Es gibt Orte auf dieser Welt, die die Zeit scheinbar anhalten. Es sind Orte, die so emotional geladen sind, dass mir das Schreiben darüber schwerfällt. Ground Zero in New York ist genau so ein Ort, der mich persönlich tief berührt hat.
Das Rauschen inmitten von Manhattan
Mit der Metro geht es Richtung Lower Manhattan. Bilder des Ortes spucken mir durch den Kopf – aus der Vergangenheit und der Gegenwart. Aber ehrlich gesagt, vorbereitet war ich auf diesen Besuch nicht wirklich.

Wer den South Pool des 9/11 Memorials in Manhattan erreicht, den trifft erst einmal die Akustik. Mitten im tosenden Chaos von New York City, zwischen hupenden Taxis und dem geschäftigen Treiben der Wall Street, dominiert hier ein konstantes, tiefes Rauschen. Es ist das Geräusch von Tonnen an Wasser, die in die Tiefe stürzen.
Was mir neben dem unbeschreiblichen Rauschen auffällt ist das Verhalten der Menschen. Sie stehen beisammen, flüstern miteinander oder schweigen ehrfürchtig.
Der 11. September 2001 auf einen Blick – die reinen Fakten
Das Ereignis:
Vier Terroranschläge mittels entführter Verkehrsflugzeuge.
Die Orte:
- New York City: World Trade Center (Nord- und Südturm).
- Arlington: Das Pentagon (Hauptsitz des US-Verteidigungsministeriums).
- Shanksville: Ein Feld in Pennsylvania (Absturz von Flug UA93).
Protokoll der Katastrophe
An jenem Dienstagmorgen entführten 19 Terroristen des Netzwerks Al-Qaida insgesamt vier Passagiermaschinen an der US-Ostküste. Sie nutzten die Flugzeuge als bemannte Raketen, um Symbole der wirtschaftlichen und militärischen Macht der USA anzugreifen.
08:46 Uhr: American Airlines Flug 11 schlägt im Nordturm (WTC 1) ein (Stockwerke 93–99). Er kollabiert 102 Minuten nach dem Einschlag.
09:03 Uhr: United Airlines Flug 175 rast live vor den Augen der Weltpresse in den Südturm (WTC 2). Der Südturm stürzt nach 56 Minuten in sich zusammen.
09:37 Uhr: American Airlines Flug 77 schlägt im Pentagon in Washington D.C. ein.
10:03 Uhr: United Airlines Flug 93 stürzt bei Shanksville (Pennsylvania) ab, nachdem Passagiere Widerstand leisteten.
Die Opfer:
- Insgesamt 2.977 Todesopfer.
- Menschen aus über 90 Nationen.
- Über 6.000 Verletzte am Tag selbst und Zehntausende Erkrankte durch Spätfolgen.
Die Leere, die bleibt
Nachdem die Trümmer beseitigt waren, stellte sich die bange Frage: “Was geschieht nun an diesem Ort?” Es dauerte Jahre, bis die Entscheidung fiel, die Fußabdrücke der Zwillingstürme nicht wieder zu bebauen.

Am 11.9.2011, also genau 10 Jahre nach der Tragödie, wurde die Gedenkstätte eröffnet.
Es ist kein Monument, das stolz in den Himmel ragt. Dort, wo einst die Zwillingstürme standen, klaffen heute zwei riesige, quadratische Becken. Jedes Becken ist knapp 4.000 m² groß und von allen vier Seiten stürzt das Wasser in die Tiefe. Es handelt sich um die größten von Menschenhand geschaffenen Wasserfälle in Nordamerika.

Der Entwurf der gesamten Anlage stammt von den Architekten Michael Arad und Peter Walker, die sich gegen mehr als 5.000 Einsendungen aus 63 Nationen durchsetzten.
Unter der Oberfläche: Das 9/11 Memorial Museum
Direkt unter dem Memorial befindet sich das 9/11 Memorial Museum. Es ist ein Ort, der die rohe Gewalt des Einsturzes begreifbar macht. Hier lagern Artefakte wie die “Last Column” (die letzte Säule, die von Ground Zero entfernt wurde) und zerquetschte Feuerwehrautos. Lange hatte ich überlegt, ob ich das Museum besuche und habe mich schließlich dagegen entschieden. Schon alleine der Platz hat mich emotional so berührt, dass das Museum wahrscheinlich meine Grenzen überschritten hätte.
Über dem Gelände wacht heute das neue One World Trade Center, das mit 1.776 Fuß (541 Meter) symbolisch in den Himmel ragt.

Inmitten dieser Leere gibt es einen Ort, der buchstäblich Wurzeln geschlagen hat: den Survivor Tree. Dieser kleine Birnbaum wurde nach den Anschlägen fast völlig zerstört aus den Trümmern geborgen. Dass er heute wieder hier blüht, wirkt fast wie ein Wunder. Er ist vernarbt, aber er steht und ist damit zum wichtigsten Symbol für die Hoffnung am Ground Zero geworden.
Wenn Namen zu Schicksalen werden
Ich stehe an den Becken und blicke in das Loch. Das Wasser fließt an den Wänden hinab in ein Zentrum, das ich nicht sehen kann. Rund um die Becken sind die Namen der 2.983 Opfer (darunter auch die Opfer des Anschlags von 1993) graviert.

Wenn ich mit den Fingern über die Buchstaben streicht, wird die Tragödie etwas greifbarer. Die Planer haben die Namen nicht alphabetisch geordnet, sondern nach den Beziehungen, die die Menschen zueinander hatten: Kollegen, die Seite an Seite arbeiteten, oder Passagiere, die gemeinsam im Flugzeug saßen.
Ein besonders bewegender Anblick ist die weiße Rose, die jeden Tag in die ausgestanzten Buchstaben jener Opfer gesteckt wird, die an diesem Tag Geburtstag gehabt hätten. Es ist ein kleiner, leuchtender Farbtupfer gegen das dunkle Metall – ein Zeichen, dass die Liebe den Hass überdauert.
Besucherinformationen
Adresse
180 Greenwich Street,
New York, NY 10007
Anfahrt
Mit der Metro
Metro-Stationen: “World Trade Center” (E-Train), “WTC Cortlandt” (Linie 1) oder “Fulton Street”
Eintrittspreise
Eintritt Memorial:
Der Zugang zu den Außenbecken ist kostenlos und öffentlich zugänglich.
9/11 Museum:
Der Eintritt ist kostenpflichtig (ca. 33 USD). Eine Reservierung im Voraus ist dringend ratsam, da die Schlangen oft sehr lang sind.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie viel Zeit sollte ich einplanen?
Für die Gedenkstätte im Außenbereich genügen 30–45 Minuten. Wenn Sie das Museum besuchen, sollten Sie mindestens 3 Stunden einplanen, da die Ausstellungen sehr umfangreich sind.
Darf man am Ground Zero fotografieren?
Am Memorial (draußen) ist Fotografieren uneingeschränkt erlaubt.
Im Museum ist es in den meisten Bereichen gestattet, jedoch gibt es sensible Zonen (z.B. der Bereich mit den Fotos der Opfer), in denen Kameras strikt verboten sind.
Gibt es Sicherheitskontrollen?
Ja, für das Museum müssen Sie durch einen Sicherheitscheck ähnlich wie am Flughafen.
Ist das Museum für Kinder geeignet?
Das Memorial im Freien ist problemlos.
Das Museum wird aufgrund der Intensität der Bilder und Tonaufnahmen erst für Kinder ab etwa 10–12 Jahren empfohlen.
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