Nach meinem Besuch bei der Freiheitsstatue steige ich auf die Fähre, die mich in etwa 10 Minuten nach Ellis Island bringt. Die Spannung steigt.
Bei meinen Besuchen im Auswandererhaus in Bremerhaven und im Red Star Line Museum in Antwerpen hatte ich so viel über die Auswanderer erfahren, die von dort nach Amerika aufgebrochen waren. Nun war ich praktisch am Ende ihrer Reise angekommen, an dem Ort, an dem entschieden wurde ob sie bleiben durften. Hier entschied sich zwischen 1892 und 1954 das Schicksal von über 12 Millionen Menschen.
Ein Blick, der die Welt bedeutete
Während sich die Fähre den markanten roten Backsteingebäuden nähert, gleitet der Blick zurück zur Freiheitsstatue. Es ist genau jene Perspektive, die Millionen von Einwanderern hatten. Lady Liberty war für sie das erste Zeichen von Freiheit, doch Ellis Island war die letzte, oft beängstigende Hürde vor dem neuen Leben.

Das Privileg der ersten Klasse: Warum nicht jeder auf die Insel musste
Von der Fähre geht es für mich direkt in das Gebäude, in dem auch die Einwanderer eintrafen. Interessanterweise war Ellis Island nicht für alle Pflicht. Passagiere der ersten und zweiten Klasse wurden oft direkt an Bord kontrolliert und durften in Manhattan an Land gehen. Man ging davon aus, dass sie wohlhabend genug seien, um dem Staat nicht zur Last zu fallen.

Die Passagiere der Zwischendeckklasse (Steerage) wurden mit Fähren nach Ellis Island gebracht. Der Prozess begann im Baggage Room, wo die Einwanderer ihre schweren Koffer und Bündel abgeben mussten. Auch meine “Reise” durch das Museum beginnt hier. Ich hole mir einen Audioguides (gibt ihn auch in Deutsch), mit dem ich während meines Rundganges viele spannende Geschichten und Informationen erhalten habe.
Die “Sechs-Sekunden-Diagnose”: Der Weg durch die Great Hall
Vom Baggage Room steige ich eine Treppe hinauf und gelange in den Registry Room (Great Hall). Diese Treppe war der Ort der “Sechs-Sekunden-Diagnose”. Ärzte beobachteten die Menschen beim Aufsteigen, um Anzeichen von Lahmheit, Atemnot oder allgemeiner Schwäche zu identifizieren.

Oben angekommen, wurden die Einwanderer in verschiedene Räume gebracht und dort auf über 60 Symptome hin untersucht. Besonders gefürchtet war die Augenuntersuchung auf Trachom, eine hochansteckende bakterielle Infektion, die zur Erblindung führen konnte und eine sofortige Deportation nach sich zog. Markierungen mit Kreide auf der Kleidung – etwa ein “L” für Lameness (Lahmheit) oder ein “X” für psychische Auffälligkeiten – entschieden über den weiteren Weg jedes einzelnen Menschens.
Zwischen Hoffnung und Angst: Die juristische Prüfung
Im Registry Room, einem gewaltigen Saal mit einer Deckenhöhe von über 15 Metern und markanten Guastavino-Fliesenbögen, fand die rechtliche Prüfung statt.

Auf langen Bänken saßen die Ankömmlinge und warteten darauf an die Reihe zu kommen. Auch ich nehme auf einer der letzten wirklich unbequemen Holzbänke Platz. Was wird den Menschen hier wohl alles durch den Kopf gegangen sein?

Ein bißchen kann ich es nachempfinden, den auch bei meiner Einreise mussten Fragen beantwortet werden. Damals wie heute verglichen Beamte die Angaben und stellten Fragen über das Alter, den Beruf, das Reiseziel und die finanziellen Mittel.

Beamte stellten damals 29 Fragen zu Beruf, Finanzen und Moral. Das Schreckgespenst war der Status “Likely Public Charge” (LPC) – die Sorge, man könne dem Staat zur Last fallen. Alleinstehende Frauen hatten es hier besonders schwer. Etwa 20 Prozent der Ankömmlinge wurden für weitere Untersuchungen oder Anhörungen zurückgehalten, doch letztlich wurden nur etwa zwei Prozent der Gesamtzahl offiziell abgewiesen.

Erst wenn die medizinische und juristische Prüfung abgeschlossen war, entschied ein Beamter über die Einreisemöglichkeit. Für viele Einreisende der heiß ersehte Schritt mit der Hoffnung auf ein besseres Leben.
Das Museum: Eine Zeitreise auf drei Etagen
Das Ellis Island National Museum of Immigration erstreckt sich über drei Stockwerke des Hauptgebäudes und bietet eine chronologische Reise durch die Geschichte der Einwanderung.

Zentrale Ausstellungsbereiche:
- Stock
Baggage Room, Journeys: The Peopling of America 1550–1890, American Family Immigration History Center (AFIHC), Kino, Café und Bookstore. - Stock
Registry Room (Great Hall), Hearing Room, Peak Immigration Years: 1880–1924, Through America’s Gate. - Stock
Bob Hope Memorial Library, Dormitory Room, Ellis Island Chronicles, Silent Voices, Restoring a Landmark.

Auf den Spuren der Ahnen: Das Family History Center
Das American Family Immigration History Center (AFIHC) im ersten Stock ist ein Anziehungspunkt für Millionen von Amerikanern, die ihre Herkunft erforschen möchten. Schätzungsweise 40 Prozent der US-Bevölkerung können mindestens einen Vorfahren auf einen Einwanderer zurückführen, der Ellis Island passierte. Die Datenbank umfasst über 65 Millionen Datensätze, die vor Ort an Forschungsstationen oder online durchsucht werden können. Forscher finden dort digitalisierte Schiffsmanifeste, Passagierlisten und Bilder von Schiffen.
Schade das meine Zeit nicht ausgereicht hat. Ich weiß, dass auch wir Verwandet haben, die nach Amerika ausgewandert sind. Es wäre sicherlich sehr spannend gewesen etwas darüber zu erfahren.
Hinweis: Die Suche ist zum Teil kostenpflichtig.
Mein Fazit: Ein absolutes Muss für jeden New-York-Besuch! Ellis Island ist der emotionale Ankerpunkt der USA. Wer die Freiheitsstatue besucht, sollte die Insel auf keinen Fall auslassen. Es ist die perfekte Kombination aus beeindruckender Architektur, packender Geschichte und dem wohl schönsten Blick auf die Lady Liberty.

Besucherinformationen
Abfahrtsort
Battery Park (NYC)
Liberty State Park (NJ)
Anfahrt
Liberty State Park (NJ)
Hudson-Bergen Light Rail bis LSP Station, dann ca. 1 Meile Fußweg.
Battery Park (NYC)
U-Bahn Linien 1 (South Ferry), 4/5 (Bowling Green)
Öffnungszeiten
täglich
Die erste Fähre legt abhängig von der Saison um 8:30 Uhr bzw. 9:00 Uhr ab.
geschlossen: Thanksgiving und 25. Dezember.
Wichtiger zeitlicher Hinweis: Besucher, die erst nach 14:00 Uhr ablegen, haben in der Regel nicht genügend Zeit, beide Inseln umfassend zu besichtigen. Die letzte Fähre verlässt Ellis Island gewöhnlich gegen 17:00 Uhr.
Ticketkauf
Statue City Cruises ist das einzige autorisierte Unternehmen für den Fährtransport zur Freiheitsstatue und nach Ellis Island. Besucher sollten Tickets unbedingt im Voraus buchen, da diese insbesondere während der Sommermonate und an Wochenenden schnell ausverkauft sind.
Barrierefreiheit
Die Gebäude auf Ellis Island sind vollständig barrierefrei. Es gibt Aufzüge auf der Ost- und Westseite des Hauptgebäudes, die alle drei Etagen erschließen.
Eine begrenzte Anzahl an Rollstühlen steht kostenlos gegen Vorlage eines Lichtbildausweises zur Verfügung.
Taktile Modelle und Braille-Broschüren sind am Informationsschalter erhältlich.
Sicherheit
Alle Besucher müssen eine Sicherheitskontrolle durchlaufen, die jener an Flughäfen entspricht. Große Rucksäcke, Koffer, Waffen und gefährliche Gegenstände sind streng untersagt.
Sprache
Für deutschsprachige Besucher ist Ellis Island hervorragend vorbereitet. Ein kostenloser Audioguide ist in Deutsch verfügbar, ebenso wie eine spezielle Version für Kinder im Alter von 6 bis 10 Jahren.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Kostet der Eintritt in das Museum extra?
Nein, der Eintritt in das Einwanderungsmuseum ist im Preis des Fährtickets enthalten.
Gibt es auf der Insel Verpflegung?
Ja, es gibt ein Café im Hauptgebäude mit Snacks und Getränken, allerdings zu gehobenen Preisen. Ein Picknick mit Blick auf die Skyline ist eine schöne Alternative.
Ist Ellis Island für Kinder geeignet?
Absolut. Es gibt einen speziellen Audioguide für Kinder (6-10 Jahre), der die Geschichte sehr lebendig erzählt.
Veröffentlicht: 28. Oktober 2026
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