In der Nähe von Budweis gibt es ein Märchenschloss, dass wir so nicht erwartet haben. Als wir uns dem Schloss Hluboká näherten, fühlte es sich fast wie in einem Disney-Film an. Strahlend weiße Zinnen, verspielte Türmchen und Erker ragen mitten aus dem südböhmischen Wald empor. Hluboká wird zu Recht oft als das “Tschechische Windsor” bezeichnet. Es war für uns zweifellos eines der romantischsten Schlösser Mitteleuropas.
Unser Besuch: Zwischen Touristenrummel und idyllischer Stille
Wir hatten bei unserem Besuch unglaubliches Glück mit dem Wetter, was die weiße Fassade des Schlosses regelrecht zum Leuchten brachte. Ein kleiner Tipp vorab: Seid auf viele Menschen gefasst! Als wir ankamen, rollten gerade mehrere Reisebusse an.

Doch keine Sorge: Während am Schloss die Besucher standen und auf ihre Touren warteten, genossen wir im Park eine herrliche Ruhe und fast menschenleere Wege.
Von der Ritterburg zum Prachtschloss: Die Geschichte
In der Mitte des 13. Jahrhunderts ließ der böhmische König eine trutzige, gotische Wachburg auf einem Felsen über der Moldau errichten. Ihr Zweck war rein militärisch: Er wollte die Kontrolle über die Wasserwege und eine Machtdemonstration der Krone.
In den ersten Jahrhunderten war Hluboká ein Wanderpokal der Macht. Chronisch an Geldmangel leidende Könige verpfändeten die Burg immer wieder an Adelsfamilien. Wer hier herrschte, hatte das Sagen in Südböhmen.

Die Ära der Schwarzenbergs
1661 kaufte Johann Adolf I. zu Schwarzenberg die Anlage. Die Familie war immens reich, mächtig und diplomatisch geschickt. Unter ihrer Herrschaft wurde die alte Burg zunächst in ein prachtvolles Barockschloss verwandelt.
Fürstin Eleonore zu Schwarzenberg und ihr Mann Fürst Johann Adolf II. reisten 1838 zur Krönung von Königin Victoria nach England. Dort besuchten sie Windsor Castle und Eleonore verliebte sich augenblicklich in das Schloss. Sie war fasziniert von der “Tudor-Gotik”, den Zinnen, den Türmchen und der romantischen Strenge der englischen Architektur

Zurück in Böhmen fasste sie den Plan, der das Schloss zu einer der beeindruckendsten Sehenswürdigkeiten Tschechiens machte. Das barocke Hluboká musste weichen. Sie wollte ihr eigenes “Windsor an der Moldau”.
Der Umbau (1840–1871) war ein gigantisches Unterfangen. Das alte Schloss wurde bis auf die Grundmauern entkernt. Es entstanden 140 prunkvolle Räume, 11 Türme, wunderschöne Holzschnitzereien in der Bibliothek und die berühmte Reithalle. Das Schloss wurde zum Statussymbol des Hochadels mit modernstem Luxus (inklusive Zentralheizung!).

Enteignung und Staatsbesitz
Die Schwarzenbergs bewohnten ihr Traumschloss nicht einmal ein ganzes Jahrhundert. Adolf zu Schwarzenberg war ein entschiedener Gegner der Nazis. Als die Gestapo 1940 das Schloss beschlagnahmte, musste er ins Exil fliehen. Die Hakenkreuzflagge wehte über den Zinnen von Eleonores Traum. Nach dem Krieg kehrten die Schwarzenbergs nicht zurück. 1947 verabschiedete die tschechoslowakische Regierung die “Lex Schwarzenberg”. Dieses Gesetz war nur geschaffen worden, um den enormen Besitz der Familie zu verstaatlichen. Heute gehört Hluboká dem tschechischen Staat.

Architektur-Highlights: Mehr Schein als Sein?
Hluboká gilt als das bedeutendste Bauwerk der romantischen Neogotik (Tudor-Stil) in Mitteleuropa.

Die Zinnen, Schießscharten und die massiven Türme (insgesamt 11) haben keinerlei militärischen Nutzen. Sie sind reine Dekoration, um “alt” und “wehrhaft” zu wirken. Überall finden sich Wappen, steinerne Köpfe und komplexe Ornamente auf der strahlend weißen Fassade, die den Status der Schwarzenbergs betonen sollten.

Der gruselige Türknauf (Der Rabe und der Türke)
Das wohl meistfotografierte Detail des Schlosses ist der massive Türgriff am Eingangstor. Ein Rabe aus Bronze, der gerade dabei ist, einem abgetrennten Kopf (erkennbar an einem Turban und dem markanten Schnurrbart) das Auge auszuhacken.
Das ist keine Gruselgeschichte zur Abschreckung von Hausierern, sondern stolze Familiengeschichte. Es erinnert an die Eroberung der Festung Raab (Győr) im Jahr 1598 durch Adolf von Schwarzenberg im Kampf gegen die Osmanen (Türken). Kaiser Rudolf II. erlaubte den Schwarzenbergs daraufhin, das Wappen zu erweitern: Der Rabe steht für die Totenvögel auf dem Schlachtfeld, der Kopf für den besiegten Feind. Es ist ein brutales Symbol des Sieges, gegossen in elegante Bronze.

Das erwartet den Besucher im Inneren
Das Schloss kann im Inneren nur im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Fotografieren ist nicht erlaubt.
Das Innere ist fast noch beeindruckender als die Fassade, denn die Schwarzenberger sparten nicht an Luxus.
- Die Holzarbeiten: Achten Sie besonders auf die Wände und Decken. Hunderte von Handwerkern schnitzten über Jahre hinweg kunstvolle Vertäfelungen, die den Räumen eine warme, edle Atmosphäre verleihen.
- Die Bibliothek: Für viele Besucher der schönste Raum des Schlosses. Mit tausenden von Büchern, riesigen Globen und einer fast sakralen Stille ist sie ein Traum für jeden Bücherwurm.
- Die Schlossküche: Ein überraschendes Highlight! Im Untergeschoss können Sie sehen, wie fortschrittlich der Haushalt schon im 19. Jahrhundert war. Mit riesigen Herden, speziellen Vorrichtungen für das Warmhalten von Speisen und sogar einem Aufzug für das Essen war dies eine High-Tech-Zone ihrer Zeit.
Parkspaziergang: Der perfekte Ort zum Durchatmen
Das Schloss ist eingebettet in einen weitläufigen englischen Landschaftspark. Wir sind lange durch den Park geschlendert und haben den Blick auf das Schloss und den Ausblick auf die Umgebung genossen.

Der Park ist, genau wie das Schloss perfekt angelegt worden. Jede Baumgruppe, jeder Weg und jede Sichtachse wurde komponiert, um das perfekte Landschaftsbild zu erzeugen.

Der historische Wasserturm von Schloss Hluboká
Wenige Schritte abseits der großen Touristenströme haben wir das Vodojem zámku Hluboká, das historische Wasserreservoir des Schlosses, entdeckt.

Als die Familie Schwarzenberg das Schloss im romantischen Tudor-Stil umbauen ließ, dachten sie nicht nur an Ästhetik, sondern auch an modernen Komfort. Eine komplexe Wasserversorgung war nötig, um die prunkvollen Gärten, die Springbrunnen und das Schloss selbst mit Wasser aus der Moldau zu versorgen. Der “Vodojem” war das Herzstück dieses Systems.

Besucherinformationen
Adresse
Hluboká Castle,
Zámek 142,
373 41 Hluboká nad Vltavou, Tschechien
Anfahrt
Ca. 15 Autominuten nördlich von Budweis (České Budějovice).
Parkgebühren
In Hluboká gibt es mehrere Parkmöglichkeiten.
Zentralparkplatz (Centrální parkoviště):
Der größte Parkplatz unterhalb des Schlosses.
Preis: 80 – 100 CZK pro Tag
Parken in der Masarykova Straße:
Näher am Zentrum
Preis: 90 CZK pro Tag
Geheimtipp (Günstiger):
Parkplatz beim Freibad/Sportareal (Parkoviště u koupaliště). Etwas weiter zu laufen, aber schöner Weg am Wasser entlang.
Preis: 50 CZK pro Tag.
Öffnungszeiten
Das Schloss ist ganzjährig geöffnet, aber der Umfang der Touren ändert sich je nach Jahreszeit.
Hauptsaison (Juli & August):
Täglich geöffnet (Mo–So), ca. 9:00 – 17:00 Uhr.
Nebensaison (Mai, Juni, September):
Dienstags bis Sonntags (Montags geschlossen), ca. 9:00 – 16:00/17:00 Uhr.
Winter & Frühjahr (November – März/April):
Dienstags bis Sonntags. Es gibt eine spezielle „Wintertour“ (beheizte Räume im Erdgeschoss), ca. 9:00 – 16:00 Uhr.
Der Schlossturm:
Nur bei gutem Wetter geöffnet (im Winter geschlossen).
Schlosspark:
Ganzjährig frei zugänglich (kostenlos).
Eintrittspreise
Die Preise gelten pro Person. Es ist ratsam, Tickets online vorzubuchen, da beliebte Zeiten oft ausverkauft sind.
Repräsentationsräume
Erwachsene:300 CZK
Privatgemächer
Erwachsene:220 CZK
Schlossküche
Erwachsene: 180 CZK
Schlossturm (Aussicht)
Erwachsene: 180 CZK
Wintertour (Nov–März)
Erwachsene: 200 CZK
Schreibe einen Kommentar