Mit dem traditionellen Gruß der Bergleute, “Glück Auf!”, beginnt eine unvergessliche Reise in die Tiefe. Das Besucherbergwerk Zinngrube Ehrenfriedersdorf am Fuße des Sauberges ist ein stillgelegtes Bergwerk. Seit 2019 gehört es als Bestandteil der Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří zurecht zum UNESCO-Welterbe.
Wir waren vor Ort und sind eingefahren. Begleitet uns 100 Meter unter die Erde, in eine Welt aus Fels, Feuchtigkeit und faszinierender Technik.
Das Abenteuer beginnt: 100 Meter in die Tiefe
Ein Besuch im Besucherbergwerk Ehrenfriedersdorf ist eine unglaubliche Reise in die Arbeitswelt der Kumpel.

Kaue, Korb und kühle Luft: Die Einfahrt
Der erste Weg führt uns in die “Kaue”, den großen Umkleideraum. Unter der Decke baumeln Kleidungsstücke der Bergleute. Diese werden zu Schichtbeginn an den Haken gehängt und hochgezogen. Ein Schloss verhindert, dass jemand anderes die Sachen mitnimmt. Auch unsere Wertsachen werden unter der Decke hängend auf uns warten.
Ausgestattet mit Schutz-Cap, Helm und Grubenlampe folgen wir dem Weg der Bergleute. Für unsere Tour benötigen wir keine weitere Schutzkleidung, es gibt aber auch Touren, da ist diese notwendig.

Zuerst holten wir die “Seilfahrtsmarke” von einem Brett. Jeder Bergmann muss, bevor er in die Grube fährt diese Marke mitnehmen. Nur so konnte genau erfasst werden, wie viele Personen unter Tage waren. An einer Tafel folgte die Markierung, wohin – also auf welche Tiefe – wir fahren würden.
Dann folgt der Moment, auf den ich am meisten gespannt war: der Fahrstuhl. Das Abenteuer beginnt wirklich mit der Seilfahrt. Über den “Sauberger Haupt- und Richtschacht” fährt der alte Förderkorb die Besucher 100 Meter in die Tiefe. Wir waren nur 4 Personen in dem engen Korb. Kaum vorstellbar, wie sich hier früher sechs Männer samt Werkzeug hineingequetscht haben.

Schon während dieser kurzen Fahrt verändert sich die Atmosphäre spürbar: Die Luft wird kühler und feuchter, die Geräusche des Tages verstummen und werden durch das Knarren der Anlage ersetzt. Unten angekommen, empfängt den Besucher die konstante Temperatur von 8 °C, die das ganze Jahr über herrscht. Und ich war sehr froh aus dem engen Korb aussteigen zu können.
Rattern, Lärm und Gänge: Unter Tage
Hier unten betritt man eine Welt, die in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten geblieben ist – mit engen Stollen, beeindruckenden Abbaukammern und den Spuren jahrhundertelanger Arbeit im Fels.

Bevor es losgeht, wird uns das Notfalltelefon gezeig. Klar Handys funktionieren hier nicht, aber dieses alte Telefon mit einer Kurbel wirkt auch nicht besonders vertrauenserweckend.

Auf uns wartet schon die Grubenbahn, die uns ratternd einige Meter tiefer in den Stollen fährt. Hier ist es nicht so eng, wie ich befürchtet hatte. Ich finde den Gang eher großzügig bemessen. Als wir schließlich anhalten beginnt unsere Reise in die Arbeit der Bergleute erst richtig. An mehreren Stationen wird uns der Prozess des Erzabbaus mit originalen Maschinen, originalem Krach und Staub vorgeführt. Mir schmerzen schon nach wenigen Minuten die Ohren. Wie muss es den Kumpeln ergangen sein, die hier acht Stunden am Stück arbeiteten?

Leider ist die Zeit unter Tage viel zu schnell vergangen. Ich wäre gerne noch weiter in das Bergwerk vorgedrungen und hätte gerne noch viel mehr erfahren. Mit der Grubenbahn ging es zurück zum Förderkorb. Dieser brachte uns zurück ans Tageslicht. Was für eine Tour.

800 Jahre im Fels: Die Geschichte des Sauberges
Was wir eben als moderne Technik der DDR-Zeit erlebt haben, ist nur das letzte Kapitel einer 800-jährigen Geschichte.
Vom Seifen zum Tiefbau: Die Anfänge
Die Entstehung von Ehrenfriedersdorf um das Jahr 1200 ist direkt auf die Entdeckung reicher Zinnvorkommen zurückzuführen. Anfangs wusch man das Zinnerz noch einfach aus den Bachsedimenten im Seifental – das sogenannte “Seifen”. Diese relativ einfache Form des Tagebaus ermöglichte einen schnellen wirtschaftlichen Aufschwung.
Doch schon um 1300 waren diese Vorkommen erschöpft. Die Bergleute mussten dem Erz in die Tiefe folgen. Dieser Übergang zum untertägigen Gangerzbergbau war gefährlich, teuer und technisch anspruchsvoll. Als Reaktion gründete sich 1338 die Berggrabebrüderschaft, die älteste bergmännische Vereinigung Europas. Sie war soziale Absicherung und Wissenszentrum zugleich.

Ein Kampf mit bloßer Hand: Die Härte der frühen Arbeit
Mit dem Vordringen in immer größere Tiefen wurde die Wasserhaltung zum zentralen technischen Problem des Bergbaus. Eindringendes Grubenwasser bedrohte die Abbaubetriebe und machte aufwendige Entwässerungssysteme erforderlich. Um 1540 kam es in Ehrenfriedersdorf zu einer bahnbrechenden Erfindung: die Ehrenfriedersdorfer Radpumpe. Diese ermöglichte es Wasser aus den tieferen Grubenbauen zu heben.

Trotz solcher technischer Meisterleistungen war die Arbeit der Bergleute von unvorstellbarer Härte geprägt. Vor der Erfindung des Schießpulvers im Bergbau wurde hartes Gestein mit Schlägel und Eisen mühsam von Hand abgetragen. Für besonders festes Gestein kam die uralte Methode des Feuersetzens zur Anwendung. Dabei wurden große Holzfeuer direkt vor dem Gestein entzündet, um es durch die Hitze spröde und rissig zu machen. Das anschließende Abschrecken mit Wasser konnte durch den Thermoschock die Wirkung verstärken.

Krieg, Wende und Welterbe: Das 20. Jahrhundert
Die folgenden Jahrhunderte waren von Schwankungen geprägt. Das 20. Jahrhundert spiegelte die Extreme der deutschen Geschichte wider: Produktion für den Ersten Weltkrieg, Stilllegung 1922, Wiederaufnahme unter den Nationalsozialisten 1936.

Nach 1945 wurde die Anlage als Reparationsleistung demontiert. Doch bereits 1948 begann der Wiederaufbau. In der DDR-Zeit wurde die Grube zu einem modernen Industriebetrieb ausgebaut – die Technik, die wir heute bei der Führung sehen.

Mit der politischen Wende kam das Ende. Aufgrund mangelnder Rentabilität auf dem Weltmarkt wurde die Erzförderung am 3. Oktober 1990 eingestellt. Nach umfangreichen Sicherungsarbeiten fand der Sauberg seine neue Bestimmung: 1995 wurde die Grube als Besucherbergwerk Ehrenfriedersdorf offiziell eröffnet.

Besuch im Besucherbergwerk Ehrenfriedersdorf: Touren & Infos
Lust bekommen, selbst einzufahren? Das Besucherbergwerk Ehrenfriedersdorf bietet zwei Hauptführungen an.
Die Touristikführung ist als zugänglicher Einstieg in die Welt des Bergbaus konzipiert. Sie richtet sich an Familien auch mit Kindern sowie an Besucher, die einen kompakten, aber eindrucksvollen Überblick erhalten möchten. Der Fokus liegt hier auf dem moderneren Bergbau der DDR-Zeit, wobei typische Schauorte und Maschinen aus dieser Ära gezeigt werden.

Die Erlebnisführung hingegen ist deutlich umfassender. Sie ist für Besucher gedacht, die tiefer in die Geschichte und Technik eintauchen möchten. Diese Führung deckt die gesamte Bandbreite des Bergbaus ab, von den Spuren des mittelalterlichen Altbergbaus über die Geologie der Lagerstätte bis hin zur modernen Gewinnungstechnik. Die Teilnehmer werden mit kompletter Bergmannsausrüstung – Overall, Gummistiefel, Helm und Geleucht (Grubenlampe) – ausgestattet, was das Gefühl der Authentizität erheblich steigert. Höhepunkte dieser Tour sind die Besichtigung des Nachbaus der historischen Ehrenfriedersdorfer Radpumpe und eine Fahrt mit der Grubenbahn, die durch den Tiefen Sauberger Stolln führt.
Zusätzlich werden übertägige Führungen (“Sauberg-Tour”) und diverse Sonderführungen zu speziellen Themen angeboten. Für internationale Gäste stehen Audioguides in Englisch, Tschechisch und Niederländisch zur Verfügung.
Besucherinformationen
Adresse
Am Sauberg 1,
09427 Ehrenfriedersdorf
Anfahrt
Mit dem Auto
Über die B95 (zwischen Chemnitz und Annaberg-Buchholz) oder die S222 (aus Richtung Wolkenstein)
Parken
Kostenfreie Parkplätze vorhanden
Öffnungszeiten
Öffnungszeiten (Shop)
Dienstag – Sonntag: 10 – 15 Uhr
Führungstermine
Bergwerksführungen
Donnerstag – Sonntag:
Führungsbeginn um 10, 13 und 15 Uhr
Mittwoch in den sächsischen Schulferien:
Führungsbeginn um 10, 13 und 15 Uhr
Montag und Dienstag: keine Führungen (an Feiertagen normaler Führungsbetrieb)
24., 25., 31. Dezember, 1. Januar: keine Führungen
Eintrittspreise
Die Nachfrage nach den Führungen ist, insbesondere an Wochenenden und in den Ferien, sehr hoch. Eine Voranmeldung ist daher nicht nur empfohlen, sondern praktisch unerlässlich, um Enttäuschungen zu vermeiden.
Eine detaillierte Preisübersicht ist auf der Webseite des Bergwerks verfügbar.
Erlebnisführung
Erwachsene:19,50€
Touristikführung
Erwachsene: 14€
Barrierefreiheit
Das Besucherbergwerk ist ein authentischer historischer Ort und daher nicht barrierefrei.
Eine gute Trittsicherheit ist für alle untertägigen Führungen zwingend erforderlich.
Aus Sicherheitsgründen ist eine Befahrung für Personen mit Gehhilfen, Rollatoren oder Rollstühlen nicht möglich.
Eine besonders wichtige Sicherheitsvorschrift ist, dass alle Teilnehmer körperlich in der Lage sein müssen, im unwahrscheinlichen Fall eines Ausfalls der Seilfahrtsanlage einen Fluchtweg von 30 Metern über Leitern weitgehend selbstständig zu bewältigen.
Kleidung
Aufgrund der konstanten Temperatur von 8 °C unter Tage ist ganzjährig warme und strapazierfähige Kleidung in mehreren Schichten dringend anzuraten.
Für die Touristikführung ist festes, geschlossenes Schuhwerk unerlässlich, da der Boden uneben und teilweise feucht sein kann.
Bei der Erlebnisführung werden Overall und Gummistiefel gestellt; hier empfiehlt sich dennoch warme Unterbekleidung für die Dauer von 2,5 Stunden.
Der Besuch im Bergwerk fand im Rahmen einer Pressereise statt.
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