Es gibt mehrere Möglichkeiten nach Roosevelt Island zu fahren. Ich war mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs und musste mich entscheiden: unterirdische Anfahrt mit der Metro oder die Fahrt mit der Roosevelt Island Tramway, einer Seilbahn über den East River.
Für mich war ganz klar es sollte die Fahrt mit der Seilbahn werden.
Die Anreise: Spektakulärer Ausblick mit der Tramway
Die Station auf dem Festland befindet sich an der Kreuzung 59th Street und Second Avenue in Manhattan. Man erreicht sie gut mit der Metro. Zunächst stand ich eine Weile noch auf der Straße und beobachtete die fahrenden Seilbahnkabinen.

Eigentlich war diese Verbindung, als sie 1976 eröffnete, nur als Provisorium gedacht. In den 1970er Jahren wurde Roosevelt Island von einer reinen Krankenhaus-Insel (mit Anstalten und Kliniken) zu einem modernen Wohnviertel mit ambitionierten Wohnprojekten umgestaltet. Das Problem: Es gab keine direkte Verbindung für Fußgänger oder Autos von Manhattan aus. Die einzige Straßenverbindung führte über eine Brücke von Queens (Long Island City).
Die geplante U-Bahn-Anbindung (die heutige Linie F) verzögerte sich aufgrund der New Yorker Finanzkrise immer wieder und war jahrelang nicht absehbar. Man brauchte dringend ein Transportmittel, das die neuen Bewohner schnell und effizient direkt nach Midtown Manhattan bringen konnte. Entworfen und errichtet wurde die Bahn von einem der damals weltweit führenden Unternehmen für Seilbahnbau aus der Schweiz. Sie war die erste Luftseilbahn für den Nahverkehr in den USA.
Ein Wahrzeichen, das bleiben durfte
Die ursprüngliche Planung sah vor, dass sobald die U-Bahn-Station auf der Insel fertiggestellt sein würde, sollte die Tramway wieder abgerissen werden. Als die U-Bahn 1989 schließlich eröffnet wurde, war die Seilbahn jedoch bereits so populär bei den Bewohnern und Touristen, dass man beschloss, sie beizubehalten. Sie wurde zu einem festen Bestandteil der New Yorker Skyline und ein Wahrzeichen der Stadt (berühmt geworden auch durch Filme wie Spider-Man oder King Kong).

Das Erlebnis: Pures Kino während der Fahrt
Mit dem Fahrstuhl gelange ich zur Plattform, von der die Fahrt startet. Die Gondeln verkehren extrem häufig – in der Regel alle 7 bis 15 Minuten. Von frühmorgens bis tief in die Nacht (unter der Woche bis 2:00 Uhr, am Wochenende bis 3:30 Uhr). So muss man wirklich nicht lange warten.

Sobald sich die Türen der markanten roten Kabinen schließen und die Gondel sanft aus der Station gleitet, verändert sich die Perspektive. Während unten der gelbe Strom der Taxis im Stau verharrt, steigt man lautlos empor. Die Fahrt dauert nur etwa vier Minuten, doch diese Zeit ist pures Kino: Zur Rechten ragt die stählerne Konstruktion der Queensboro Bridge so nah auf, dass man meint, die Nieten zählen zu können. Zur Linken öffnet sich das Panorama von Midtown Manhattan mit dem Chrysler Building und dem UN-Hauptquartier.

Mein Tipp: Versuchen Sie, in Fahrtrichtung Roosevelt Island auf der linkenSeite oder ganz vorne/hinten an den Fenstern zu stehen, um den ungehinderten Blick auf die Skyline zu genießen. Dazu muss man allerdings beim Einsteigen schnell sein, da gefühlt jeder gerne einen Fensterplatz haben möchte.

Viel zu schnell war die Fahrt vorbei und ich war auf Roosevelt Island angekommen.
Die Insel: Eine Oase der Ruhe
Sobald man die Station der Tramway verlässt, passiert etwas Merkwürdiges: Das typische New Yorker Grundrauschen, dass einen den ganzen Tag begleitet verstummt. Es ist, als hätte jemand die Stadt auf „Stumm“ geschaltet.
Man schlendert über die Main Street, die mit ihren Backsteinhäusern und kleinen Läden eher an eine beschauliche Kleinstadt in Neuengland erinnert als an die bevölkerungsreichste Metropole der USA. Der Kontrast könnte nicht größer sein. Auf der anderen Seite des Flusses blickt man auf die monumentale Kulisse von Midtown Manhattan auf. Man sieht das UN-Hauptgebäude und das Chrysler Building.

Das Smallpox Hospital: Eine Ruine mit Geschichte
Mich zog es zur Südspitze der Insel. Hier befindet sich das Smallpox Hospital und der Franklin D. Roosevelt Four Freedoms State Park. Zwei Orte, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Das Smallpox Hospital (auch bekannt als Renwick Ruin) ist einer der mysteriösesten Orte in ganz New York. Es ist die einzige Ruine der Stadt, die im National Register of Historic Places gelistet ist.
Mitte des 19. Jahrhunderts (eröffnet 1856) war Pocken (Smallpox) eine verheerende Seuche in New York. Da die Krankheit hochgradig ansteckend war, suchte man nach einem Ort zur Isolation der Patienten. Roosevelt Island (damals noch Blackwell’s Island) war ideal, da man die Kranken per Boot auf die Insel bringen und dort sicher vom Rest der Bevölkerung trennen konnte. Nachdem die Pocken durch Impfungen zurückgedrängt wurden, diente das Gebäude als Schwesternschule, bevor es in den 1950er Jahren endgültig aufgegeben wurde und verfiel.

Ich erreiche die Ruine des Baus. Die grauen Granitwände stehen noch, aber das Dach und die Innenböden sind längst eingestürzt. Die leeren, spitzbogigen Fensterhöhlen lassen den Himmel hindurchscheinen. Efeu und wilde Pflanzen ranken sich um das Gestein. Wäre nicht der strahlend blaue Himmel sondern Nebel gewesen. Hätte man mir diesen Ort durchaus als eine Kulisse eines Horrorfilms verkaufen können.
Franklin D. Roosevelt Four Freedoms State Park
Ich laufe weiter zur Südspitze von Roosevelt Island und das Bild ändert sich. Der Park wandelt sich hin zu einer Welt aus strenger Geometrie und strahlendem Weiß. Das spitz zulaufende Gelände führt mich unweigerlich nach vorne, dem offenen Wasser entgegen. Da es recht warm ist freue ich mich über die zwei Reihen perfekt gestutzter Linden entlang des Weges. Geben Sie doch etwas Schatten.

Das Herzstück ist der sogenannte “Room” an der äußersten Spitze. Es ist ein quadratischer Platz ohne Dach, umschlossen von massiven, 36 Tonnen schweren Granitblöcken aus North Carolina. In den Granit sind die Worte eingraviert, die dem Park seinen Namen gaben. Es sind Auszüge aus Roosevelts berühmter Rede von 1941, in der er die vier grundlegenden Menschenrechte beschwor:
1. Redefreiheit (Freedom of speech)
2. Religionsfreiheit (Freedom of worship)
3. Freiheit von Not (Freedom from want)
4. Freiheit von Furcht (Freedom from fear)
Für mich war das zwar schon beeindruckend, aber als ich schließlich ganz vorne in der Spitze des Parks stehe, ist der Blick auf das UN-Hauptquartier direkt gegenüber und die glitzernde Skyline von Long Island City auf der anderen Seite einfach unbeschreiblich schön.
Besucherinformationen
Öffnungszeiten
Der Park ist täglich von 9:00 bis 17:00 Uhr (oder 19:00 Uhr im Sommer) geöffnet.
Wichtig: Am Dienstag ist der Park geschlossen.
Preise
Seilbahn
Eine einfache Fahrt kostet 3,- $. Es gibt keine speziellen Touristentickets; Sie zahlen ganz einfach mit Ihrem Smartphone (Apple Pay/Google Pay), einer kontaktlosen Kreditkarte.
Park
kostenfrei
Barrierefreiheit
Seilbahn:
Stationen sind mit Aufzügen ausgestattet. Die Gondeln sind ebenerdig befahrbar und bieten viel Platz für Rollstühle und Kinderwagen.
Auf der Insel:
Der kostenlose „Red Bus“ (Kneeling-Busse mit Rampen) umrundet die Insel.
Park:
Ein spezieller Lift bringt Besucher zum oberen Bereich („Room“). Die Wege aus Granitkies sind gut befahrbar. Barrierefreie Toiletten finden Sie am Besucherzentrum und im Southpoint Park.
FAQ
Die Seilbahn (Roosevelt Island Tramway)
Was kostet die Fahrt?
Eine einfache Fahrt kostet 2,90 $. Es gibt keine speziellen Touristentickets. Sie zahlen ganz einfach mit Ihrem Smartphone (Apple Pay/Google Pay), einer kontaktlosen Kreditkarte oder der MetroCard.
Wo fährt die Seilbahn in Manhattan ab?
Die Station befindet sich an der 59th Street & 2nd Avenue.
Wie oft fährt die Gondel?
In der Regel alle 7 bis 15 Minuten. Die Fahrt dauert etwa 4 bis 5 Minuten.
Die Insel
Wie viel Zeit sollte ich einplanen?
Für einen entspannten Spaziergang von der Seilbahnstation bis zur Südspitze und zurück sollten Sie etwa 2 bis 3 Stunden einplanen.
Wie bewege ich mich auf der Insel fort?
Am besten zu Fuß entlang der Uferpromenaden. Alternativ gibt es den „Red Bus“, einen kostenlosen Shuttle-Bus, der die ganze Insel umrundet.
Gibt es öffentliche Toiletten und Cafés?
Ja, im Bereich der Main Street und am Cornell Tech Campus gibt es Cafés und Restaurants. Öffentliche Toiletten finden Sie im Besucherzentrum (nahe der Tram-Station) und im Four Freedoms Park.
Darf man das Smallpox Hospital betreten?
Nein. Aufgrund von Einsturzgefahr ist die Ruine eingezäunt. Man kann sie aber von der Promenade aus hervorragend sehen und fotografieren.
Veröffentlicht: 30. August 2026
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