Tadoussac ist einer dieser Orte, die im Sommer tagsüber Touristenhotspot und abends wunderbar ruhig ist. Gelegen an der Mündung des Saguenay-Fjords in den mächtigen Sankt-Lorenz-Strom, hat uns dieses Dorf vom ersten Moment an verzaubert. Es ist das älteste Dorf Kanadas und ein echtes Naturparadies. Wir haben uns umgesehen und die schönsten Sehenswürdigkeiten in Tadoussac entdeckt – von historischen Schätzen bis hin zu spektakulären Aussichtspunkten.
Markante Wahrzeichen: Das Hôtel Tadoussac
Bei unserem Bummel durch Tadoussac kamen wir natürlich am legendären Hôtel Tadoussac vorbei. Wir konnten es gar nicht verfehlen, denn es ist sofort an seinem markanten, leuchtend roten Dach und der strahlend weißen Fassade erkennbar. Vor dem Gebäude entdeckten wir auf einem makellos geschnittenen Rasen zahlreiche kleine Sitzgruppen für die Gäste.

Das heutige Gebäude wurde 1942 im Stil der großen kanadischen Eisenbahnhotels erbaut. Hier war schon der Drehort einiger bekannter Filme, wie zum Beispiel “Hotel New Hampshire” mit Jodie Foster.
Für uns ist dieses Gebäude schlichtweg der “Hingucker” im Ort.
Auf den Spuren der Geschichte: Chauvin-Handelsposten
Tadoussac war der erste Ort in Nordamerika, an dem die Franzosen einen dauerhaften Handelsposten errichteten. Im Jahr 1600 gründete Pierre de Chauvin de Tonnetuit hier einen Posten für den Pelzhandel. Es war der Grundstein für die französische Präsenz in Kanada.

Wir haben uns die Poste de traite Chauvin angesehen, die eine originalgetreue Rekonstruktion ist. Heute beherbergt sie ein kleines, aber sehr informativ gestaltetes Museum. Es dokumentiert die Geschichte des Pelzhandels und die frühen Begegnungen zwischen den Europäern und den First Nations (Innu). Ein Muss für Geschichtsfans!
La Petite Chapelle
Offiziell heißt die wunderschöne Kirche Chapelle Sainte-Anne. Sie wurde 1747 erbaut und gilt als die älteste Holzkirche Nordamerikas, die noch im Originalzustand erhalten ist. Direkt an der Kirche entdeckten wir auch einen kleinen, idyllischen Friedhof.

Ursprünglich diente sie den Jesuiten als Missionsstation für die Bekehrung der indigenen Bevölkerung, weshalb sie oft “Indianerkapelle” genannt wird. 1615 legte Pater Jean Dolbeau den Grundstein für die Mission Sainte-Croix. Nachdem verschiedene Vorgängerbauten, darunter eine frühe Steinkapelle aus dem Jahr 1646, der Zeit zum Opfer gefallen waren, entstand auf Initiative des Jesuiten Claude-Godefroy Coquart das heutige Bauwerk. Die Kapelle wurde der Heiligen Anna (Sainte-Anne) geweiht.
Wir haben den kleinen Kirchenbau besucht. Ein Guide sitzt gleich neben der Tür und gibt einige Infos über die Kirche an jeden Besucher weiter. Wir waren bei unserem Besuch wirklich sprachlos: Hier gibt es keinen Pomp und keine gewaltigen Kuppeln. Stattdessen standen wir in einem schlichten Raum mit Holzvertäfelung, der fast wie der Rumpf eines umgedrehten Schiffes aussieht. In der Kirche konnten wir uns eine kleine Ausstellung mit religiösen Artefakten aus der Zeit der Kolonialisierung ansehen.

Unser Tipp: Geht unbedingt einmal um den Altar herum, dort könnt ihr den Kirchenschatz bewundern.
Die Kapelle ist ein besonderes Erbe hat sich bis heute erhalten: Getreu einem alten Versprechen wird jedes Jahr am 26. Juli eine feierliche Messe abgehalten – die einzige jährliche Messe, die diesen Ort.
Wale gucken vom Land aus: Sentier de la Pointe-de-l’Islet
Der Sentier de la Pointe-de-l’Islet ist zwar einer der kürzesten Wanderwege (Rundweg von 1,5 km) in Tadoussac, aber zweifellos einer der spektakulärsten. Der Weg beginnt direkt am Jachthafen (Marina) hinter dem CIMM (Walmuseum). Er führt einmal um die felsige Landspitze herum, die den Saguenay-Fjord vom Sankt-Lorenz-Strom trennt. Man braucht etwa 20 bis 40 Minuten für den Rundweg – je nachdem, wie oft man stehen bleibt, um Wale zu suchen.


Genau das ist nämlich das Besondere an dem kleinen Wanderweg. Der erste Teil führte uns durch einen kleinen Wald. Die Bäume sind hier oft bizarr geformt. Als sich der Wald öffnete, liefen wir weiter auf den typischen rötlichen Granitfelsen der Region. Hier gibt es zahlreiche Aussichtspunkte mit Bänken. Gerade wenn die Sonne auf die Felsen scheint, ist es ein wunderschöner Platz um die Aussicht zu genießen.

Das Highlight ist die Spitze der Landzunge, die wir danach erreichten. Hier erlebt man das “Zusammenfließen” der Gewässer. Das dunkle Süßwasser des Fjords trifft auf das salzige Wasser des Stroms. Dies ist der beste Ort in Tadoussac, um Wale vom Land aus zu sehen. Besonders die weißen Belugas und die kleinen Zwergwale kommen oft bis auf wenige Meter an die Felsen heran, um im nährstoffreichen Wasser zu fressen.

Ein geheimer Einblick: St. Andrew’s Presbyterian Church
Direkt gegenüber von unserem Motel stand eine kleine Kirche, die meist geschlossen war. An einem Morgen hatten wir Glück: Wir sahen jemanden hineingehen und folgten vorsichtig. In einem netten Gespräch erfuhren wir mehr über dieses Schmuckstück aus dem Jahr 1882.

Die St. Andrew’s Church zeigt den Einfluss der schottischen und englischen Siedler sowie der wohlhabenden Sommergäste im 19. Jahrhundert in Tadoussac. Denn sie entstand ursprünglich für die wachsende Gemeinschaft schottischer Presbyterianer, die oft als Händler oder Verwalter in der Region tätig waren.
Tritt man durch die Tür fühlt man sich wie in einem Schiff. Die ganze Kirche besteht aus Holz. Das war zu der Bauzeit nicht nur günstig, sondern auch in reichlichen Mengen vorhanden.

Die presbyterianische Gemeinde ist heute sehr klein ist und so wird die Kirche oft für kulturelle Zwecke genutzt. Im Sommer finden dort regelmäßig Konzerte statt, da der hölzerne Innenraum einen sehr warmen Klang erzeugt.
Alles über die Riesen der Meere: Das CIMM
Nach unserer Walbeobachtungstour auf dem Schiff war der Besuch im CIMM (Centre d’Interprétation des Mammifères Marins) für uns ein absolutes Muss.

Das Zentrum wird von der GREMM (Groupe de recherche et d’éducation sur les mammifères marins) betrieben. Das bedeutet, dass die Infos aus erster Hand von Forschern stammen, die täglich mit Walen im Fjord zu tun haben. Oft sind die Mitarbeiter vor Ort bereit, aktuelle Fragen zu beantworten (z. B. welche Wale heute Morgen in der Bucht gesichtet wurden).

Das Museum ist nicht besonders groß. Wir haben, da die Erklärungen an den Stationen auf französisch sind, ein Begleitheft in englisch erhalten. Gleich am Anfang zeigte uns eine Museumsmitarbeiterin einen Film über die Wale in der Region. Ich fand es sehr interessant und habe mich darüber gefreut, dass Sie uns zusätzliche Erklärungen auf englisch gegeben hat.

Als wir dann den Raum des Museums betreten haben standen wir vor einer beeindruckende. Sammlung von Walskeletten. Ein riesiges 13 Meter langes Pottwalskelett füllt fast den gesamten Raum aus.
Es gibt viele Multimedia-Stationen, an denen man die Walgesänge hören kann oder lernt, wie man die einzelnen Individuen (z. B. Belugas) anhand ihrer Merkmale unterscheidet. Gerade die Kinder waren vollkommen begeistert und ich muss zugeben – ich auch.

Auch wenn der Eintrittspreis nicht “günstig” ist, hat der Besuch sich gelohnt.
Naturwunder: Die Dünen von Tadoussac (Les Dunes)
Die Dünen liegen etwa 5 bis 10 Minuten Fahrtzeit (oder eine längere Wanderung) nordöstlich des Dorfzentrums. Wer mit dem Auto hinfährt findet dort direkt an der Straße eine kostenlose Parkmöglichkeit für 60 Minuten. Wenige Meter weiter befindet sich zusätzlich ein weiterer Parkplatz von dem aus ein Wanderweg startet.

Dieses Gebiet ist geologisch faszinierend und einer der beeindruckendsten Orte der Region. Es handelt sich eigentlich um zwei riesige marine Sandterrassen, die am Ende der letzten Eiszeit (vor etwa 10.000 Jahren) entstanden sind.
Wir haben zunächst direkt an der Straße geparkt. Besonders schön finde ich, dass hier einige Picknick-Tische stehen und man von dort den wunderschönen Blick auf den Lorenzstrom genießen kann. Es gibt auch eine kleine Aussichtsplattform, von der der Blick noch beeindruckender ist.


Wer es sich zutraut kann die Düne heruntergehen und gelangt so zum Ufer des Flusses. Aber Achtung! Bitte denkt daran, runter ist einfach – schwierig wird es in dem weichen Sand auch wieder nach oben zu gelangen. Es gibt keine! befestigten Wege, auch wenn der Trampelpfad danach aussieht. Der Sand rutscht immer wieder nach und der Hang ist sehr steil. Ohne körperliche Fitness ist das kaum machbar.


Wer sich allerdings bis zum Strand getraut hat, kann hier wunderschön am Wasser entlang laufen. Wir haben einen wunderschönen Spaziergang unternommen, bevor wir uns wieder auf den Weg nach oben gemacht haben.

Vom zweiten Parkplatz aus führt ein beschilderter Wanderweg durch den Wald und über Felsen zu einer weit über dem Fluss liegenden Aussichtsplattform. Während wir dort unterwegs waren frischte der Wind so stark auf, dass um uns herum die Bäume unheimlich knackten und knarrten. Selbst die überdachte Aussichtsplattform, die direkt an einem steilen Abhang steht knarrte so, dass wir nur “schnell” einige Fotos gemacht haben und dann lieber wieder zurück zum Auto gegangen sind. Der Blick war wirklich atemberaubend schön und bei etwas weniger Wind wären wir bestimmt noch eine ganze Weile dort sitzen geblieben.


Tipp: Bei Ebbe ist der Strand sehr breit und man kann toll barfuss über den nassen Bereich laufen und auch kleine Tiere entdecken.
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