Das Stift Melk ist eines der bekanntesten Wahrzeichen Österreichs. Mit seiner leuchtend gelben Fassade thront es über der Donau und gehört zum UNESCO-Welterbe Wachau. Wer schon einmal aus der Ferne einen Blick auf diesen gewaltigen Bau geworfen hat, versteht die Faszination. Seit fast 1.000 Jahren leben und arbeiten hier Benediktinermönche. Einen Besuch im Stift Melk gehört bei einer Reise durch die Wachau einfach dazu.

Mehr als nur ein Fotomotiv: Ein kurzer Blick in die Geschichte
Bevor die Mönche einzogen, war der Melker Felsen ein strategisch wichtiger Punkt. Im 10. Jahrhundert befand sich hier die Residenz der Babenberger, der ersten Herrscherdynastie Österreichs. 1089 übergab Markgraf Leopold II. die Burg an Benediktinermönche aus Lambach. Seither leben und wirken die Mönche hier nach der Regel des heiligen Benedikt.
Im 15. Jahrhundert war das Kloster Ausgangspunkt einer der bedeutendsten Klosterreformen im deutschsprachigen Raum. Die “Melker Reform” zielte darauf ab, das geistliche Leben wieder strenger an der Ordensregel auszurichten. Dieses führte zu einer kulturellen Blütezeit in Melk. Die Bibliothek wuchs, und die Schreibstube (Skriptorium) produzierte kostbare Handschriften, die noch heute im Stift lagern.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wollte der damalige Abt Berthold Dietmayr die Bedeutung des Klosters auch architektonisch untermauern. Es begannen gewaltige Umbaumaßnahmen, die das Kloster in den Barockbau verwandelten, den wir heute bewundern. Berühmte Künstler der Zeit schufen prunkvolle Innenräume, Deckenfresken und die weltberühmte Bibliothek.
Heute ist Stift Melk ein Zentrum für Kultur, Bildung und Spiritualität. Es beherbergt das älteste Gymnasium Österreichs mit rund 900 Schülern und zieht jährlich über eine halbe Million Besucher aus aller Welt an.
Unser Rundgang: So läuft die Besichtigung ab
Ein Rundgang durch die historischen Räumlichkeiten dauert etwa eine Stunde. Es werden geführte Touren angeboten, zu bestimmten Zeiten kann man das Stift aber auch ganz individuell in seinem eigenen Tempo erkunden.
Wichtiger Hinweis vorab: In den Innenräumen ist das Fotografieren streng verboten. .
Das Äußere: Gigantische Ausmaße in “Schönbrunner Gelb”
Bevor unser Rundgang durch die Innenräume begann, haben wir die Anlage von außen auf uns wirken lassen. Und das Ausmaß ist schlichtweg beeindruckend: Mit einer Länge von etwa 320 Metern ist das Stift eines der größten geschlossenen Barockensembles der Welt. Allein die Südfront (der Kaisertrakt) erstreckt sich über 240 Meter.
Fun Fact: Die Fensterfront des Stiftes zur Donau hin hat genau 365 Fenster, eines für jeden Tag im Jahr. Insgesamt besitzt der riesige Bau sogar 1.365 Fenster. Man scherzt hier gerne, dass ein Angestellter das ganze Jahr über nur damit beschäftigt sei, sie zu putzen!

Markant ist die warme, gelbe Fassade, in dem berühmte “Schönbrunner Gelb”, die im Sonnenlicht über der Donau leuchtet.
Die Architektur folgt einer klaren Hierarchie, die uns als Besucher von der Außenwelt immer tiefer in das geistliche Zentrum führt. Wir starten am Torbau im Osten, der von zwei Basteien flankiert wird. Spannend: Die südliche ist eine echte Wehranlage aus dem 17. Jahrhundert, die nördliche wurde aus rein optischen Symmetriegründen einfach nachgebaut.

Als Nächstes betritt man den trapezförmigen Prälatenhof. Durch seine geschickte Form lenkt er den Blick automatisch auf die majestätische Kuppel der Stiftskirche. Hier, zwischen Prophetenstatuen und barocken Giebelmalereien, befindet sich auch der Eingang zum Stiftsgymnasium.

Das Stiftsmuseum: Von Kaisern und kuriosen Särgen
Über eine imposante Treppe betreten wir nun das Innere und stehen im Kaisertrakt. Hier verläuft der Kaisergang, der fast 200 Meter lang ist. An den Wänden hängen Porträts aller österreichischen Herrscher (Babenberger und Habsburger).

Tipp: Achtet mal auf die kleinen Holztüren in Bodennähe! Sie dienten früher den Bediensteten dazu, die angrenzenden herrschaftlichen Räume ungesehen zu beheizen.
In den ehemaligen Kaiserzimmern befindet sich heute ein hochmodernes Museum. Die Ausstellung unter dem Titel “Unterwegs vom Gestern ins Heute” ist hochmodern gestaltet und nutzt Lichteffekte, Multimedia und Kunstinstallationen, um die über 900-jährige Geschichte des Klosters zu erzählen. Jeder Raum widmet sich einem eigenen Thema.
Meine persönlichen Highlights der Ausstellung:
Der Josephinische Sparsarg: Ein wirklich skurriles Objekt aus dem 18. Jahrhundert. Der Sarg hat eine Bodenklappe, damit der Leichnam direkt ins Grab fallen und der Holzsarg wiederverwendet werden konnte – ein ebenso pragmatischer wie letztlich gescheiterter Versuch von Kaiser Joseph II., Holz zu sparen.

Das Melker Kreuz: Eine kostbare Reliquie aus dem 14. Jahrhundert. Im Museum wird oft eine beeindruckende Videoprojektion dazu gezeigt, da das Original nur selten direkt ausgestellt wird.
Der Breu-Altar: Ein bedeutender spätgotischer Flügelaltar aus dem Jahr 1502.

Historische Schätze: Prunkvolle Gewänder (Paramente), mittelalterliche Handschriften und barocke Kunstwerke, die den Reichtum und die Bedeutung des Stiftes zeigen.
Der Marmorsaal und seine optische Täuschung
Dieser prunkvolle Festsaal diente einst als Speise- und Empfangssaal für den kaiserlichen Hof. Der “Marmor” an den Wänden ist zum Teil hochwertiger Stuckmarmor (Gipsmarmor), was im Barock als handwerklich besonders edel galt.
Das eigentliche Highlight ließ mich aber wortwörtlich nach oben starren: die Decke. Steht man genau in der Mitte des Saals, wirkt das Deckenfresko wie eine stark gewölbte, nach oben geöffnete Kuppel. Dieser 3D-Effekt ist eine absolut geniale optische Täuschung! Geht man ein paar Schritte an den Rand des Raumes, bricht die Illusion und man erkennt plötzlich die stark verzerrt gemalten Säulen.

Über die Altane, den großen, bogenförmigen Balkon, der Marmorsaal und Bibliothek verbindet, gelangen wir ins Freie. Hier weht einem der Wind um die Nase, während man einen traumhaften Blick auf das Donautal und die Stadt Melk genießt.
Dreht man sich um, blickt man direkt auf die gewaltige Westfassade der Stiftskirche mit ihren beiden markanten barocken Haubentürmen und der 64 Meter hohen Kuppel. Zwischen den Türmen thront triumphierend die Statue des auferstandenen Christus.

Mein absolutes Highlight: Die Stiftsbibliothek
Schon bevor ich überhaupt einen Blick auf die massiven Holzregale werfen konnte, empfing mich das, was ich an alten Bibliotheken am meisten liebe: dieser unnachahmliche, beruhigende Duft von altem Leder, Holz und jahrhundertealtem Papier.

Der Raum ist atemberaubend. Die hohen, dunklen Regale bilden gemeinsam mit dem prächtigen Deckenfresko den perfekten Rahmen für zehntausende goldverzierte Buchrücken. Etwa 100.000 Bände lagern hier, darunter 1.800 unschätzbar wertvolle Handschriften. Für mich ist dies zweifellos eine der schönsten Bibliotheken, die ich je betreten durfte. Ein Ort, an dem man am liebsten stundenlang verweilen möchte.

Wir verlassen diesen magischen Raum über eine kunstvolle Wendeltreppe und treten direkt in das spirituelle Herzstück der Anlage.
Purer Prunk: Die Stiftskirche
Die Kirche dominiert nicht nur von außen die Silhouette, sondern raubt einem auch im Inneren den Atem. Sie ist als “Theatrum Sacrum” (heiliges Theater) konzipiert und soll den Gläubigen die überwältigende Herrlichkeit Gottes demonstrieren.
Das Konzept geht auf: Sobald man den Raum betritt, wird man von einer regelrechten Flut aus Gold, Stuckmarmor und warmem Licht gefangen genommen. Die rötlichen Brauntöne in Kombination mit dem massiven Goldeinsatz schaffen eine glühende, fast schon unwirkliche Atmosphäre. Man weiß ehrlicherweise kaum, wohin man in dieser Kirche zuerst schauen soll!

Mein Blick wandert unweigerlich zum Hochaltar, über dem eine riesige goldene Krone schwebt, die den Sieg des Glaubens symbolisiert. Wahre Meisterwerke sind auch die goldverzierte Kanzel und die Deckenmalereien:
- Das Kuppelfresko: Es zeigt die Öffnung des Himmels. Durch die enorme Höhe von 64 Metern und die großen Fenster wirkt dieser Bereich extrem lichtdurchflutet und leicht.
- Das Langhausfresko: Hier wird der Triumphzug (Via Triumphalis) des heiligen Benedikt in den Himmel dargestellt.

Ich war von der Wucht und Detailverliebtheit dieses Raumes wirklich tief beeindruckt.
Durchatmen im Stiftspark: Eine grüne Oase
Da wir nach der Führung noch etwas Zeit hatten, ließen wir unseren Besuch im wunderschönen Stiftspark ausklingen. (Hinweis: Für den Park wird die Eintrittskarte benötigt, der Zugang ist inklusive, aber nur einmalig möglich!)

Der ab 1750 konzipierte Garten ist der perfekte Ort, um die vielen Eindrücke aus dem Inneren sacken zu lassen. Gleich nach dem Eingang betritt man einen streng angelegten Bereich mit breiten Wegen. Diese führen vorbei an einem Springbrunnen zu dem barocken Lusthaus. Wer Lust hat, kann sieses besuchen und den Innenraum mit den exotischen, farbenfrohen Fresken von Johann Bergl bewundern.

Mich persönlich zog es aber schnell weiter in den hinteren Bereich, der im lockeren englischen Stil gestaltet ist. Hier führen verschlungene, schattige Pfade unter altem Baumbestand hindurch. Die friedliche Ruhe, die dieser Teil des Parks ausstrahlt, war der perfekte und entspannte Abschluss für unseren Ausflug.
Besucherinformationen
Adresse
Stiftsstr. 1,
3390 Melk, Österreich
Anfahrt
mit dem Auto
Über die A1 (Abfahrt Melk)
mit der Bahn
In Melk gibt es einen Bahnhof. Von dort benötigt man zu Fuß etwa 10-15 Minuten zum Stift Melk.
mit dem Fahrrad
Es gibt 80 Fahrradständer direkt am Eingang mit Schließfächern für Helme.
Parken
Auf dem großen Stiftsparkplatz parken Sie als Besucher kostenlos, wenn Sie Ihr Ticket an der Kasse entwerten lassen.
Öffnungszeiten
1. April – 31. Oktober:
9 – 17:30 Uhr (Mit oder ohne Führung möglich)
2. November – März:
11 Uhr, 13:30, 15Uhr (nur mit Führung möglich)
Sa, So & Feiertage im Winter:
10 – 16:30 Uhr (Mit oder ohne Führung möglich)
Eintrittspreise
Erwachsene:16,- € (Führung + 4,-€)
Barrierefreiheit
Aufzüge:
Vom großen Parkplatz führt ein moderner Lift direkt zum Stiftsweg hinauf, sodass Sie keine Treppen steigen müssen. Auch im Inneren des Gebäudes sind das Museum, der Marmorsaal, die Bibliothek und die Kirche über Aufzüge zugänglich.
WCs:
Behindertengerechte Toiletten finden Sie am großen Parkplatz, im ersten Innenhof und direkt bei der Kaiserstiege.
Gastronomie:
Das Stiftsrestaurant ist komplett barrierefrei erreichbar.
FAQ
Darf mein Hund mitkommen?
Vierbeiner dürfen leider nicht in die Innenräume oder in den Park (Ausnahme: Assistenzhunde).
Gibt es eine Kleiderordnung?
Da es ein Kloster ist, wird um angemessene Kleidung gebeten.
Gibt es einen Shop und ein Restaurant?
Im Klostershop gibt es regionale Spezialitäten wie den Marillenlikör „Magensonne“ oder das Stifts-Bier. Das Stiftsrestaurant sorgt für das leibliche Wohl.
Wieviel Zeit sollte man für den Besuch einplanen?
Planen Sie für Ihren Aufenthalt (inklusive Garten und Bastei) etwa 2,5 bis 3 Stunden ein.
Der Besuch im Stift Melk und die Fotogenehmigung in den Innenräumen erfolgte mit der Genehmigung der Presseabteilung des Benediktinerstift Melk.
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