In einer perfekt sanierten ehemaligen Zuckerfabrik (die später als Depot für Oberleitungsbusse diente), befindet sich heute das Depo Moto Art. Hier trifft Industriegeschichte auf eine Weltklasse-Sammlung von Autos, Motorrädern und Fahrrädern.
Sobald man die schwere Tür zur Halle aufstößt, taucht man in eine andere Welt ein. Es ist dieser unverwechselbare Duft von altem Öl und Benzin, der mich sofort gefangen genommen hat. In dem riesigen Raum hallen die eigenen Schritte auf dem Boden wider, während das Licht durch die hohen Sprossenfenster fällt.

Von Staatskarossen und bayerischen Klassikern
Obwohl ich kein ausgewiesener Fachmann für Drehmomente oder Zylinderköpfe bin, hat mich der Anblick wirklich begeistert. Die Ausstellung umfasst etwa 40 Automobile, und jedes erzählt seine eigene Geschichte.

Besonders hängen geblieben sind die Klassiker, die man noch aus alten Filmen oder Erzählungen kennt: Die zeitlose Eleganz der alten Ford-Modelle und der sportliche Look der frühen BMWs lassen das Herz jedes Fans höher schlagen.

Mein persönliches Highlight war jedoch ein echter Farbtupfer zwischen den Giganten: Eine knallrote BMW Isetta. Diese “Knutschkugel” mit ihrer markanten Fronttür wirkt neben den massiven Wagen fast wie ein Spielzeug, versprüht aber einen unglaublichen Charme der Wirtschaftswunderjahre. Kein Wunder warum meine Eltern dieses Auto damals geliebt haben!

Die polierte Karosserien der Autos glänzen im Licht. Bei einem Blick ins Innere entdecke ich zum Teil noch alte Ledersitze und Armaturenbretter, die aus einer Zeit stammen, wo Computer noch nicht mal existiert haben. Damals piepte noch kein eingebauter Sensor beim Rückwärtsfahren und ein Radio suchte man vergeblich im Auto.

Die Marke Praga dominiert die Ausstellung. Als ich vor den riesigen, schwarzen Staatskarossen aus der Vorkriegszeit stehe, kommen mir sofort Spionageroman der 30er Jahre und alte Krimis in den Kopf. Man meint fast, das Knistern des schweren Leders zu hören, wenn man sich vorstellt, wie die Besitzer dort hinten Platz genommen und Geschäfte verhandelt haben. Man sieht hier alles vom luxuriösen Cabriolet bis hin zum modernen Supersportler Praga R1.
Was ich nach dem Besuch der Ausstellung erst erfahren habe: Die Praga-Fahrzeuge stammen aus der Sammlung von Emil Příhoda. Dieser sammelt seit 1957 Autos. Inzwischen sollen es über 90 Fahrzeuge sein, die zum UNESCO Weltkulturerbe gehören. In Pilsen stehen 40 Autos seiner Sammlung.

Zwei Räder, die Geschichte schrieben
Auch die Motorrad-Sektion mit ihren 70 Exponaten hat mich sehr fasziniert. Die Ausstellung der Motorräder umfasst einen Teil der Sammlung von Petr Hošťálek. Eine Maschine fiel mir besonders ins Auge: Eine Hurikan von 1949. Mit solchen Rennmotorrädern heitzen einst die Sportler über die Rennstrecken. Wow! Da kann man echt von “mutigen Männern auf ihren heißen Rennkisten” sprechen.

Wer es etwas düsterer mag, bewundert die berüchtigte Vincent HRD “Widowmaker” – das erste Serienmotorrad, das die 200 km/h-Marke knackte und als gefährlichste Maschine seiner Zeit galt. Nicht umsonst erhielt das Motorrad den Namen “Witwenmacher”.


Wo Legenden fuhren: Die Sammlung Stanislav Cink
Ein besonderes Schmuckstück des neuen Museums ist die Fahrradausstellung von Stanislav Cink. Hier kommt man den Erfolgen ganz nah.
Ausgestellt ist unter anderem das Rennrad, das Jan Řehula auf dem Weg zu seiner olympischen Bronzemedaille in Sydney begleitete. Ein weiteres Highlight für Technik-Fans ist das Weltmeisterrad von Roman Kreuziger – ein Stück echte Sportgeschichte zum Greifen nah.
Militärische Fahrzeuge – Zeit der Befreiung
1945 wurde Pilsen von der amerikanischen Armee befreit. Eine Tatsache, die vielen Besuchern der Stadt kaum bekannt ist und in der Patton-Gedenkstätte, einem wirklich interessanten Museum, ausführlich betrachtet wird.
Im Depo Moto Art stehen einige der historischen Fahrzeuge aus dieser Zeit und eine Büste von General Patton.

Reiseinformationen
Adresse
Cukrovarská 13,
301 00 Pilsen
Anfahrt
mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln
Oberleitungs-Bus-Linien 10, 13 oder 14 bis zur Haltestelle „U Radbuzy“.
Öffnungszeiten
Dienstag – Sonntag: 10 -17 Uhr
Eintrittspreise
Erwachsene 250 CZK
Parken
Es gibt kostenpflichtige Parkplätze direkt auf dem Gelände des DEPO2015 (Einfahrt über die Presslova-Straße).
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