Das Ethnographische Museum Pilsen befindet sich am Platz der Republik der Stadt. Hier im Herzen der Stadt hat man in zwei historisch miteinander verbundenen Häusern eine interessante Ausstellung untergebracht.
Man betritt das Museum durch einen Gang zwischen zwei Häusern. Hier befindet sich auch die Museumskasse.

Geschichte des Museums
Das Ethnographische Museum befindet sich in zwei Renaissancehäusern, dem Chotěšovský-Haus und dem Gerlachovský-Haus. Beide Gebäude sind denkmalgeschützt und miteinander verbunden.
Das Gerlachovský-Haus wäre um 1910 fast abgerissen worden, zum Glück konnte es aufgrund der Bemühungen eines Freundeskreises erhalten werden. Man beschloss, das Gebäude als Museum zu nutzen und zunächst zeigte man kleinere Ausstellungen. 1919 fand die Eröffnung des Ethnographischen Museums statt.
Im Zweiten Weltkrieg verschwanden einige wertvolle Ausstellungsstücke. Die deutschen Besatzer waren der Meinung, diese verschenken zu können. Nach dem Krieg restaurierte man die Ausstellung.

Mit der Machtergreifung der Kommunisten kam es zur Zusammenlegung verschiedener Museen zum Westböhmischen Museum. Noch heute ist das Museum ein Teilbereich des Westböhmischen Museums und wird von der Ethnografischen Abteilung verwaltet.
Die ethnografische Sammlung zählt heute mehr als 77.000 Exponate und ist eine der größten ethnografischen Sammlungen in der Tschechischen Republik. Viele Ausstellungsstücke befinden sich auch in anderen Museen im Land.

Rundgang durch das Ethnographische Museum Pilsen
Das Ethnografischen Museum der Region Pilsen ist von 2021 bis 2023 umfassend renoviert worde. Ich habe kurz vor der Renovierung das Museum zum ersten Mal besucht. Damals war nur ein begleiteter Rundgang möglich, bei dem ich die Informationen in einem dicken Ordner auf deutsch nachlesen konnte. Ehrlich gesagt, war ich sehr gespannt, wie sich die Ausstellung und vor allem die Präsentation verändert hat.
Es sei gleich vorweg genommen: es hat sich viel verändert und mir gefällt es wesentlich besser. Heute besteht die Möglichkeit alleine durch die Dauerausstellungen zu schlendern. Die Informationstafeln sind meist mehrsprachig gestaltet und es gibt auch einige multimediale Stationen, die den Besuch abwechslungsreicher werden lassen.
Die Ausstellungsräume erlebt man als Rundgang innerhalb der beiden historischen Gebäude. Oft sind schon die Räume auch ohne ein Blick auf die Exponate zu werfen sehenswert: große Deckenbalken, schiefe Wände, kleine Fenster und “Reste” der historischen Nutzung, wie zum Beispiel eine Toilette.

Dauerausstellung: “Vom Dorf zur Stadt”
Es gibt mehrere Räume, die sich mit dem Thema Wohnen beschäftigen. Hier kann man die Einrichtung bürgerlicher Wohnungen aus den verschiedenen Epochen sehen.


Spannend finde ich auch ein Blick in eine Küche mit offenem Feuer und Tontöpfen. Hinter einer Tür entdecken wir auch eine “Schwarze Küche”. Bis heute ist der Raum durch die rußgeschwärzten dunkel Wände geprägt und auch etwas unheimlich. Da hätte ich nicht gerne gekocht.


In einem Raum war ein kleiner Laden aufgebaut. Ein Verkaufstresen mit einer Waage, einige typische Produkte und ein Schrank mit Schubkästen. Genauso habe ich mir immer einen „Tante-Emma-Laden“ auf dem Land vorgestellt.

Brauchtum
Der zweite Schwerpunkt des Ethnologischen Museums der Region Pilsen beschäftigt sich mit dem Thema “Lebensunterhalt, Kleidung, Bräuche”.
Beeindruckt haben mich die wunderschönen Trachten aus der Pilsner Region. Zu gerne würde ich diese bei einer Veranstaltung einmal getragen erleben und dann einen traditionellen Tanz dazu sehen.

Sehr spannend fand ich auch den Bereich, der sich mit dem Handwerk beschäftigt hat. Klar wurde und wqird in der Region Bier gebraut. Eine kleine alte Destille zeigte uns, es gab auch Schnapsbrenner.
Was ich nicht wusste, auch in der Pilsner Region trug man Holzschuhe, die mich sehr an die Niederlande erinnerten. Einen typischen Arbeitsplatz eines Holzschuhmachers konnten wir uns genauer ansehen.

Nicht fehlen durften die Webstühle, die für die Herstellung von wunderschönen Stoffen benötigt wurden.

Das Thema Tradition wird im Ethnografischen Museum sehr ausführlich betrachtet. Wir waren zur Weihnachtszeit in der Stadt und haben unseren Betrachtungs-Schwerpunkt auf den Brauchtum zu dieser Zeit gelegt.
Beeindruckend fand ich eine große Krippe. Alleine vor diesem Exponat hätte ich ewig stehen können. Was für viele Details und welche farbenfrohe und fantasievolle Darstellung – mir gefällt es sehr.

Ein Brauch, von dem ich bisher noch nichts gehört hatte, wird in der Region zu Nikolaus bis heute betrieben. Am 5.12. kommt hier der Nikolaus zusammen mit Engel und Teufel. Der Teufel “beschenkt” die unartigen Kinder mit Kohle, während die artigen Kinder vom Nikolaus und seinem Engel beschenkt werden.

Schade, dass wir nicht noch mehr Zeit hatten. Auch das Brauchtum zu Ostern und dem Frühlingsanfang hätte ich gerne etwas mehr Aufmerksamkeit geschenkt.
Fundstück
Auf dem Boden in einem Raum gibt es ein Tatzenabdruck einer Katze. Dieser wurde bewusst angelegt, der es angeblich Glück bringen sollte. – Viel Spaß beim Suchen!

Besucherinformationen
Adresse
Národopisné muzeum Plzeňska
náměstí Republiky 13
301 00 Plzeň
Anfahrtsmöglichkeiten
mit dem Öffentlichen Nahverkehr
Straßenbahn Linien 1 und 2: Haltestelle “Náměstí Republiky”
Busverbindungen: Diverse Buslinien bis zur Haltestelle “Náměstí Republiky”.
mit dem Auto
Das Museum liegt in einer verkehrsberuhigten Zone direkt am “Náměstí Republiky”. Es gibt keine Parkplätze vor dem Museum.
Parken
Es gibt keine Parkplätze direkt vor der Tür.
Parkplatz Sady Pětatřicátníků: Dieser Parkplatz liegt sehr günstig am Rande des historischen Zentrums (wenige Gehminuten durch die Parkanlagen zum Museum).
Öffnungszeiten
Dienstag-Sonntag: 10-18 Uhr
Montag: geschlossen, an Feiertagen geöffnet
Geschlossen: 23.12. (Di), 24.12. (Mi, Heiligabend), 25.12. (Do, 1. Weihnachtstag), 26.12. (Fr, 2. Weihnachtstag), 31.12. (Mi, Silvester), 01.01. (Do, Neujahr).
Eintrittspreise
Erwachsene: 100 CZK
Es werden Ermäßigungen angeboten.
Barrierefreiheit
Aufgrund der historischen Bausubstanz des Ethnografischen Museums (denkmalgeschützte Bürgerhäuser) können Einschränkungen in bestimmten Bereichen bestehen.
Gepäck und Gardrobe
Das Museum verfolgt eine strikte “No-Backpack”-Politik in den Ausstellungsräumen. Große Gepäckstücke, Rucksäcke, Schulranzen und Regenschirme sind in den Expositionsräumen nicht gestattet.
Es steht eine kostenlose Garderobe zur Verfügung.
FAQ
Darf mein Hund mit ins Museum?
Die Mitnahme von Haustieren ist generell untersagt. Die einzige Ausnahme bilden Assistenzhunde für Besucher mit einem ZTP/P-Ausweis (Schwerbehinderung mit Begleitbedarf).
Darf ich fotografieren?
Fotografieren für private Zwecke ist grundsätzlich gestattet.
Bietet das Museum Führungen in Fremdsprachen an?
Das Museum ist auf internationale Besucher eingestellt. Die Website bietet Sprachoptionen und die Dauerausstellungen nutzen moderne Medien, die in der Regel mehrsprachig (Tschechisch/Englisch/Deutsch) ausgelegt sind. Für personalisierte Führungen durch Kuratoren empfiehlt es sich jedoch dringend, diese im Voraus zu buchen.
Wie viel Zeit sollte ich realistisch einplanen?
Um die “labyrinthartige” Struktur der Gebäude und die zwei umfangreichen Dauerausstellungen ausführlich zu besuchen, sollten mindestens 2 bis 3 Stunden veranschlagt werden.
Kann ich authentische Souvenirs erwerben?
Der Museumsshop verkauft Produkte, die von zertifizierten “Meistern der traditionellen Handwerksproduktion der Region Pilsen” und “Trägern der Tradition” gefertigt wurden. Der Kauf dort unterstützt also direkt den Erhalt regionaler Handwerkstechniken.
Offenlegung: Der Besuch im Ethnographische Museum Pilsen war Bestandteil einer Recherchereise in die Region.
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