Das Schwarzhäupterhaus (Melngalvju nams) gehört für mich persönlich zu den schönsten Gebäuden in der Altstadt von Riga. Wir waren während der Vorweihnachtszeit vor Ort und konnten die prächtige Fassade im warmen Glanz der Festbeleuchtung erleben – ein unvergesslicher Anblick.
Wer waren eigentlich die Schwarzhäupter?
Das Gebäude wurde ursprünglich 1334 als “Neues Haus der Großen Gilde” errichtet und diente zunächst als Treffpunkt für Kaufleute und städtische Würdenträger, um den Handel und den Wohlstand der Hansestadt Riga voranzutreiben.
Im 17. Jahrhundert ging das Gebäude in den Besitz der Compagnie der Schwarzen Häupter über. Bei dieser Bruderschaft handelte es sich um eine einflussreiche Vereinigung junger, unverheirateter ausländischer Kaufleute und Kapitäne, die noch kein volles Bürgerrecht besaßen und daher nicht in die etablierte Große Gilde aufgenommen werden konnten.
Ihren Namen verdankte die Bruderschaft ihrem Schutzpatron: dem heiligen Mauritius, einem frühen christlichen Märtyrer und römischen Legionär aus Theben (Ägypten), der traditionell als dunkelhäutiger Krieger dargestellt wird. Sein Bildnis zierte das Wappen der Kaufmannsgesellschaft und gab schließlich auch dem Haus seinen Namen. Über Jahrhunderte feierten die Schwarzhäupter hier rauschende Feste, empfingen Könige, Zaren sowie ausländische Gesandte und präsentierten ihren Reichtum in glanzvollen Räumlichkeiten.

Zerstörung und meisterhafter Wiederaufbau
Im Zweiten Weltkrieg wurde das historische Bauwerk schwer gezeichnet: Am 28. Juni 1941 wurde es durch deutschen Artilleriebeschuss fast vollständig zerstört. Die verbliebenen Ruinen ließen die sowjetischen Behörden 1948 sprengen und abtragen, für Jahrzehnte blieb der Rathausplatz eine leere Fläche.
Erst nach der wiedererlangten Unabhängigkeit Lettlands begannen 1992 umfangreiche archäologische Ausgrabungen auf dem Platz. Glücklicherweise existierten präzise historische Bauaufmaße, Fotografien und Konstruktionspläne. Ab 1996 wurde der Wiederaufbau vorangetrieben, und 1999 konnte das neu errichtete Schwarzhäupterhaus pünktlich vor der 800-Jahr-Feier der Stadt Riga (2001) feierlich eingeweiht werden.
Die Rekonstruktion ist herausragend gelungen: Selbst aus nächster Nähe ist für das Laienauge kaum zu erkennen, dass es sich um einen Nachbau aus den späten 1990er-Jahren und nicht um ein seit Jahrhunderten erhaltenes Original handelt.

Fassadendetails und die Legende des ersten Weihnachtsbaums
Bevor man das Gebäude betritt, lohnt sich ein genauer Blick auf die Fassade im Stil des niederländischen Manierismus:
- Figuren & Astronomische Uhr: Den markanten Ziergiebel schmücken kunstvolle Statuen von Neptun, Merkur, der Einheit und des Friedens. Im Zentrum tickt eine monumentale astronomische Uhr, die neben der Uhrzeit auch die Mondphasen und Sternzeichen anzeigt.
- Die Roland-Statue: Direkt vor dem Gebäude auf dem Rathausplatz wacht die Statue des Ritters Roland, das traditionelle Symbol für städtische Freiheit und Gerechtigkeit.
- Die Wiege des Weihnachtsbaums: Im Pflaster unweit des Eingangs erinnert eine eingelassene Gedenkplatte an eine schöne Tradition: Der Legende nach stellten die Schwarzhäupter hier im Jahr 1510 den weltweit ersten öffentlich geschmückten Weihnachtsbaum auf, der nach den Festtagen im Feuer verbrannt wurde.
Ein Blick ins Innere: Das Museum
Das Schwarzhäupterhaus dient heute nicht nur festlichen Staatsempfängen, Banketten und klassischen Konzerten, sondern ist regulär als Museum für Besucher zugänglich:
- Die historischen Kellergewölbe: Der unterirdische Backsteinkeller ist die eigentliche Sensation – er überstand die Zerstörungen des Krieges weitgehend im Original. Die Gewölbe aus dem 14. Jahrhundert vermitteln authentische Mittelalter-Atmosphäre und beherbergen Ausgrabungsfunde, historische Waagen und Werkzeuge.
- Die Silberschatzkammer: Das Haus besitzt die größte Silbersammlung Lettlands, bestehend aus kunstvollen Pokalen, Schnupftabakdosen und Gildekannen der Schwarzhäupter.
- Der prächtige Festsaal (Svētku zāle): Im Obergeschoss liegt der opulente Ballsaal mit riesigen Kristallkronleuchtern, detailreichen Deckenfresken und monumentalen Porträts schwedischer Monarchen und russischer Zaren.
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Veröffentlicht: 18. Januar 2017
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