Wer dem Trubel der Touristenmassen entfliehen und ein Stück echtes München erleben möchte, findet im Stadtteil Neuhausen-Nymphenburg den Taxisgarten. Dieser traditionsreiche Biergarten ist selbst unter Einheimischen noch ein Geheimtipp und verspricht eine unvergleichliche Mischung aus historischem Flair, kulinarischem Genuss und herzlicher Geselligkeit.
Vom Post-Adel zum Biergenuss: Das Geheimnis des Namens
Der Name Taxisgarten lässt vielleicht an motorisierte Droschken denken, doch die wahre Geschichte ist weitaus adeliger. Ganz klar, der Name hat nichts mit Taxis oder Taxifahrern zu tun. Der Name leitet sich schlicht von seiner Lage an der Taxisstraße ab. Die Straße ist nach dem Adelsgeschlecht der Thurn und Taxis benannt. Diese Pioniere schufen im 15. und 16. Jahrhundert das erste moderne Postsystem Europas. Der Name „Taxis“ selbst ist eine eingedeutschte Form des italienischen „Tasso“, was „Dachs“ bedeutet – das stolze Wappentier der Familie.

Ein Jahrhundert voller Geschichten: Von der Fürsorge zum Genuss
Die Geschichte des Taxisgarten beginnt nicht etwa mit Bier, sondern mit Fürsorge. Im Jahr 1920 gründete eine Gruppe von schwer verwundeten Veteranen des Ersten Weltkriegs den „Verein Erholungspark für Kriegs- und Körperbeschädigte München“. Sie sammelten Spendengelder in der Bevölkerung und bei Unternehmen. Nur knapp ein Jahr später konnte der Erholungspark eröffnet werden. Er umfasste ein Gesellschaftshaus, eine Liegehalle und sogar ein Schwimmbecken.
Um die Erholungseinrichtungen finanzieren zu können, entstand die Idee einen Biergarten im Park zu betreiben. 1924 öffnete er für die Öffentlichkeit und die Einnahmen halfen über viele Jahre bei der Erhaltung des Geländes.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Festsaal zum beliebten „Park-Kino“, einem kulturellen Treffpunkt für die Nachbarschaft, bevor er 1971 wieder der Gastronomie wich. Seit 1982 wird diese Münchner Institution von einer renommierten Gastronomenfamilie geführt.

Die Philosophie des Taxisgartens
Familie Haberl, die den Taxisgarten betreibt, ist auch für zwei weitere Münchner Institutionen verantwortlich: den Biergarten am Chinesischen Turm und das weltberühmte Ochsenbraterei-Zelt auf dem Oktoberfest.
Das Kernprinzip der Gastronomen lautet, dass alles vor Ort in einer großen, eigenen Küche frisch zubereitet wird. Dabei legt der Betreiber Wert auf die Verwendung regionale Produkte von bayrischen Partnern. Selbst die Brezn werden den ganzen Tag über frisch vor Ort gebacken, um maximale Knusprigkeit zu garantieren. Das ist schon ein großer Unterschied zu anderen Biergärten, wo die Brezn oft den ganzen Tag in Körben liegen und immer pappiger werden.

Das soziale Erbe des Taxisgartens wird auch heute noch gepflegt. Durch die Zusammenarbeit mit einer gemeinnützigen Inklusionsfirma ermöglicht man wertvolle Arbeitsplätze in der Gastronomie.
Ein Prosit der Gemütlichkeit: Die unvergleichliche Atmosphäre
An einem lauen bayerischen Sommerabend gibt es kaum etwas Schöneres. Das Knirschen von Kies unter den Füßen und das Sonnenlicht, das durch ein dichtes Blätterdach uralter Kastanienbäume fällt. In der Luft das Summen von Gesprächen und das Klingen, wenn ein Ein-Liter-Maßkrug auf einen Holztisch trifft. Genauso begrüßte uns der Taxisgarten, als wir dort eintrafen. Doch hier mischt sich noch das Lachen von Kindern unter die Gespräche der Erwachsenen. Familien aus der Nachbarschaft treffen sich hier, genießen die Auszeit und die Kleinen erobern den wunderschönen Spielplatz.
Mit rund 1.500 Plätzen im reinen Selbstbedienungsbereich bietet der Biergarten eine angenehme Größe. Traditionell darf die eigene Brotzeit mitgebracht werden, doch wer die Schmankerl vor Ort probiert, wird es nicht bereuen.

Wir hatten Hunger und der Blick auf die Speisekarte zeigte bayerische Klassiker, aber auch etwas, was wir nicht in einem Biergarten erwartet hatten. Hier gibt es – und so liest man überall – die „besten, aber auch teuersten, Spareribs in München“. Das war für diesen Tag nicht ganz mein Geschmack. Dann schon eher die Original Haberl Ochsensemmel. Sie besteht aus feinstem Ochsenfleisch, der originalen, geheimen Soße und einer frisch gebackenen Semmel. Oder – und darauf fiel schließlich meine Wahl – Brezn mit Leberkäse und Senf. Ganz traditionell und richtig gut!

Tipp: Das umfangreiche und kreative vegan-vegetarische Angebot des Taxisgartens ist ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal in der traditionellen Biergartenlandschaft. Es reicht von Spinatknödeln über Salat Bowls bis zur veganen Ochsensemmel. Das ist bestimmt eine Versuchung wert!

Zum Essen gehört natürlich auch ein Bier. Das frisch gezapfte Bier der Hofbräu Brauerei machte den Besuch für uns komplett.
Besucherinformationen
Adresse
Taxisgarten,
Taxisstraße 12,
80637 München
Anfahrtsmöglichkeiten
Mit der U-Bahn
Linie U1 bis zur Haltestelle “Gern“, von dort sind es nur 2 Gehminuten
Parkmöglichkeiten
Es gibt einen kleinen Privatparkplatz für ca. 20 Fahrzeuge, aber die Parkmöglichkeiten in der Taxisstraße sind äußerst begrenzt. Die Anfahrt mit dem Auto wird nicht empfohlen.
Öffnungszeiten
Streng wetterabhängig – nur bei warmem und trockenem Wetter.
Überprüfen Sie immer die Website oder die sozialen Medien, bevor Sie sich auf den Weg machen.
Montag – Freitag ab 12:00 Uhr
Samstag und Sonntag ab 11:00 Uhr
Schließung erfolgt gegen 22:00–23:00 Uhr
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