Über dem Tal der Zwickauer Mulde thront eine der größten und bedeutendsten Schlossanlagen Sachsens: das Schloss Glauchau. Seine Besonderheit: es handelt sich um eine eindrucksvolle Doppelschlossanlage, bestehend aus dem älteren, burgartigen Schloss Hinterglauchau und dem repräsentativen Schloss Forderglauchau.
Schloss Hinterglauchau und Schloss Forderglauchau werden durch einen zehn Meter breiten Halsgraben voneinander getrennt, über den heute eine steinerne Brücke führt. Diese architektonische Gegebenheit ist nicht nur ein Überbleibsel mittelalterlicher Verteidigungsstrategien, sondern auch ein Teil der Familiengeschichte.

Von der Ritterburg zum Renaissanceschloss: 800 Jahre Geschichte
Die Ursprünge von Schloss Glauchau reichen bis in das Hochmittelalter zurück. Um 1170/80 errichteten die Herren von Schönburg, eines der ältesten und einflussreichsten sächsischen Adelsgeschlechter, an dieser strategisch günstigen Position eine Burganlage.
Die Burg wurde als klassische Spornburg auf einem Felsvorsprung erbaut. Nach der planmäßigen Anlage der Stadt Glauchau um die Mitte des 13. Jahrhunderts war sie fest in deren Befestigungsanlagen integriert. Eine Urkunde aus dem Jahr 1335 bezeichnet Burg und Stadt gemeinsam als „Veste“, was ihre Funktion als Stadtburg unterstreicht.

Mit dem ausgehenden Mittelalter wandelten sich die Ansprüche an einen Adelssitz. Repräsentation und Wohnkomfort traten neben die reine Verteidigungsfunktion. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Glauchauer Burg wider. Ab 1470 wurde die mittelalterliche Anlage unter Ernst I. von Schönburg zu einem spätgotischen Schloss umgebaut, dem heutigen Schloss Hinterglauchau. Architektonisch orientierte man sich dabei am damals modernsten und prächtigsten Schlossbau Sachsens, der Albrechtsburg in Meißen.
Zwischen 1527 und 1534 wurde der Komplex in Richtung der Stadt um das Schloss Forderglauchau erweitert. Dieser Neubau im Stil der Frührenaissance diente nicht nur als Vorburg, sondern schuf auch neuen Raum für die Verwaltung und den Hofstaat. Aus dieser Zeit stammen zum Beispiel die steinerne Bogenbrücke über den Halsgraben führt sowie ein unterirdischer „geheimer“ Gang, der vom Hirschgrund aus einen diskreten Zugang ermöglichte.

Die Teilung
Ein einschneidendes Ereignis war die brüderliche Erbteilung im Jahr 1623. Sie führte zur Aufspaltung in die Linien „Forderglauchau“ und „Hinterglauchau“. Es kam zur Trennung der beiden Schlossbereiche.

In den folgenden Jahrhunderten erlebte der Komplex weitere Umbauten.
Der Übergang des Schlosses von einem exklusiven Adelssitz zu einem öffentlichen Kulturgut begann im späten 19. Jahrhundert. Auf Initiative des örtlichen Gewerbevereins wurde 1884 ein Museum gegründet. Dieses fand 1940 seinen dauerhaften Sitz in den historischen Mauern von Schloss Hinterglauchau.
Neue Nutzung
Während der DDR-Zeit wurde der ehemalige Adelsbesitz umgenutzt und mit Leben gefüllt. Schloss Forderglauchau beherbergte eine Vielzahl öffentlicher Einrichtungen: die Kreisbibliothek „Georgius Agricola“ (seit 1953), eine Außenstelle des Landeshauptarchivs Dresden, die Kreismusikschule und sogar mehrere Wohnungen.

Nach der Wiedervereinigung wurde diese kulturelle Nutzung weiter ausgebaut. Heute präsentiert sich der Schlösserkomplex Glauchau als ein Zentrum für Kunst, Geschichte, Musik und Literatur.
Mein Tag im Schloss Hinterglauchau
Hinter den ehrwürdigen Mauern von Schloss Hinterglauchau erwartete mich ein Museum, dass mich auf eine Reise durch die Jahrhunderte mitnahm. Als eines der ältesten Museen Sachsens hütet es eine beeindruckende Sammlung von über 70.000 Objekten.

Zeitreise durch Prunkräume: Vom Biedermeier zum Klassizismus
Mein erster Weg führte mich durch die historischen Wohnräume, und das war gleich das erste Highlight. Ich schlenderte vom eleganten Klassizismus-Saal zum gemütlichen Biedermeier-Zimmer und fühlte mich, als könnten die ehemaligen Bewohner jeden Moment zur Tür hereinkommen.




Malerei und Plastik
Die Kunstsammlung mit Werken von der Romantik bis zum Impressionismus war beeindruckend. Die Gemäldeausstellung zeigt Werke namhafter Künstler wie Robert Sterl und Max Klinger.

Glauchaus Genie: Auf den Spuren von Georgius Agricola
Besonders fasziniert hat mich auch die Ausstellung über Georgius Agricola, den berühmten Sohn der Stadt. Georgius Agricola. Er war ein deutscher Universalgelehrter und Humanist der Renaissance.

Agricola ist vor allem als “Vater der Mineralogie” und als einer der Begründer der modernen Geologie und Bergbaukunde bekannt. Sein umfassendes Wissen und seine systematische Herangehensweise an wissenschaftliche Untersuchungen machten ihn zu einer herausragenden Persönlichkeit seiner Zeit. Zu seinen bedeutendsten Leistungen zählt sein Hauptwerk “De re metallica libri XII” (Zwölf Bücher vom Berg- und Hüttenwesen), das erst nach seinem Tod im Jahr 1556 veröffentlicht wurde. Dieses Werk war über 200 Jahre lang das Standardwerk für Bergbau und Metallurgie.
Ein Himmel voller Sterne: Die Magie der Schlosskapellet
In der Schlosskapelle „St. Marien“ wird eine Sammlung sakraler Kunst präsentiert.
Die Schlosskapelle entstand im späten 12.Jahrhundert beim Bau des Schlosses. Ihre heutige Gestaltung stammt aus dem 15.Jahrhundert.

Ein besonderes Highlight ist der dunkelblaue Chorhimmel mit seinen vielen goldenen Sternen.
Von Prunk und Abschied: Die historische Kutschensammlung
Zum Abschluss meines Rundgangs entdeckte ich in der alten Remise noch eine kleine Kutschensammlung. Neben einer prunkvollen Schönburgischen Kutsche von etwa 1880, in der man sich sofort eine gräfliche Gesellschaft vorstellen konnte, stand ein schlichter, aber eindrucksvoller Leichenwagen.


Kultur-Hotspot Schloss Forderglauchau: Wo heute das Leben spielt
Während Schloss Hinterglauchau die Geschichte bewahrt, findet man im Schloss Forderglauchau das zeitgenössische Kulturleben. Hier sind drei wichtige Institutionen beheimatet:
Stadt- und Kreisbibliothek „Georgius Agricola“
Sie gilt als eine der schönsten Bibliotheken Sachsens und verbindet auf einzigartige Weise historisches Ambiente mit einem modernen Medienangebot. In den herrschaftlichen Räumen finden Besucher über 50.000 Medien, darunter Bücher, Zeitschriften, Spiele und digitale Medien, sowie einen Zugang zur Online-Ausleihe.
Gemütliche Sofas, Ohrensessel und ein Lesecafé laden zum Verweilen ein. Ein abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm mit Lesungen und der beliebten Vorlesereihe für Kinder “Geschichten um 4” rundet das Angebot ab.
Galerie “art gluchowe”
Der Kunstverein der Stadt Glauchau betreibt seit 1991 im Eingangsbereich von Schloss Forderglauchau eine Galerie für zeitgenössische Kunst. Sie hat sich durch Ausstellungen herausragender regionaler und überregionaler Künstler einen Namen gemacht. Durch die bevorstehende Sanierung des Alten Marstalls wird die Galerie zusätzliche Ausstellungsflächen erhalten.
Kreismusikschule „Clara Wieck“
Als dritte Institution ist die Musikschule ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Lebens im Schloss. Sie nutzt unter anderem den in der DDR-Zeit eingerichteten Konzertsaal und füllt die historischen Mauern regelmäßig mit Musik.

Besucherinformationen
Adresse
Schlossplatz 5a,
08371 Glauchau
Anfahrt
Mit dem Auto
A4 Dresden – Eisenach (Abfahrten Glauchau Ost/Glauchau West)
B 175 Zwickau – Rochlitz
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln
Reisende können die Deutsche Bahn bis zum Bahnhof Glauchau nutzen.
Zuganbindung bestehen nach Zwickau, Chemnitz, Dresden, Leipzig
Vom Bahnhof liegt das Schloss in Richtung Zentrum, in unmittelbarer Nähe des Marktplatzes und des Rathauses (etwa15 Gehminuten)
Mit dem Fahrrad
Die Stadt Glauchau liegt am Mulderadweg.
Parken
Es befinden sich ausreichend öffentliche Parkplätze im Stadtzentrum bzw. in der Paul-Geipel-Straße.
Öffnungszeiten
Museum Schloss Hinterglauchau
Mittwoch-Sonntag: 11-17 Uhr
Montag, Dienstag: geschlossen
Galerie art gluchowe
Dienstag-Freitag: 11-17 Uhr
Samstag, Sonntag: 14-17 Uhr
Montag: geschlossen
Das Museum ist Karfreitag, Heiligabend und Silvester geschlossen
Eintrittspreis
Erwachsene: 7,-€
Barrierefreiheit
Die Schlosshöfe und das umliegende Gelände sind ebenerdig erreichbar.
Aufgrund der historischen Bausubstanz mit Treppen und den unterirdischen Gängen ist sind die Ausstellungsräume in Schloss Hinterglauchau nicht barrierefrei erreichbar. Besuchern mit Mobilitätseinschränkungen wird dringend empfohlen, sich vor einem Besuch direkt mit dem Museum in Verbindung zu setzen, um die individuellen Zugangsmöglichkeiten zu klären.
FAQs
Wie viel Zeit sollte ich einplanen?
Für einen entspannten Besuch des Museums in Schloss Hinterglauchau sollten Sie mindestens zwei Stunden einplanen. Möchten Sie zusätzlich in der Bibliothek stöbern oder die Kunstgalerie besuchen, planen Sie einen halben Tag ein.
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Werden Führungen angeboten?
Neben der individuellen Besichtigung bietet das Museum auch geführte Touren an.
Das unbestrittene Highlight ist die Führung „Unter dem Pflaster von Glauchau“. Ausgestattet mit Helm und Taschenlampe können Teilnehmer die jahrhundertealten, spitzbogigen Keller- und Gangsysteme unter dem Schloss erkunden. Diese Touren finden jedoch nur an ausgewählten Terminen statt und erfordern eine telefonische Voranmeldung, da die Teilnehmerzahl stark begrenzt ist.
Gibt es ein Restaurant?
Direkt im Schlosskomplex gibt es keine Gastronomie. Durch die zentrale Lage am Rande der Innenstadt finden Sie jedoch zahlreiche Cafés, Bäckereien und Restaurants nur wenige Gehminuten entfernt rund um den Marktplatz.
Darf man fotografieren?
Das Fotografieren für private Zwecke ohne Blitz und Stativ ist in den Ausstellungsräumen in der Regel gestattet.
Der Besuch fand im Rahmen einer Pressereise statt.
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