu sein. Wären da nicht die wunderschönen Fenster, der Altar und die Orgel, die den Raum zu einer Kirche werden lassen.
Die Glasmalereien des niederländischen Paters Jan Tillemans beeindruckt mich sehr. Die Fenster wurden nach mittelalterlichen Techniken gefertigt. Die Basilika beherbergt zudem eine der größten Orgeln Kanadas. Das Instrument verfügt über 5.425 Pfeifen und ein Gehäuse in Form eines Ahornblattes, das die gesamte Rückwand des Gebäudes einnimmt. Die Marienstatue steht neben dem Altar und ist umringt von brennenden Kerzen.

Besucherinformationen
Adresse
626 Rue Notre Dame E,
Trois-Rivières, QC G8T 4G9, Kanada
Anfahrt
Von Montréal oder Québec City aus ist die Kirche in Trois-Rivières perfekt über den Highway 40 (Autoroute Félix-Leclerc) zu erreichen.
Parken
Es gibt großzügige kostenlose Parkplätze direkt am Standort, einschließlich einiger Stellplätze für Wohnmobile.
Öffnungszeiten
Basilika
Montag – Samstag: 9 – 20 Uhr
Sonntag: 8 – 20 Uhr
Gärten
Zugänglich bis 21:30 Uhr<
Beste Besuchszeit: Wenn du die Stille suchst, komm unter der Woche. An Sonntagen finden oft mehrere Messen statt, dann ist es in der Basilika deutlich voller.
Barrierefreiheit
Die Basilika und die Gärten sind für Personen mit Rollstühlen oder eingeschränkter Mobilität zugänglich. Rampen und ebenerdige Zugänge sind vorhanden.
Kleiderordnung
Es wird um eine dezente und respektvolle Kleidung gebeten, die dem Charakter eines sakralen Ortes entspricht.
Sprache
Informationen und Führungen sind in Französisch und Englisch verfügbar.
FAQs
Muss man religiös sein, um das Heiligtum zu besuchen?
Nein. Viele Besucher kommen wegen der Kunst, der Geschichte oder der Ruhe in den Gärten.
Gibt es eine Eintrittsgebühren?
Der Zugang zum Gelände und zu den Kirchen ist frei. Für bestimmte geführte Touren (z. B. Glasmalerei-Tour) oder Konzerte wird oft eine freiwillige Spende von etwa 10 $ vorgeschlagen.
Kann man vor Ort übernachten?
Das Heiligtum selbst bietet keine direkten Hotelzimmer an, aber es gibt zahlreiche Unterkünfte in der unmittelbaren Umgebung von Trois-Rivières.
Was bietet das Museum des Heiligtums?
Das Museum beherbergt Artefakte zur Geschichte des Standorts, Dokumente zu den Wundern und eine Sammlung, die dem Leben des seligen Pater Frédéric Janssoone gewidmet ist. Der Zugang ist oft auf Anfrage oder zu speziellen Zeiten (z. B. während des Heritage Days) möglich.
Darf ich meinen Hund mitbringen?
Das Mitbringen von Tieren in die Gärten ist untersagt. Ausgenommen hiervon sind ausschließlich zertifizierte Assistenzhunde.
Gibt es ein Restaurant?
Ja. Das Restaurant L’ESCALE bietet kanadische und québecer Küche direkt auf dem Gelände mit Blick auf den Fluss. Es ist ratsam, für größere Gruppen Reservierungen vorzunehmen.
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