Habt ihr euch schon mal gefragt, wie es sich wohl angefühlt hat, im legendären Adler – der ersten Dampflok Deutschlands – durch die bayerische Landschaft zu ruckeln? Oder wie die prunkvollen Salonwagen der Könige ausgesehen haben? Im DB Museum Nürnberg kann man sich auf Entdeckungsreise rund um das Thema Eisenbahn begeben.
Dieses Museum ist nicht nur für Eisenbahnfans ein “Pflichtbesuch”, wenn man in Nürnberg ist. Wir waren fast 3 Stunden nur in dem Museum unterwegs und haben noch nicht einmal das Außengelände erkundet. Die riesigen Eisenbahnen haben etwas faszinierendes und die “Reise” durch die Geschichte der Eisenbahn war super spannend.

Wo alles begann: Der “Adler” und der Funke der Moderne
Man kann nicht über die deutsche Bahn sprechen, ohne an den Adler zu denken. Also nicht den Greifvogel, sondern die Lokomotive. In der Fahrzeughalle glänzt der originalgetreue Nachbau der ersten Lokomotive, die 1835 zwischen Nürnberg und Fürth dampfte.

Es ist faszinierend zu sehen, wie klein und fast zerbrechlich diese Maschine im Vergleich zu heutigen riesigen Lokomotiven wirkt. Dieser kleine “Vogel” löste eine Revolution aus. Er war das Startsignal für ein Zeitalter, in dem Entfernungen plötzlich schrumpften und das Tempo des Lebens ein völlig neues Level erreichte.
Im DB Museum Nürnberg erlebten wir eine Reise durch die Jahrzehnte der Eisenbahngeschichte. Dabei wird nicht nur auf die Geschichte der Personenbeförderung eingegangen, sondern auch auf den Warentransport. Plötzlich konnte Waren und Menschen in relativ kurzer Zeit von A nach B transportiert werden, das Leben veränderte sich grundlegend.
Was mich bei meinem Besuch besonders bewegt hat, ist der Blick in die dunklen Kapitel der deutschen Geschichte. Ein zentraler Teil der Dauerausstellung widmet sich der Rolle der Reichsbahn im Nationalsozialismus. Hier wird dokumentiert, wie die Bahn zum logistischen Werkzeug für Krieg und die Gräueltaten des Holocaust wurde.

Nach diesem nachdenklichen Teil führt der Weg weiter durch die Ära der Bundesbahn und Reichsbahn bis hin zur modernen DB AG.

Giganten aus Stahl: Ein Rendezvous mit 1:1-Originalen
Das Highlight des Besuchs ist der Rundgang durch die riesigen Fahrzeughallen. Ein Teil der Ausstellung befindet sich in der zweiten Fahrzeughalle, die sich auf der gegenüberliegenden Strassenseite befindet.

Es ist ein überwältigendes Gefühl, direkt neben den tonnenschweren Giganten zu stehen, deren Räder allein oft schon größer sind als man selbst. Es gibt bei vielen Wagen auch die Möglichkeit einen Blick durch die Fenster ins Innere zu werfen. Leider habe ich keine Möglichkeit gefunden auch mal in eine der Eisenbahnen zu gehen, dass hätte sicherlich noch mehr Eindruck gemacht.

Hier sind meine Highlights, die man in den Hallen auf keinen Fall verpassen sollte:
“Versailles auf Rädern”: Der Prunk des Märchenkönigs
Wenn man vor dem Hofzug von Märchenkönig Ludwig II. steht, stockt einem kurz der Atem. Es ist absolut nachvollziehbar, warum dieser Zug oft als “Versailles auf Rädern” bezeichnet wird. Während die Lokomotivenführer draußen hart arbeiten mussten, herrschte hier drinnen purer Rokoko-Luxus.

Der König verbrachte seine Zeit auf der Schiene zwischen vergoldete Schnitzereien, tiefblauer Samt und schwere Kristallleuchter. Ich kann mir fast vorstellen, wie der König hier bei Kerzenschein durch die Nacht reiste, aus dem Fenster blickte und sein Leben genoss.


Design-Ikonen: Vom “Fliegenden Hamburger” zum Kult-TEE
Gleich nebenan wird es kraftvoller und nicht mehr plüschig. Die Ära der Dampflokomotiven wird durch riesige, schwarz glänzende Maschinen repräsentiert, die nach Öl und harter Arbeit aussehen.

Doch die Bahn konnte auch elegant:
- Der Fliegende Hamburger: Eine Bahn der 1930er-Jahre. Mit seinem stromlinienförmigen Design wirkt er selbst heute noch modern und schnell. Er war der erste Beweis dafür, dass die Schiene dem Flugzeug Konkurrenz machen konnte.
- Der TEE (Trans-Europä-Express): Wer in den 50er- und 60er-Jahren etwas auf sich hielt, reiste im TEE. Das markante Rot-Beige der Waggons versprüht einen unvergleichlichen Retro-Charme. Man möchte sich sofort mit einem Espresso in die Polstersessel setzen und Richtung Paris oder Mailand davonrauschen.
Auf der Überholspur: Der Weg zum ICE
Das Museum zeigt auch Züge der Gegenwart. Es ist beeindruckend zu sehen, wie sich die Formsprache der Bahnen gewandelt hat. Es ging mit der Zeit weg von der schweren Mechanik, hin zur aerodynamischen Perfektion. In der Ausstellung findet man auch den ICE, der das Reisen in Deutschland verändert hat.
Faszination im Miniaturformat: Das Modellarium & die legendäre Anlage
Wer glaubt, dass Modelle nur etwas für das Kinderzimmer sind, wird im DB Museum eines Besseren belehrt. Nach den “großen” Eisenbahnen ging es für uns weiter in die Welt der “kleinen” Eisenbahnen. Im Obergeschoss des Museums befindet sich das Modellarium in dem Eisenbahnmodelle präsentiert werden.

Als ich den Raum des Modellariums betrat, wusste ich erst einmal gar nicht, wohin ich zuerst schauen sollte. Hier stehen über 2.000 Modelle und das in einem Maßstab von 1:10.
Das Besondere daran? Es sind keine groben Nachbildungen. Jede Niete, jedes Ventil und jedes Polster der Sitze ist exakt so gearbeitet wie beim großen Original. Ich laufe an Modellen vorbei, die das Design von den ersten rußigen Maschinen bis zu den windschnittigen Zügen von heute zeigen. Man kann hier Stunden verbringen und entdeckt bei jedem Blick in die Vitrinen ein neues, faszinierendes Detail.

Die große Modellbahnanlage
Das absolute Highlight ist die riesige Modellbahnanlage, die es bereits seit 1960 gibt. Auf stolzen 80 Quadratmetern erstreckt sich hier ein perfekt choreografiertes Schienennetz.
In regelmäßigen Vorführungen wird hier der echte Bahnbetrieb simuliert. Signale springen um, Weichen klicken, und Züge verschiedenster Epochen begegnen sich in einer liebevoll gestalteten Landschaft. Gesteuert wird das alles von einem Führerstand aus und man kann dem “Lokführer” dabei zugucken, wie er Zugverkehr regelt.
Mir hat es sehr gefallen. Das leise Surren der Elektromotoren und das Klackern auf den Schienen hat fast etwas Meditatives. Man steht davor, beobachtet die Rangierer und die kleinen Fahrgäste am Bahnsteig und vergisst fast, dass es ein Modell ist.
Kurioses: Von Bahntoiletten und dunklen Kapiteln
Jeder der mit der Bahn unterwegs ist kennt das Thema “Toilette im Zug”. Ich glaube manchmal es gibt kaum ein Thema, was mehr besprochen wird, wenn es um den Bahnkomfort geht.

Bei unserem Besuch im DB Museum Nürnberg wurde gerade eine Sonderausstellung gezeigt, die sich nur mit der Bahntoilette beschäftigte.
Die älteren Generationen erinnern sich sicherlich auch daran: Es gab mal Zeiten, wo man an Bahnhöfen oder bei stehenden Zügen nicht die Toiletten benutzen sollte. Der Grund war so einfach wie unangenehm. Die Toiletten hatten keinen Auffangbehälter und alles fiel auf die Gleise. Während der Fahrt konnte man sogar das Gleisbett unter einem vorbeiziehen sehen. Zum Glück hat sich das geändert und heute ist das Toilettensystem viel ausgereifter, hygienischer und umweltbewußter.


Ich fand es super spannend mich auf eine “Toilettenreise” zu begeben. Schade, dass es nur eine Sonderausstellung war. Das Thema ist einfach sehenswert!
Das Museum beweist mit solchen Sonderausstellungen immer wieder Mut zu originellen Themen.
Tipp für Familien und Technik-Nerds:
Wer mit Kindern reist, sollte das KIBALA (Kinder-Bahnland) im Obergeschoss fest einplanen. Dort dürfen die Kleinen selbst Hand anlegen und sogar mit einer Mini-Bahn durch die Ausstellung fahren.
Noch ein praktischer Hinweis: Ladet euch vorab die kostenlose DB Museum App herunter. Sie dient als digitaler Guide und liefert spannende Hintergrundinfos direkt aufs Smartphone, die auf den normalen Infotafeln keinen Platz mehr gefunden haben.
Leider ist das Freigelände des DB Museums in den Wintermonaten für Besucher geschlossen. So konnten wir die Ausstellung dort nicht besuchen und werden das sicherlich nachholen!

Mein Fazit: Lohnt sich der Besuch im DB Museum?
Das DB Museum in Nürnberg ist ein wunderbarer Ort für einen Tagesausflug. Es verbindet die Sehnsucht nach der “guten alten Zeit” mit dem spannenden Blick in die Zukunft der Mobilität. Man verlässt das Gebäude mit einem ganz neuen Blick für die Züge, die uns täglich von A nach B bringen.
Besucherinformationen
Adresse
Lessingstraße 6
90443 Nürnberg
Anfahrt
Mit der Bahn
Das Museum liegt nur wenige Gehminuten vom Nürnberger Hauptbahnhof entfernt. Einfach den Ausgang Richtung “Südstadt/Nelson-Mandela-Platz” nehmen oder durch die Unterführung Richtung “Lessingstraße” gehen.
ÖPNV
U-Bahn-Station „Opernhaus“ (U2/U3) – von dort sind es ca. 3 Minuten zu Fuß.
Öffnungszeiten
Mittwoch bis Freitag: 9 – 17 Uhr
Samstag, Sonntag, Feiertage: 10 – 18 Uhr
Montag, Dienstag: Geschlossen
geschlossen: 1.1., 3.4., 1.5. 24.12., 25.12., 31.12.
Hinweis:Das Außengelände des Museums ist in den Wintermonaten geschlossen.
Eintrittspreise
Erwachsene: 10,00 €
Parken
Parkplätze direkt am Museum sind rar. Es empfiehlt sich das Parkhaus am Theater (ca. 500m entfernt) zu nutzen.
Barrierefreiheit
Das DB Museum ist weitestgehend barrierefrei. Es gibt Aufzüge zu allen Ausstellungsebenen sowie Rampen. Behindertengerechte Toiletten sind ebenfalls vorhanden. Leihrollstühle können an der Kasse angefragt werden.
Es gibt 4 behindertengerechte Parkplätze direkt vor dem Museum. Über den Innenhof (Hintereingang) kann das Foyer ebenerdig erreicht werden.
Gepäck
Im Eingangsbereich stehen Schließfächer in verschiedenen Größen zur Verfügung (1 € oder 2 € Münze als Pfand bereithalten). Auch für größere Rucksäcke oder Motorradhelme ist meist Platz.
FAQ
Darf im Museum fotografiert werden?
Ja, für private Zwecke ist das Fotografieren und Filmen erlaubt (und erwünscht!). Für Stative oder gewerbliche Aufnahmen wird eine Genehmigung der Museumsleitung benötigt.
Sind Hunde erlaubt?
Nein, Hunde und andere Haustiere müssen leider draußen bleiben. Eine Ausnahme bilden natürlich gekennzeichnete Blinden- und Assistenzhunde.
Gibt es etwas zu essen?
Das Museumsrestaurant „Tinto“ bietet spanische Tapas und fränkische Küche direkt im Gebäude an. Für den kleinen Hunger gibt es Getränke- und Snackautomaten. Im Sommer kann man im schönen Innenhof sitzen. Mitgebrachte Speisen dürfen in ausgewiesenen Bereichen verzehrt werden.
Wie viel Zeit sollte ich einplanen?
Für einen entspannten Rundgang durch die Dauerausstellung und die Fahrzeughallen sollten Sie etwa 2 bis 3 Stunden einplanen.
Gibt es eine App oder Audioguides?
Ja, die DB Museum App ist kostenlos und sehr empfehlenswert.
Der Besuch im Museum fand in Kooperation mit dem DB Museum Nürnberg statt.
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