Im Dämmerlicht des frühen Morgens hallt das Klappern von Kisten über das Kopfsteinpflaster, der Duft von frisch gebrühtem Kaffee mischt sich mit dem herrlichen Duft frischer Brezn. Dies ist der Viktualienmarkt, wie ihn nur die Frühaufsteher erleben.
Wenige Stunden später laufen Münchner und unzählige Touristen über den Platz und mit der Ruhe ist es vorbei.
Vom Bauernmarkt zum Gourmet-Paradies: Die Geschichte des Viktualienmarkts
Die Geschichte des Viktualienmarktes beginnt mit einem Problem: Platzmangel. Über Jahrhunderte hinweg war der heutige Marienplatz das Handelszentrum Münchens. Mit dem Wachstum der Stadt im beginnenden 19.Jahrhundert reichte die Kapazität für die Händler einfach nicht mehr aus und eine Lösung musste gefunden werden.
Am 2. Mai 1807 verfügte der damalige König, dass der Markt verlegt werden muss. Er legte als neuen Standort das Areal zwischen der Heilig-Geist-Kirche und der Frauenstraße fest. Eine kluge Entscheidung, denn so blieb der Handel mitten in der Stadt und verlagerte sich nicht an den Stadtrand. Einfach ideal für die Stadtbewohner.

Vom “grünen Markt” zum Viktualienmarkt
Ursprünglich nannten die Münchner ihren Markt aufgrund der dort angebotenen Ware einfach “grüner Markt”. Erst später entstand der Begriff Viktualienmarkt, der sich aus dem lateinischen Wort “victus” oder dem spätlateinischen “victualia”, was “Lebensmittel” oder “Vorräte” bedeutet, abgeleitet.
In den ersten Jahren veränderte sich der Markt noch sehr. Man baute zum Beispiel eine Metzgerhalle, Pavillons für den Obstverkauf und sogar eine Halle für Nordseefischerei. Auch die Vergabe der Marktplätze veränderte sich. Mussten anfangs die Händler jeden Morgen ihren Verkaufsstand neu beziehen und hatten keinen festen Standort auf dem Markt, änderte sich das 1870. Von da an gab es feste Stände, die oft über Generationen in Familienbesitz blieben.
Wiederaufbau nach dem Krieg und die Gliederung in Abteilungen
Im Zweiten Weltkrieg wurde der Viktualienmarkt während der alliierten Luftangriffe fast vollständig zerstört. Zum Glück entschied sich die Stadtverwaltung den Markt in seiner traditionellen Form wieder aufzubauen. Die Standl wurden neu errichtet, und der Markt erhielt eine klare Struktur durch die Gliederung in sieben Abteilungen, die sich nach den angebotenen Warengruppen richteten.

Heute ist der Viktualienmarkt ein unverzichtbarer Teil der Münchner Identität. Hier kauft der Einheimische sein Gemüse für das Sonntagsessen, der Angestellte aus den umliegenden Büros holt sich sein Mittagessen und Touristen aus aller Welt bummeln zwischen den Angeboten hin und her. Mit bis zu acht Millionen Besuchern im Jahr ist er eine der Hauptattraktionen der Stadt.
Sehenswürdigkeiten am Viktualienmarkt: Was Sie nicht verpassen dürfen
Was wäre ein Besuch in der bayrischen Hauptstadt, ohne ich mindestens einmal über den Viktualienmarkt zu schlendern. Neben den kulinarischen Genüssen gibt es drei Wahrzeichen, die wir uns angucken wollten: den Maibaum, die Figurenbrunnen und den zentrale Biergarten.
Der Maibaum: Ein weiß-blaues Symbol bayerischer Tradition
Schon von weitem sichtbar, ragt der blau-weiß geringelte Maibaum im Zentrum des Marktes in den Himmel. Die Geschichte dieses Wahrzeichens ist erstaunlich jung. Erst 1962 wurde auf Anregung des damaligen Bürgermeisters Albert Bayerle der erste Maibaum aufgestellt, begleitet von dem legendären Ausspruch: “Wenn wir schon ein Dorf sind, dann brauchen wir auch einen Maibaum”. Seitdem stiften alle paar Jahre die sechs großen Münchner Brauereien einen Maibaum. In einer feierlichen Zeremonie stellt man ihn auf dem Platz auf.
Neben dem blau-weißen Stamm fallen mir sechs kunstvoll geschnitzte Figurengruppen auf. Ich entdecke ein traditionelles Brauereigespann, das an die Bedeutung des Bieres erinnert, Szenen vom Oktoberfest, den historischen Schäfflertanz, ein musizierendes und tanzendes Trachtenpaar, eine typische Standlfrau im Gespräch mit einem Schenkkellner sowie die beiden Schutzheiligen der Brauer, St. Bonifaz und St. Florian.

Die Figurenbrunnen: Ein Denkmal für Münchner Originale
Über den Markt verteilt, plätschern sechs Brunnen, die unvergessenen Münchner Volkssängern, Komikern und Schauspielern ein Denkmal setzen.
Ich bin in diesem Bereich nicht besonders bewandert. Von den dort stehenden Brunnen, habe ich nur den Komiker und Filmproduzent Karl Valentin erkannt.



Es gibt aber auch noch Brunnen für Weiß Ferdl (Volkssänger und Komiker), Liesl Karlstadt (Schauspielerin), Ida Schumacher (Komödiantin), Elise Aulinger (Volksschauspielerin) und Roider Jackl (Förster und Volkssänger).
Der zentrale Biergarten: Eine Münchner Institution mit wechselndem Bier
Im Zentrum des Marktes, unter dem schattigen Blätterdach alter Kastanien, liegt der Biergarten. Er besitzt eine Besonderheit, die ihn in der Münchner Biergartenlandschaft einzigartig macht. Der Biergarten ist nicht an eine einzelne Brauerei gebunden. Stattdessen bekommt der Gast hier im Rhythmus von etwa sechs Wochen abwechselnd das Bier einer der sechs großen Münchner Traditionsbrauereien ausgeschenkt: Augustiner, Hacker-Pschorr, Löwenbräu, Hofbräu, Paulaner und Spaten. Eine große Tafel über dem Ausschank verkündet, welche Brauerei gerade an der Reihe ist, was jeden Besuch zu einer neuen Entdeckung machen kann.

Ein Fest für die Sinne: Das kulinarische Angebot der Standl
Der Viktualienmarkt ist ein Paradies für Feinschmecker und Neugierige. Das Sortiment ist eine Mischung aus urbayerischen Spezialitäten und exotischen Delikatessen aus aller Welt.
Das Kernangebot bilden nach wie vor die Stände mit Obst und Gemüse, die mit saisonalen und regionalen Produkten locken. Hier sind auch regionale Produzenten vertreten, die ihre Ware direkt vom Feld zum Markt bringen.
In der Metzgerzeile sind acht Metzger und Wildhändler ansässig. Hier findet man alles, was die bayerische Fleisch- und Wurstkultur ausmacht: von der originalen Münchner Weißwurst über unzählige Leberkäs-Varianten bis hin zu Wild aus heimischen Wäldern.
Frische aus dem Wasser garantieren die Fischhändler. Allen voran steht Fisch Witte, eine Institution, die nicht nur frischen Fisch aus Fluss, See und Meer verkauft, sondern auch ein beliebtes Bistro betreibt, in dem man Austern, Hummer oder eine legendäre Fischsuppe genießen kann.

Für Liebhaber von Käse und Feinkost ist der Markt ein wahres Schlaraffenland. Von italienischen Antipasti bis zu hochwertigen Käseangeboten findet jeder hier etwas für seinen Geschmack. Es gibt natürlich auch Brot- und Backwarenverkaufsstände, die mit ihren Produkten locken.
In den letzten Jahren hat das Angebot von modernem Streetfood auf dem Markt zugenommen und lockt damit eine neue Gruppe Besucher an. Man findet verschiedene Angebote von herzhaft bis süß, die perfekt für eine kulinarische Pause geeignet sind.
Feste & Events: Der Veranstaltungskalender des Viktualienmarkts
Auf dem Viktualienmarkt finden zahlreiche Feste und Veranstaltungen statt.
| Veranstaltung | Datum / Zeitraum | Beschreibung |
| Faschingsstart der Narrhalla | 11.11. um 11:11 Uhr | Die offizielle Eröffnung der Faschingssaison mit der Vorstellung des Münchner Faschingsprinzenpaares. |
| Tanz der Marktfrauen | Faschingsdienstag, 11:00 Uhr | Die Marktfrauen, in selbst entworfene Kostüme gekleidet, führen einstudierte Tänze auf und feiern ausgelassen. |
| Eröffnung der Spargelsaison | Mitte April | Der offizielle Startschuss für den Verkauf des “königlichen Gemüses”. |
| Maibaumaufstellen | Alle paar Jahre am 1. Mai | Ein großes Volksfest, bei dem der neue, von den Brauereien gestiftete Maibaum mit viel Muskelkraft und musikalischer Begleitung aufgerichtet wird. |
| Brauertag | Alle zwei Jahre im Juni | Ein Festzug der Münchner Brauer führt von der Peterskirche zum Markt, wo die Brauerlehrlinge freigesprochen werden und der traditionelle “Preuaid” abgelegt wird. |
| Brunnenfest | Erster Freitag im August | Ein Sommerfest, bei dem die sechs Figurenbrunnen von den Händlern prächtig mit Blumen geschmückt werden. Dazu gibt es Live-Musik und künstlerische Darbietungen. |
| Gärtnertag | Erster Dienstag im August | Eine Tradition aus dem 17. Jahrhundert: Ein farbenfroher Festumzug der Gärtner mit geschmückten Wagen zieht vom Viktualienmarkt zum Hofbräuhaus. |
| Prominentenwiegen | Nach dem Oktoberfest | Eine Benefizveranstaltung mit Tradition seit 1974: Händler wiegen eine Münchner Persönlichkeit mit Lebensmitteln auf. Der Warenwert wird für einen guten Zweck gespendet. |
| Winterzauber | Adventszeit | In der Vorweihnachtszeit erstrahlen die Stände in festlicher Beleuchtung. |
Ihr perfekter Tag am Viktualienmarkt: Tipps & Empfehlungen
Ein Besuch auf dem Viktualienmarkt ist eine kulinarische Entdeckungsreise. Um die authentische bayerische Genusskultur zu erleben, gibt es einige „Schmankerl“, die man unbedingt probiert haben sollte.
Ein Muss für jeden Besucher: Die Top 5 bayerischen Schmankerl
- Leberkässemmel: Der Inbegriff des bayerischen Snacks für zwischendurch. Erhältlich bei fast allen Metzgern in der Metzgerzeile 49, entfacht er regelmäßig eine Glaubensfrage: isst man ihn klassisch mit süßem Senf, mit mittelscharfem Senf oder gar – zum Entsetzen vieler Traditionalisten – mit Ketchup?.
- Weißwurst: Das traditionelle Münchner Frühstück, das der Legende nach das Zwölf-Uhr-Läuten nicht hören darf. Sie wird in heißem Wasser serviert, niemals gekocht, und klassisch mit süßem Senf und einer frischen Brezn genossen. Ob man sie “zuzelt” (aus der Haut saugt) oder mit Messer und Gabel isst, bleibt dem persönlichen Stil überlassen.
- Auszogne (oder Schmalznudel): Dieses in heißem Fett ausgebackene Hefegebäck mit seinem dünnen, knusprigen Rand und dem weichen Inneren ist eine Sünde wert. Am besten schmeckt es frisch und warm.
- Obatzda: Eine pikante bayerische Käsezubereitung aus reifem Camembert, Butter, Zwiebeln und Gewürzen wie Paprika und Kümmel. Sie ist ein unverzichtbarer Bestandteil einer zünftigen Brotzeit und schmeckt im Biergarten zu einer Maß Bier und frischem Brot am besten.
- Frische Brezn: Die bayerische Breze ist eine Kunst für sich – außen knusprig mit Salzkörnern, innen weich und teigig.

Ihr kulinarischer Fahrplan für den Marktbesuch
- Morgens (ca. 8:00 Uhr): Den Tag beginnen wie die Marktleute. Ein frisch gebrühter Kaffee und ein Gebäckstück sind der perfekte Start, um das langsame Erwachen des Marktes zu beobachten.
- Vormittags (ca. 10:30 Uhr): Zeit für die bayerische Tradition schlechthin – ein Weißwurstfrühstück.
- Mittags (ca. 13:00 Uhr): Die Auswahl ist riesig. Ob die moderne Interpretation der bayerischen Küche oder lieber klassisch-maritim, hier findet bestimmt jeder etwas für den eigenen Geschmack.
- Nachmittags (ca. 15:30 Uhr): Eine süße Pause ist ein Muss, wie wäre es mit warmen “Auszogne”?
- Abends (ab 17:00 Uhr): Der perfekte Ausklang des Tages findet im zentralen Biergarten statt. Bei einer frisch gezapften Maß Bier (von der Brauerei, die gerade an der Reihe ist) und einer selbst mitgebrachten oder vor Ort gekauften Brotzeit lässt sich das bunte Treiben wunderbar beobachten.

Besucherinformationen
Adresse
Viktualienmarkt 3
80331 München
Anfahrtsmöglichkeiten
Mit S-Bahn & U-Bahn:
Haltestelle ist der Marienplatz
Der Fußweg zum Markt beträgt von hier aus nur etwa 200 Meter.
Mit dem Bus:
Die Linien 52 und 132 haben eine eigene Haltestelle namens “Viktualienmarkt”.
Mit der Tram:
Haltestelle ist der Reichenbachplatz
Von dort sind es nur rund 150 Meter Fußweg zum südlichen Ende des Marktes.
Öffnungszeiten
Die Öffnungszeiten des Viktualienmarktes sind nicht einheitlich.
Generelle Marktzeiten:
Die gesetzlichen Rahmenöffnungszeiten für die Verkaufsstände sind Montag bis Samstag von 8 – 20 Uhr. Der Platz selbst ist als öffentlicher Raum rund um die Uhr zugänglich.
Wichtige Ausnahmen:
Jeder Händler kann seine Öffnungszeiten innerhalb dieses Rahmens selbst festlegen. In der Praxis schließen viele Stände, insbesondere im Winter, bereits früher, oft gegen 18 Uhr. Ein entscheidender Punkt ist der Montag: An diesem Tag haben viele Standl traditionell Ruhetag oder schließen früher.
Biergarten:
Der Biergarten ist in der Regel von Montag bis Samstag von 9 – 22 Uhr geöffnet. Bei schönem Wetter öffnet er oft auch an Sonntagen.
Gastronomie und Sonderfälle:
Gastronomiebetriebe, Bäcker und Blumenhändler haben oft abweichende, meist längere Öffnungszeiten und dürfen teilweise auch an Sonntagen öffnen.
Kartenzahlung oder Bargeld?
Viele Stände akzeptieren mittlerweile Kartenzahlung. Es ist immer ratsam, etwas Bargeld dabeizuhaben, besonders für kleinere Einkäufe.
Barrierefreiheit
Der Markt ist größtenteils ebenerdig und mit Kopfsteinpflaster ausgelegt, was für Rollstühle oder Kinderwagen etwas holprig sein kann, aber generell zugänglich ist.
Toilette Ecke Frauenstraße / Westenriederstraße
Der Zugang zur barrierefreien Toilette ist ebenerdig bzw. über eine kurze Rampe erreichbar. Die behindertengerechte Toilette ist in der Regel mit dem europaweit gültigen Euro-WC-Schlüssel zugänglich.
Öffentliche Toiletten
Auf dem Viktualienmarkt gibt es eine zentrale, moderne öffentliche WC-Anlage. Sie befindet sich am südöstlichen Rand des Marktes, an der Ecke Frauenstraße / Westenriederstraße. Man erkennt die Anlage an einem unauffälligen, meist grün gestrichenen, ebenerdigen Gebäude.
Die Benutzung der städtischen Toiletten ist kostenpflichtig. Halten Sie am besten Münzgeld bereit, da die Bezahlung oft über einen Automaten am Eingang erfolgt.
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