Als wir das erste Mal die mächtige Silhouette der Burg Rabí über dem Fluss Otava erblickten, waren wir ehrlich gesagt sprachlos. Man begreift sofort, warum diese Anlage einst als uneinnehmbar galt: Was für gewaltige Mauern! Es ist nicht einfach nur eine alte Burg, es ist die größte Burgruine ganz Tschechiens.

Vom kleinen Posten zur Festung der Superlative
Die Geschichte von Rabí beginnt um 1350 als kleine Feste zum Schutz der wichtigen Handelswege zwischen Schüttenhofen (Sušice) und Horaschdowitz (Horažďovice). Doch aus dem strategischen Posten wurde bald einer der repräsentativsten Adelssitze Böhmens.
Unter den Herren von Riesenberg (Švihovský z Rýzmberka) wuchs die Anlage im 14. und 15. Jahrhundert zu einem gigantischen Komplex heran. Besonders Půta II. von Riesenberg, der als oberster Landesrichter über enorme Mittel verfügte, verwandelte die Burg in eine Festung der Superlative. Er holte sich vermutlich den königlichen Architekten Benedikt Reit (bekannt durch den Prager Veitsdom) um ein Verteidigungssystem zu schaffen, das selbst modernster Artillerie standhielt. Dieses ist allerdings bis heute nur eine Vermutung, denn der Baumeister ist nicht bekannt.

Wo ein legendärer Heerführer sein Auge verlor
Weltberühmt wurde Rabí jedoch durch eine Belagerung. Während der Hussitenkriege war die Burg ein Bollwerk des katholischen Adels. Im Jahr 1421 belagerte der legendäre hussitische Heerführer Jan Žižka die Festung. Ein Pfeilschuss aus einer Armbrust traf ihn so unglücklich, dass er hier sein zweites Auge verlor und fortan blind seine Truppen führte.
Ruin und Rettung: Die 1-Krone-Sensation
Půtas Nachfahren bewiesen weit weniger Geschick im Umgang mit dem Familienerbe. Sie verschuldeten sich hoffnungslos und mussten sie alles Stück für Stück verscherbeln. 1548 traf es schließlich auch die Burg Rabí.
In den folgenden Jahrhunderten tauchen Namen wie “von Rosenberg” oder “Chanovský von Langendorf” in den Grundbüchern auf. Als die Adelsfamilie “von Lamberg” die Burg übernahm, war der einstige Glanz längst verblasst.

Das Jahr 1710 markierte den Tiefpunkt: Ein verheerender Brand legte die Residenz in Schutt und Asche. Was das Feuer übrig ließ, holten sich die Dorfbewohner der Umgebung als praktisches Baumaterial für ihre Häuser. Zurück blieb eine Ruine, die nach und nach verfiel.

Die Wende kam erst 1920 mit einer fast unglaublichen Geste: Für den symbolischen Preis von nur einer Krone schenkten die Lamberger die Ruine einem lokalen Denkmalschutzverein. Damit war der Grundstein für die Rettung gelegt. 1954 übernahm der tschechoslowakischen Staat die Burg. Er erklärte sie 1978 zum Nationalen Kulturdenkmal und ließ die Ruine von 1979 bis 1985 umfassend renovieren.
Architektur, die den Atem raubt
Mit einer Fläche von rund 10.000 m² dominiert die Ruine heute die Landschaft. Drei Highlights machen den Besuch zu einem Muss:
- Der gewaltige Donjon
Der 26 Meter hohe Wohnturm bildet den Kern der Anlage. Er stammt aus dem 14.Jahrhundert und wurde von einer Wehrmauer umgeben. Diese Mauer schloss noch die Vorburg ein, die aus Wohn- und Wirtschaftshäusern bestand. Von seiner Spitze des Turms hat man einen atemberaubender Blick über den Böhmerwald. - Die gotischen Keller
Sie sind so gut erhalten, dass sie als Musterbeispiel mittelalterlicher Baukunst gelten. In den tiefsten Ebenen lassen sich sogar natürliche Tropfsteine bewundern. - Die Befestigungsringe
Die massiven Mauern und vorgeschobenen Geschützbasteien (Rondelle) zeigen den Übergang von der Ritterburg zur neuzeitlichen Festung.

Unser Highlight: Der Aufstieg und der Ausblick
Bei unserer Führung konnten wir tief in die Burganlage eintauchen. Ein kleiner Hinweis vorweg: Die Führung findet auf Tschechisch statt. Aber keine Sorge, wir bekamen ein ausführliches deutsches Booklet, in dem wir alles nachlesen konnten, und unser Guide erklärte uns einige Details sogar extra auf Englisch.


Der absolute Höhepunkt war für uns die Turmbesteigung. Zugegeben, die nachträglich eingebaute Treppe hat viele Stufen und brachte uns etwas aus der Puste. Aber die Anstrengung hat sich gelohnt! Die Aussicht über die tschechische Landschaft ist einmalig. Was uns aber fast noch mehr fasziniert hat, war der Blick von oben herab in die Ruine selbst. Erst aus dieser Vogelperspektive haben wir die gigantischen Dimensionen und den cleveren Aufbau der Anlage wirklich verstanden.


Etwas versteckt: die Burgkirche
Etwas abseits des Trubels liegt die im spätgotischen Stil errichtete Burgkirche. Sie wurde 1970 entweiht und fast verfiel. Heute erstrahlt sie dank privater und staatlicher Initiativen in neuem Glanz. Besonders sehenswert ist:
- Ein bunter Mix aus fünf Jahrhunderten Kunstgeschichte, von gotischen Fresken bis hin zu Jugendstil-Ornamenten von 1907.
- Die beeindruckende Wappengalerie
- In den Sommermonaten dient das Kirchensouterrain als Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst. Zu anderen Zeiten ist sie nicht zugänglich.

Wie kann man die Burg erkunden?
In den Sommermonaten besteht die Möglichkeit die Burganlage zu entdecken. Dem Besucher werden verschiedene Touren angeboten.
Burghof
Den Burghof kann man ohne Führung besuchen. Es ist allerdings der kleinste Bereich der Burg und bietet nur den Blick auf Turm, Mauern und den ehemaligen Pferdestall (heute Ausstellungsfläche).

Den Burghof kann man während der gesamten Öffnungszeiten kostenpflichtig besuchen.
Turm
Die Turmführung dauert etwa 45 Minuten und wird zu bestimmten Uhrzeiten in tschechischer Sprache angeboten. Der Rundgang geht durch einen großen Bereich des Burggeländes, auf den Turm und in die Kellergewölbe.

Palast
Während dieser Führung wird hauptsächlich die Geschichte und die bauliche Entwicklung der Burg Rabí betrachtet. In etwa 45 Minuten führt der Guide durch den Burghof, eine Aussichtsterrasse, die Kellerräume und in einige der erhaltenen Räume der Burg. Dort sind Modelle der Burg und archäologische Funde ausgestellt.

Unser Fazit: Wer Geschichte hautnah erleben und einen fantastischen Ausblick genießen möchte, für den ist die Burg Rabí ein absolutes Muss!
Besucherinformation
Adresse
Rabí 53,
342 01 Rabí, Tschechien
Anfahrt
Die Burg liegt etwa 10 km von Sušice entfernt.
Parken
Kostenpflichtige Parkplätze finden sich direkt im Ort Rabí, nur wenige Gehminuten vom Burgtor entfernt.
Öffnungszeiten
Turmführung, Burghof
1. 1.-1. 4.
geschlossen
2. 4.-6. 4.
Montagg, Donnerstag, Freitag, Samstag, Sonntag: 10-16 Uhr
7. 4.-30. 4.
Samstag, Sonntag: 10-16 Uhr
1. 5.-31. 5.
Dienstag-Sonntag: 9-16 Uhr
1. 6.-31. 8.
Dienstag-Sonntag: 9-17 Uhr
Palastführung
1. 1.-30. 4.
geschlossen
1. 5.-31. 5.
Samstag, Sonntag: 10-15 Uhr
1. 6.-30.6.
Samstag, Sonntag: 9-16 Uhr
1.7.-31.8.
Dienstag-Sonntag: 9-16 Uhr
1.9.-30.9.
Samstag, Sonntag: 10.30 – 15 Uhr
Eintrittspreise
Turmführung
180 CZK (Erwachsene)
Palastführung
160 CZK (Erwachsene)
Burghof
60 CZK, ohne Führung (Erwachsene)
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